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„Und dann gehen Sie jetzt in die Welt?“

Die Leiter der deutschen Career Services zu Besuch in der Akademie des Auswärtigen Amts

Von Marcellus Menke

Es war ein langer Tag, ein Tag, der für mich mit einer nicht ganz einfachen Anreise, einem Busfahrer, der nicht anhalten wollte und einem Shuttle Service begann, der dann doch noch gerade rechtzeitig vor Beginn der Veranstaltung kam. Glück gehabt!

Es war ein Tag mit vielen Informationen, guten Gesprächen und Kontaktenakademeiauswaertigerdienst_poster. Diplomatie als Beruf, war das Thema. Knapp zwanzig Kolleginnen und Kollegen aus den hochschuleigenen Career Services waren eingeladen. Gastgeber war Botschafter Joachim Schmidt, er leitet die Akademie des Auswärtigen Dienstes. Der Auswärtige Dienst ist der Teil der Verwaltung des Bundes, der sich mit der Wahrnehmung der Interessen der Bundesrepublik Deutschland im Ausland befasst. Er umfasst die Mitarbeiter in den diplomatischen und konsularischen Vertretungen weltweit und die Mitarbeiter, die in den Abteilungen des Auswärtigen Amts im Inland tätig sind. An diesem Tag ging es um das, was das Auswärtige Amt von denen erwartet, die bei ihm arbeiten wollen. Höherer Dienst heißt das im Beamtendeutsch oder, wenn man es pointierter und einfach sagen will: Beruf Diplomatie.

Das hat auch viel mit Berufung zu tun. Denn am wichtigsten ist die Motivation. Klar, die Eingangshürden sind hoch. Viele junge Akademikerinnen und Akademiker trauen sich erst gar nicht, sich zu bewerben. Doch das ist, so Sabine Stöhr, Ausbildungsleiterin für den höheren Dienst, gar nicht richtig. Natürlich sucht man Absolvierende mit guten Abschlüssen, natürlich ist ein Auslandsaufenthalt wichtig und auch bestimmte Fächer, Jura und Wirtschaft zum Beispiel sind von besonderem Interesse. Doch letztendlich kommt es vor allem auf die Motivation an. Sabine Stöhr zum Beispiel ist Slawistin und Botschafter Borchert ist Psychologe. Also: Chancen gibt es für alle, alles sehr positiv.

Es gibt auch Dinge, die sollte man wissen, bevor man sich beim Auswärtigen Amt für den höheren Dienst bewirbt.

Positiv ist das Renommee, die Sicherheit des Arbeitsplatzes, die vielen unterschiedlichen Aufgaben, denn auch wenn man sich im Laufe seiner Tätigkeit spezialisiert, Schwerpunkte bildet; ganz grundsätzlich ist jeder beim Auswärtigen Amt ein Generalist. Jeder muss alles können. Und das geht.

Aber: Die hohen Anforderungen sind nicht für jeden Anreiz, sie können auch als Bürde empfunden werden. Und dann: Das Auswärtige Amt tut zwar viel dafür, dass seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Familie und Beruf miteinander vereinbaren können. Es ist ein guter Arbeitgeber. Doch bei aller Unterstützung: Wer alle vier Jahre in einem anderen Land, in einem anderen Kontinent arbeitet, der hat irgendwann das Problem, dass Freunde nicht verstehen, warum man auch zu einem runden Geburtstag nicht mal eben vorbeikommen kann und, die Pflege der alten Eltern organisiert sich auch nicht per Telefon oder Skype.

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In jedem Fall sollte man die Bewerbung beim Auswärtigen Amt mit seinem Partner, seiner Partnerin absprechen. Partner von Mitarbeitern im Diplomatischen Dienst müssen Kompromisse eingehen. Wenn man zusammen sein will, ist eine durchgängige Berufstätigkeit für den Partner/die Partnerin in der Regel nicht möglich. Das ist eine Beeinträchtigung. Es gibt aber auch Paare, die festgestellt haben, dass sie und ihre Kinder von jedem Land, in dem sie waren, profitiert haben. Es ist eben eine sehr persönliche Entscheidung, sein Land in der Welt diplomatisch zu vertreten.

 

Ich stehe jetzt in Berlin am Leopoldplatz und warte auf den Bus. In der U-Bahn von Tegel habe ich mit einem Busfahrer gesprochen. Er fuhr mit zwei Kollegen zu einer Geburtstagsfeier. Ich habe ihm von meiner turbulenten Hinfahrt zur auswärts gelegenen Akademie erzählt und nach der besten Verbindung zum Hauptbahnhof gefragt. Er setzt mich in die Linie 120, die gerade kommt, schaut mich an und meint: „Sind Sie jetzt fertig mit ihrer Ausbildung?“ Und weil ich ihn im Straßenlärm nicht so ganz richtig verstehe und wohl etwas fragend anschaue, fügt er noch hinzu: „Und dann gehen Sie jetzt raus in die Welt?“ Die Tür des Busses schließt. Meine Antwort, dass ich beim Career Service in Siegen an der Universität arbeite, hört er nicht mehr. Erst jetzt wird mir klar, er hat mich die ganze Zeit für einen frisch ausgebildeten Diplomaten gehalten. Ich bin dafür zwar viel zu alt, aber, so denke ich, vielleicht fahren ja demnächst einige unserer Siegener Studierenden mit diesem Bus zur Akademie in Tegel und dann auch schon bald in die ganze Welt.

 

Wer sich über eine Tätigkeit beim Auswärtigen Amt informieren will, kann dies über die Job-Infoseiten des Auswärtigen Amtes tun. http://www.auswaertigesamt.de >Ausbildung und Karriere. Oder er schaut einmal unter http://www.diplomatie.de/ ins Netz. Wer sich im persönlichen Gespräch mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Auswärtigen Amtes einen direkten Eindruck von dem verschaffen will, was Diplomatsein bedeutet, der kann dies in Siegen im Wintersemester 2011/12 im career:FORUM am 9. November tun. Dann ist Katharina Ziegler, die stellvertretende Ausbildungsleiterin für den höheren Dienst zu Gast und stellt Tätigkeitsbereiche, Einstiegsmöglichkeiten- und Voraussetzungen für die Bewerbung vor.