Stadtplanung und Planungsgeschichte - Städtebau und Städtebauliches Entwerfen
- Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Bernd Borghoff
- Univ.-Prof. Dr.-Ing. Schröteler-von Brandt
- Dipl.-Ing. Kathrin Herz
- Dipl.-Ing. Gerrit Schwalbach
Geplante und ungeplante Stadt
Die Bezeichnung „Stadtplanung“ suggeriert uns, „Stadt“ ließe sich in ihrer Gesamtentwicklung planerisch erfassen. Die Geschichte kennt viele Versuche, wie unter Anwendung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse städtische Entwicklungen vorausbestimmt werden sollten. Neue Stadtformen wurden nach rationalen Gesichtspunkten entwickelt, „Idealstädte“ nach neuen Ordnungsprinzipien entworfen. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts verlangte die Moderne - unter dem Eindruck explosionsartig wachsender Städte – eine funktionale Neugliederung der Städte. Mit Aufkommen des Computers schienen Ende der 1960er Jahre die genaue Vorausplanung städtischer Entwicklungen endlich realisierbar.
Gleichwohl sind alle Versuche einer detailgenauen Stadtplanung bis heute gescheitert. Heute glauben wir, dass städtische Entwicklungsprozesse in ihrer Gesamtheit viel zu komplex und z. T. auch widersprüchlich sind, als dass sie zeit- und praxisnah erfasst und fortgeschrieben werden könnten. Keine Stadt hat „exklusive“ Rahmenbedingungen, vielmehr ist jede Stadtentwicklung nicht vorhersehbaren Einflüssen ausgesetzt sowie in überregionale Austauschprozesse eingebunden. Trotz dieses Eingeständnisses ist Stadtplanung bis heute unverzichtbar - nur will sie „Stadt“ nicht länger bis ins Detail vorausplanen, sondern vielmehr „verstehen“ und Perspektiven zur Integration vieler Einzelentwicklungen bereit stellen. Sie will sich damit an den Rahmenbedingungen für ein sozial gerechtes und kulturell vielschichtiges Leben in der Stadt beteiligen. Das Lehrgebiet Städtebau folgt dieser Spur: es stellt Stadtplanung in einen geschichtlichen Kontext, skizziert die Vielschichtigkeit urbanen Lebens und vermittelt die Instrumente zur Sicherung einer nachhaltigen Stadtentwicklung.

