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Integration durch Bildung

Vorstudium für Geflüchtete an der Universität Siegen (Precollege for Refugees)

Auch jenseits der Notunterkunft sieht die Universität Siegen für die nächsten Jahre die Herausforderung, die Studierfähigkeit von Fluchtmigranten festzustellen und ihnen entsprechend ihrer Kompetenzen ein Studium in Deutschland zu ermöglichen. Mit dem Vorstudium für Geflüchtete (Precollege for Refugees) bietet die Universität Siegen ein umfassendes Programm zur gezielten Studienvorbereitung und Studienorientierung an und unterstützt bei der Integration in das Hochschulstudium in Deutschland.

Das Herzstück des Programms ist der studienvorbereitende Deutschsprachkurs im Umfang von 24 Semesterwochenstunden im Vollzeitkurs und 12 Semesterwochenstunden im Abendkurs. Ziel der Kurse ist das Ablegen der DSH-Prüfung, die die sprachliche Voraussetzung für die Aufnahme eines deutschsprachigen Studienganges darstellt. Zusätzlich werden zwei Stunden wöchentlich propädeutische Maßnahmen entsprechend der Vorkenntnisse und der Studieninteressen der Vorstudierenden angeboten, die auch zur Vorbereitung auf fachspezifische Eignungsprüfungen der Universität Siegen oder den TestAS dienen. Begleitet werden die Vorstudierenden von dem Kursleiter/Vorstudienberater, der ihre individuelle Bildungsbiographie erörtert und gemeinsam mit ihnen Handlungsoptionen für eine zukünftige Aufnahme bzw. Fortsetzung ihres Studiums in Deutschland entwickelt. Die Universität hofft, dass das Programm bei entsprechender Nachfrage erweitert und verlängert wird.

Mit der Bewerbung ist der Nachweis des Geflüchtetenstatus (Kopie der Bescheinigung über die Meldung eines Asylantrags - BüMA, des Aufenthaltstitels oder Anerkennungsbescheids) sowie die Dokumente, die ihre bisherige Schul- und Studienzeit in ihren Herkunftsländern dokumentieren, einzureichen. Sollten diese Dokumente nicht verfügbar sein, können sich Interessenten dennoch bewerben. Sie sollen bitte das Fehlen der Dokumente begründen bzw.  mitteilen, ob diese Dokumente nachgereicht werden können. Bewerber sollen auch mitteilen, ob Sie am Vollzeit- oder am Abendkurs teilnehmen wollen.

Für ein Beratungsgespräch - falls notwendig - melden sich Interessenten für das Vorstudium bitte bei Herrn Gerhus (christian.gerhus@zv.uni-siegen.de). Für das Beratungsgespräch ist die Angabe des Namens, Geburtsdatum, Geburtsort, Nationalität bzw. Herkunftslands, Kontaktdaten (falls vorhanden E-Mail oder Handynummer), sowie der bzw. die Studiengänge, für die sich die Person interessiert (dies kann während des Vorstudiums noch geändert werden) notwendig.

Geflüchtete helfen Geflüchteten

Ziel dieses vom BMBF geförderten Projekts ist die erfolgreiche Integration Studierender mit Fluchtmigrationshintergrund zu erleichtern und sie an der Universität Siegen weiter zu qualifizieren, um ihnen die Entfaltung ihres Potentials durch das breite Spektrum an Studienangeboten zu ermöglichen. Dabei sollen Geflüchtete angefangen von studienvorbereitenden Sprachkursen bis hin zum erfolgreichen Studienabschluss in den verschiedenen Bachelor- und Master-Programmen der Universität Siegen sowie bei der Promotion fachlich und sozial-integrativ von studentischen Hilfskräften begleitet werden. Die Hilfskräfte sind selbst Geflüchtete und bringen wegen ihrer eigenen Fluchtmigrationsgeschichte und ihres bereits fortgeschrittenen Studienverlaufs an der Universität Siegen die nötige Empathie für die Zielgruppe mit und werden gleichzeitig als authentische Ansprechpartner wahrgenommen.
 
Die Hilfskräfte
  • können von Schulen/Lehrern, dem Integrationspoint, den Kommunen und sonstigen in der Geflüchtetenhilfe und Integrationsarbeit tätigen eingeladen werden, um Geflüchteten von den Möglichkeiten eines Studiums in Deutschland zu berichten. 
  • stellen den Kontakt zur Universität Siegen her und begleiten das Vorstudium für Geflüchtete.
  • bieten fachliche Unterstützung beim Schulabschluss oder Studieneinstieg wie Lernhilfen zum Spracherwerb und vermitteln Klausur- und Prüfungsvorbereitung.
  • nehmen Anfragen von Studierenden mit Fluchtmigrationshintergrund auf und vermitteln Unterstützung bei Behördengängen und Antragstellungen (z.B. BAFöG).
  • bieten Informationsveranstaltungen zu den Studienmöglichkeiten der Universität Siegen an und vermitteln falls nötig zu weiteren Einrichtungen etwa zur Studienfinanzierung, studentischem Wohnen, Gesundheitswesen oder stellen Kontakt zu Vereinen und ehrenamtlichen Helfern her.
  • organisieren Gesprächskreise zu flucht- und migrationsspezifischen Themen sowie zur interkulturellen Sensibilisierung, an denen deutsche Studierende und Studierende mit Fluchtmigrationshintergrund teilnehmen, sich austauschen und voneinander lernen.
Ansprechpartner zum Projekt "Geflüchtete helfen Geflüchteten":
Christian Gerhus
E-Mail: christian.gerhus@zv.uni-siegen
Telefon: 0271/740-5090
 

Projekte zur Begleitung von Geflüchteten an der Universität Siegen

Die Universität Siegen fördert die Integration von Flüchtlingen – und unterstützt dazu bestehende ehrenamtliche Hilfe und neue Projekte zur Flüchtlingshilfe. „Ein umfangreiches Bildungs- und Betreuungsangebot ist die Grundlage, um Flüchtlingen den Zugang zur Gesellschaft zu ermöglichen“, sagt Rektor Prof. Burckhart. Ende September 2015 hatte die Universität hierzu einen Ideenwettbewerb für Studierende ausgerufen und ein Budget von bis zu 200.000 Euro bereitgestellt. Die Resonanz war groß. Mehr als 30 Anträge zur Unterstützung der bestehenden ehrenamtlichen Hilfe und zu gänzlich neuen Projekten rund um die Notunterkunft für Flüchtlinge am Haardter Berg gingen ein. Zum November 2015 hatte die Universität Siegen mehr als 30 Studentische Hilfskräfte (SHKs) eingestellt, um die Projekte zu fördern. „Damit möchten wir unsere Studierenden unterstützen und ihr Engagement verstetigen“, sagt Prof. Burckhart. Über die Förderung hat eine Vergabekommission bestehend aus Vertretern der Studierendenschaft, des Rektorats und der Verwaltung entschieden.

Hier eine Auswahl der unterstützten Projekte in der Übersicht:

  • Kleidersammlung

Die studentische Initiative „Refugees Welcome“ betrieb seit der ersten Stunde einen Kleiderladen auf dem Campus Adolf-Reichwein-Straße zur Unterstützung der Notunterkunft. Studierende sammelten und verteilten Kleidung, Hygiene-Artikel und weitere Spenden für Flüchtlinge in der Region Siegen-Wittgenstein. Auf der Homepage der Intitiative Refugees Welcome waren der aktuelle Bedarf und die Annahme-Zeiten aufgeführt.

Der Kleiderladen ist nach dem Ende des Betriebs der Notunterkunft umgezogen und nun in der Tiergartenstraße zu finden. Geöffnet hat der neue Kleiderladen immer montags und mittwochs zwischen 14 und 17 Uhr.

Wer gebrauchte, tragbare und gewaschene Kleidung spenden möchte, kann dies immer freitags von 15 bis  18 Uhr in der Tiergartenstraße 58, 57072 Siegen (altes Kreiswehrersatzamt) tun.

Kontakt zur Initiative: spenden@rwsiegen.de

  • Kinderbetreuung

In Zusammenarbeit mit dem Gleichstellungsbüro der Universität Siegen boten Studierende ein umfassendes Programm für Kinder in der Notunterkunft an. Zum November wurde die Betreuung mit weiteren Hilfskräften ausgebaut und durch Märchenstunden mit Puppenspiel, Musikgruppen und einem Chor-Angebot erweitert.

  • Deutsch-Kurse

Koordiniert von der Initiative „Refugees Welcome“ wurden in einem ehemaligen Klassenraum der Haardter-Berg-Schule regelmäßig Deutsch-Kurse angeboten. Studierende der Lehramtsstudiengänge und der Germanistik unterrichten Deutsch auf verschiedenen Niveaus. Da es sich um eine Notunterkunft handelte, blieben die meisten Flüchtlinge nur 14 Tage oder weniger auf dem Haardter Berg. Der häufige Wechsel der Belegung stellte eine besondere Herausforderung dar. Die Kurse waren daher auf verschiedene Anfängerniveaustufen ausgerichtet, in die ständig eingestiegen werden konnte. Die Resonanz war groß, die Kurse waren voll belegt.

  • Bildungsangebote

Neben Sprachkursen unterstützt die Universität Siegen weitere Bildungsangebote für Flüchtlinge. Unter Anleitung des Germanistischen Seminars richteten Studentische Hilfskräfte eine Bibliothek mit gespendeten Büchern und Comics auf Arabisch, Englisch und Deutsch ein. Studierende des Grundschullehramts entwickelten ein „Bilderbuchkino“, das die Sprachvermittlung an Kinder und Jugendliche unterstützte. Wöchentlich boten Studierende der Anglistik eine „Textwerkstatt“ für englische und deutsche Texte an. Teilnehmer hatten die Möglichkeit, ihre Texte bei der studentischen Initiative „LiteraListen“ zu veröffentlichen. Studentische Hilfskräfte der Sozialwissenschaften boten im wöchentlichen Wechsel eine Einführung in das soziale und politische System der BRD an.

  • Sportangebote für Geflüchtete

Wochentags gab es in der Sporthalle der ehemaligen Haardter-Berg-Schule ein Sportangebot für Kinder sowie für Jugendliche und Erwachsene. Die Sportkurse wurden von LeiterInnen des Allgemeinen Hochschulsports und der Kinderbetreuung angeboten.

  • Internetcafé

Dank der Initiative Freifunk hatten die Bewohner der Notunterkunft Zugang zum Internet per W-LAN. Der Fachbereich Wirtschaftsinformatik der Universität Siegen bot regelmäßig ein Internetcafé für die Bewohner an, bei dem Tablets ausgeliehen werden konnten, beispielsweise um per Skype Kontakt zu den Familien in der Heimat aufzunehmen. Studentische Hilfskräfte leisteten hier Support.

  • Dolmetscher-Pool

Koordiniert vom Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) der Uni Siegen nutzten Stadt und die Hilfsprojekte einen ehrenamtlichen DolmetscherInnen-Pool für die Verständigung mit den Bewohnern.

Hier finden Sie eine Übersicht zur Ehrenamtlichen Hilfe.