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„Welfare Conference“ – 25./26.4.2013

Diversität und Mobilität im ökonomisierten Wohlfahrtsstaat

Am 25. und 26. April 2013 fand durch Kooperation des Forschungskollegs (Universität Siegen) mit der Universität Potsdam eine internationale Tagung mit dem Themenschwerpunkt „Diversität und Mobilität im ökonomischen Wohlfahrtsstaat“ statt.

WissenschaftlerInnen aus verschiedensten Ländern und Institutionen diskutierten gemeinsam mit Studierenden der Universität Siegen und Potsdam die verschiedenen Entwicklungsmomente  der Transformation des Wohlfahrtsstaates, ebenso die Frage, wie in einer zunehmend heterogenen und mobilen Gesellschaft eine nachhaltige Sicherung der Zukunftsfähigkeit des Wohlfahrtsstaates aussehen könnte.

Es wurde diskutiert, dass unterschiedliche Trends die gegenwärtige Transformation der Wohlfahrtsstaaten in Europa bestimmen. Eine zunehmend heterogene und zugleich mobilere Gesellschaft stellt die wohlfahrtsstaatlichen Sicherungssysteme vor neue Herausforderungen. Was bedeutet beispielsweise Diversity in der Gesundheits- und Pflegepolitik, wenn Patienten bzw. Pflegebedürftige und Beschäftigte mit unterschiedlichen kulturellen oder religiösen Hintergründen aufeinandertreffen? Ebenso wie die gestiegene ‚Diversität‘ stellt auch die gestiegene ‚Mobilität‘ die tradierten Grundlagen der sozialen Sicherungssysteme vor Herausforderungen. Gestiegene ‚Mobilität‘ meint in diesem Kontext weitaus mehr, als das Problem der klassischen Migration und die Frage der gesellschaftlichen Integration von ausländischen Mitbürgern. Probleme erwachsen auch aus der zunehmenden grenzüberschreitenden ‚Mobilität‘ ohne dauerhaften Wechsel der Staatsbürgerschaft: Wie sind zum Beispiel Finanzierungs- und Anbieterstrukturen zu gestalten, wenn Verbraucher, sei es aufgrund von Qualität oder aufgrund von Preisen, gezielt wohlfahrtsstaatliche Leistungen jenseits ihres Wohn- oder Arbeitsortes nutzen? Wie kann beruflich mobilen Bürgern die ‚Portabilität‘ ihrer Leistungen gewährleistet werden? Und wie ist es schließlich zu bewerten, wenn Anbieter sich auf ein zahlungskräftiges, internationales Klientel fokussieren – zu Lasten der Allgemeinversorgung vor Ort?

Es sind aber nicht nur politikexterne Faktoren wie der sozio-demographische Mobilitäts-Wandel, welche die Transformation des Wohlfahrtsstaates bedingen. Auch die Politik selbst treibt den Transformationsprozess voran. Angesichts permanenter Austerität sind Privatisierung und die Schaffung von Wohlfahrtsmärkten zu einem dominanten Trend der Reform des Wohlfahrtsstaates geworden. In allen relevanten Feldern der sozialen Sicherung – Gesundheit, Pflege, Alterssicherung und Arbeitslosenversicherung – werden soziale Güter und Dienstleistungen mehr und mehr von privaten gewinnorientierten Akteuren erbracht.

Die gestiegene Diversität und Mobilität der Gesellschaft stellt vor allem die Wohlfahrtsstaaten vor Herausforderungen, die auf eine marktliche Steuerung ihrer sozialen Sicherungssysteme setzen und dabei mit autonomen und eigenen (Profit-)Interessen verfolgenden Akteuren kooperieren. Hier ist sicherzustellen, dass Wohlfahrtsmärkte nicht nur effiziente, sondern auch sozialpolitisch erwünschte Ergebnisse erzeugen, d.h. dass alle Bürger gleichermaßen Zugang zu Leistungen haben, dass die Güter von entsprechender Qualität sind und die Interessen der Bürger bei der Gestaltung der Angebote Berücksichtigung finden. Kurzum: es stellen sich Fragen nach der Regulation von und Partizipation in Wohlfahrtsmärkten.
 
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