Energie
Das Thema Energie ist für das FoKoS von hoher strategischer Bedeutung. Es ist im besonderen Maße geeignet, naturwissenschaftlich-technische und sozialwissenschaftliche Perspektiven zu verbinden. Die Frage der Energieversorgung der Gesellschaft ist eines der großen Probleme, welche moderne Gesellschaften in den kommenden Jahren lösen müssen. Fossile Energieträger, die bislang den Großteil der Energieversorgung abdecken, sind nur in begrenztem Maße vorhanden. Die Erschließung der Vorkommen ist technisch aufwendig, ökonomisch teuer und häufig von fragilen politischen Institutionen abhängig. Der Transport von Energie ist ebenfalls teuer, anfällig für politische Störungen und birgt große Umweltrisiken. Der Verbrauch fossiler Energieträger schließlich gilt als ein maßgeblicher Faktor für den Klimawandel.
Die Kernenergie konnte das Versprechen einer „sauberen Alternative“ zu Kohle, Öl und Gas bislang nicht erfüllen. Die problematischen Faktoren sind hier der dual-use Charakter der Atomkraft, die extrem hohen Kosten bei Katastrophenereignissen und die weltweit ungelöste Frage der Endlagerung radioaktiver Abfälle.
Aber auch die regenerativen Energiequellen stellen die Gesellschaften vor große Probleme. Erstens ist die ökonomisch sinnvolle Nutzung von Wind, Wasser und Sonne sehr stark von den geografischen Gegebenheiten abhängig. Zweitens unterstellt eine Deckung des enormen Energiebedarfs von Industrienationen durch regenerative Energiequellen Großanlagen, deren Risiken und ökologischen Folgen bislang kaum untersucht sind - mit der Ausnahme der Wasserkraft, bei der schon seit Jahrzehnten auf die zum Teil verheerenden Folgen von Großprojekten aufmerksam gemacht wird. Große Staudämme stehen inzwischen sogar als mögliche Auslöser von Erdbeben in Verdacht. Der Haupteinwand gegen eine weltweite massive Nutzung der Wasserkraft ist aber, dass Wasser selbst eine knappe Ressource ist. Die Staudämme, die zur Energieerzeugung genutzt werden, haben in verschiedenen Fällen bereits zur Verödung ganzer Landstriche geführt. Ein ähnliches Argument wird in Bezug auf Biomasse angebracht: Die Anpflanzung von Energieträgern auf der beschränkten landwirtschaftlich nutzbaren Fläche verringert die Kapazitäten zur Lebensmittelproduktion. Im Bereich der Wind- und Solarenergie fehlen bislang die Erfahrungen mit Großanlagen. Aber auch hier gilt, dass die Nutzung einer Fläche für die Energieerzeugung andere Nutzungsarten ausschließt. Insgesamt ist die Vorstellung, durch regenerative Energiequellen ließe sich ein Zustand erreichen, in dem Energie kein knappes Gut mehr ist, naiv.
Für viele Klimaforscher steht sowieso fest, dass eine Erderwärmung mit katastrophalen Folgen nur durch eine drastische Verringerung des Energieverbrauchs zu verhindern ist. Gerade die neu aufstrebenden Industrienationen, die als Wachstumsmärkte für die westlichen Industrienationen fest eingeplant sind, werden ihren Energieverbrauch aber die kommenden Jahrzehnte extrem steigern.
Die Frage der Energieversorgung wird daher in den kommenden Jahren einen enormen Bedarf an praxisrelevanter Forschung bedingen; sowohl aus technischer als auch aus ökonomischer und politischer Perspektive.

