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Global Governance

Der Forschungsschwerpunkt Global Governance befasst sich mit der Regelbildung und Regelbindung in Mehrebenensystemen sowie deren Umsetzung in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Die Schwierigkeiten der globalen Abstimmung von Verhaltensweisen im Bereich von Umwelt, Finanzen, Handel und Migration erfordern Regeln, die den unterschiedenen Ansprüchen der Nationalstaaten gerecht werden und die angemessene institutionelle Organisation sowie eine möglichst konfliktfreie Verschiebung der globalen Machtverhältnisse sicherstellen. Dies reicht von einer Neuorganisation der globalen Entscheidungsfindung (G-20, regionale Abkommen), über die Ausgestaltung der Entscheidungsfindung in der EU angesichts zunehmender Heterogenitäten („flexible coordination“) bis hin zu den Konsequenzen der Veränderungen auf regionaler Ebene und bei Unternehmen. Insofern ist auch die Anpassung an den regionalen Wandel zu gestalten und sind entsprechende neue Formen der Organisation zu finden. Regelbildung ist dabei nicht ausschließlich als top-down Prozess zu verstehen, denn gerade auch durch das Zusammenwirken von Akteuren in dezentralen Netzwerken werden Governance-Mechanismen entwickelt.

a) Globale Verschiebungen: Theorie und Erfahrungen

Ziel des Projekts ist die (spiel)theoretische Betrachtung von Politikkoordination bei Unsicherheit und heterogenen Zielvorstellungen sowie die angemessene Ebene der Regulierung (global, regional) bei einer zunehmenden Anzahl heterogener und mehr oder weniger gleichberechtigter Entscheidungsträger. Die Abwesenheit eines „Hegemons“ wird neue Formen der Koordination und Kooperation erfordern, während sich für Regionen und Unternehmen zugleich die Frage stellt, wie sie sich in diese Prozesse einbringen und ihre Interessen zur Geltung bringen können. Neben der Anpassung der formalen Strukturen geht es vor allem auch um die Entwicklung und Nutzbarmachung von informellen Strukturen, die Einbindung neuer Akteure und neue Kommunikationsformen. Auch historische Veränderungsprozesse und Erfahrungen, die ähnliche Charakteristika aufweisen, werden vor diesem Hintergrund untersucht.

b) Globale Regeln und deren Umsetzung

Die zunehmende Integration von Güter-, Kapital- und Arbeitsmärkten einerseits und die Konsequenzen einer unzureichend abgestimmten Regulierung andererseits unterstreichen den Bedarf an globalen Regeln für deren grenzüberschreitenden Bewegungen und daraus resultierenden Konsequenzen. Das Projekt soll sich in einem ersten Schritt mit dem Schutz von Eigentumsrechten bei grenzüberschreitendem Kapitalverkehr befassen. Später sollen dann neue Regeln im Bereich Handel und Kapitalverkehr untersucht werden. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Analyse von internationalen Regeln für die Mobilität von Arbeitskräften.

Neben der Implementierung auf politischer Ebene können, wie jüngste Erfahrungen unterstreichen, Regulierungen nur erfolgreich sein, wenn sie auch auf nachgelagerten Ebenen umgesetzt werden. Das Projekt befasst sich daher auch mit den Anforderungen ethischer, rechtlicher und personeller Art auf der Unternehmensebene, die eine erfolgreiche Regelgebung und deren Umsetzung möglich machen.