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Mobilität und Diversität

Moderne Gesellschaften sind geprägt durch Mobilität und Diversität. Mobil sind sie im Sinne verflochtener Verkehrswege und beschleunigten Datenaustausches und weltumspannender Kommunikation, also im Sinne flexibler Infrastrukturen. Mobil sind moderne Gesellschaften aber auch, weil Menschen häufiger ihre Arbeitsorte und Lebensstile wechseln, weil es sozialen Auf- und Abstieg gibt, und weil soziale Netzwerke immer wieder neu entstehen. Auch hinter dem demografischen Wandel verbergen sich teilweise Prozesse von Mobilität und räumlichen Verschiebungen. Moderne Gesellschaften sind auch von Diversität geprägt, weil sie sozial und kulturell,  aber auch ökonomisch und politisch immer vielfältiger werden.

Mobilität und Diversität können kreative Potenziale freisetzen.  Soziale Mobilität, transnationale Migrationsprozesse oder sich verändernde Geschlechterverhältnisse beschleunigen sozialen Wandel, lösen aber auch neue Konflikte aus. Die scheinbar eindeutige Wirtschafts- und Sozialstruktur der vergangenen Jahrzehnte hat sich ebenfalls ausdifferenziert: Neue Wirtschaftssektoren und Berufsgruppen bilden sich, an Märkten treten neue Akteure auf, und neben Prozessen der Homogenisierung von Konsumentenbedürfnissen gibt es auch gegenläufige Tendenzen, nämlich vielfältige Verbraucherbedürfnisse und -interessen. Die Politik- und Parteienverdrossenheit nimmt einerseits zu, andererseits entstehen neue Parteien und Interessengruppen, die vernachlässigte Themen und Gruppen repräsentieren, neue Konfliktlinien ausbilden und politische Beteiligung verändern. Es entstehen neue Ansprüche, sich an wirtschaftlichen und politischen Entscheidungen zu beteiligen.

Mobilität und Diversität bilden, prägen und verändern auch die Räume, in denen Menschen leben und arbeiten. Räume sind nichts Statisches, selbst die Landschaft in ihnen verändert sich. Räume bilden sich interaktiv, entstehen durch miteinander verbundene Netzwerke und bilden auf diese Weise “wohlumgrenzte” Lokalgesellschaften. Grenzen werden dabei stets neu gezogen, neu definiert, neu interpretiert.

Im Forschungsschwerpunkt „Mobilität und Diversität“ arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen wie der Erziehungswissenschaft, der Soziologie, den Wirtschaftswissenschaften, der Politikwissenschaft, der Geschichte, der Stadtplanung und der Ethnologie zusammen. Einige zentrale Fragestellungen bilden das Fundament gemeinsamer, vernetzter Forschung:
 
- Wie hat sich soziale und räumliche Mobilität historisch entwickelt und dabei Grenzen neu definiert, verschoben und verändert?
- Welche Strategien entwickeln Unternehmen, Politik und Verwaltung, mit zunehmender Mobilität und Diversität umzugehen und
   welche Konsequenzen hat dies?
- In welcher Weise beteiligen sich Menschen an der politischen Gestaltung von Mobilität und Diversität?
- Wird der Anspruch an diskriminierungsfreie Nutzung von Bildung und Infrastruktur eingelöst?
- Wie entwickelt sich in ländlichen, strukturschwachen Regionen die soziale, gesundheitliche und wirtschaftliche Infrastruktur?
- Wann und wodurch entstehen neue Modelle sozialer, politischer, ökonomischer und technischer Infrastruktur, und
   welche Rolle spielt dabei die Partizipation der Nutzerinnen und Nutzer?
 

Diese zentralen Fragen werden interdisziplinär erforscht, mit Hilfe qualitativer und quantitativer Methoden der Kultur- und Sozialwissenschaften und unter Beteiligung von Kolleginnen und Kollegen anderer Universitäten innerhalb und außerhalb Deutschlands.