Zivile Sicherheit
Vulkanausbrüche, Hurricanes, Überschwemmungen, Stürme, Erdbeben und Waldbrände sind nur einige der über 100 Naturkatastrophen, die z.B. im Jahr 2010 wieder auftraten und seit 1980 für die zweitgrößte Anzahl von Naturkatastrophen innerhalb eines Jahres sorgten. Durch die Naturkatastrophen starben im Jahr 2010 weltweit etwa 295.000 Menschen und es entstanden monetäre Schäden von etwa 150 Mrd. US-Dollar (MunichRe, 2011). Neben den Naturkatastrophen, die zu Todesopfern und direkten monetären Schäden führen, hat das Jahr 2010 auch gezeigt, dass vergleichsweise moderate Ereignisse, wie der Ausbruch des isländischen Vulkans Eyiafjallajökull, zu hohen wirtschaftlichen Schäden führen können. Dabei stehen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft solchen Ereignissen häufig nahezu unvorbereitet gegenüber. Notfallpläne, die über einen Zeitraum von wenigen Tagen hinausreichen, sind selten. Dies gilt ebenso für nicht weniger unwahrscheinliche Ereignisse, wie zum Beispiel für einen mehrwöchigen, überregionalen Stromausfall oder den (partiellen) Zusammenbruch des Internets. Aufgrund der weltweiten Vernetzung und der technologischen Abhängigkeiten sowie der mangelnden Vorsorge wären verheerende Folgen sicher. Gefährdungen für die Bevölkerung können nicht nur durch Naturereignisse entstehen, sondern ebenso durch technische Risiken, Krankheiten und Verunreinigungen von Lebensmitteln. Auch für solche Gefährdungslagen sind geeignete Konzepte zum Management und zur Bewältigung nötig.
Unter dem Begriff der „Zivilen Sicherheit“ werden inter- und transdisziplinäre Forschungen im Bereich der Sicherheit für Menschen und Umwelt subsumiert. Im Rahmen des Forschungskollegs „Zukunft menschlich gestalten“ der Universität Siegen sind zur Strukturierung der Forschungsaktivitäten drei Cluster (Kommunikation und Medien, Sensorik, Technische Systeme) gebildet worden, aus denen heraus Forschungsfelder erschlossen werden sollen. Hierbei werden komplexe und gesellschaftlich relevante Problemstellungen durch unterschiedliche Wissenschaftsbereiche, wie Sozial-, Medien-, Wirtschafts-, Natur-, Ingenieur- und Ethikwissenschaften integrativ bearbeitet. Die Problemformulierungen, Lösungsentwürfe und deren Umsetzung in Praxisfelder erfolgen in Kooperation mit Partnern der gesellschaftlichen Praxis.
Ein inhaltlicher Fokus des Forschungsschwerpunktes „Zivile Sicherheit“ liegt auf der Analyse, dem Management, der Vorsorge und dem kommunikativen Umgang von sehr seltenen Ereignissen wie Naturkatastrophen und Großschadensereignissen, aber auch von alltäglichen Risiken. Dazu gehört auch die Untersuchung, ob Schadensereignisse adäquat durch die Bilanzierung von Eintrittswahrscheinlichkeit und monetär ausgedrücktem Schaden erfaßt sind, oder ob zusätzlich nicht abwägbare normative Gesichtspunkte (beispielsweise die Verantwortung für künftige Generationen, die Einbeziehung nicht-menschlicher Lebewesen, die Berücksichtigung der Vielfalt des Lebendigen, die Chancen zur Teilnahme am kulturellen Leben) zu berücksichtigen sind.


