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Call for Papers

Jahrbuch Frauen- und Geschlechterforschung in der Erziehungswissenschaft, Bd. 11: Geschlecht - Sozialisation - Transformationen

Für die Entwicklung der Geschlechterforschung spielt der Sozialisationsbegriff eine geradezu schicksalhafte Rolle. In den Anfängen der Frauenforschung erwies sich das Konzept der „geschlechtsspezifischen Sozialisation“ als Motor für empirische Erkundungen von Ungleichheitsverhältnissen und als theoretisch nach vielen Seiten hin anschlussfähig. Schon bald kam es allerdings auch zur internen Kritik an der Annahme einer ‚weiblichen Sozialisation‘ in der Geschlechterforschung. Zum einen lag diese Kritik in den Grundannahmen der Sozialisationsforschung selbst begründet (Dausien 1999), zum anderen wurde sie vor allem durch sozialkonstruktivistisch, ethnomethodologische und dekonstruktivistische Theoriedebatten in der Geschlechterforschung herausgefordert (Gildemeister/Wetterer 1992).

Um die Jahrtausendwende vermehrten sich deshalb die Krisendiagnosen, wenn es um den Zusammenhang von Sozialisationsforschung und Geschlecht ging (Wetterer 2003). Maihofer spricht sogar von einer Tabuisierung von Geschlechtersozialisation (Maihofer 2002). In der Erziehungswissenschaft lässt sich zeitgleich beobachten, dass sozialisationstheoretische Fragen bzw. Themen in andere Disziplinen abwandern oder unter Begriffen wie Lernen, Bildung, Entwicklung oder Erziehung verhandelt werden. Ist Sozialisation für die Erziehungswissenschaft eine anachronistische Metapher geworden (Popp 2002)? Es hat den Anschein, als lasse die Hinterfragung theoretischer Konzepte der Sozialisationsforschung auch insgesamt die Frage obsolet werden, wie Individuen in eine nach Geschlecht strukturierten Gesellschaft hineinwachsen bzw. wie Kinder, Jugendliche und Erwachsene handlungsfähige Subjekte in einer zweigeschlechtlich organisierten Gesellschaft werden.

Das Jahrbuch stellt die Frage nach der Transformation von Sozialisation und Geschlecht in einer doppelten Weise. Zum einen geht es um Transformationen der Debatten bzw. der theoretischen Perspektiven zu Geschlecht und Sozialisation. Wie haben sich diese Debatten historisch entwickelt, inwiefern sind sie selbst Ausdruck ihrer Zeit? Welche Theorieperspektiven können die bisher kritisierten Dilemmata und Desiderate der Sozialisationsforschung transformieren? Wie sollte die erziehungswissenschaftliche Sozialisationsforschung zu Geschlecht heute konzipiert werden, um Prozesse der Vergeschlechtlichung und Ungleichheitsverhältnisse zu erfassen?

 

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