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Die Evolution des Europäischen Rates

Schaubild-Europäischer Rat

Ziel des Forschungsprojektes ist es, die Evolution von Institutionen zu untersuchen. Als Fallbeispiel soll der Europäische Rat dienen, der aus den Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs im Rahmen der Europäischen Gemeinschaften entstanden ist. Die Frage nach der Entstehung und Fortentwicklung des Europäischen Rates, der neben dem Rat das zweite wichtige intergouvernementale Gremium in der Europäischen Union ist, steht im Kontext verallgemeinernder Forschungsfragen: Welches sind die Mechanismen, die zur Entstehung von Institutionen führen? Wie kommt es zu einem Institutionenwandel? Der Europäische Rat stellt im Gebilde der Europäischen Union selber ein Organ sui generis dar, das nicht von Anfang an in den Verträgen zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft vorgesehen war. Er hat bis heute keine legislativen Befugnisse, ihm obliegt aber die Festlegung allgemeiner politischer Zielvorstellungen und Prioritäten. Somit fungiert er im Wesentlichen als übergeordnete Instanz, die der EU wegweisende Impulse gibt. Die Intention des Forschungsprojektes ist es, die formellen und informellen Strukturen und Prozesse zu untersuchen, die sich bei der Arbeit des Europäischen Rates auf und zwischen den nationalen, intergouvernementalen und supranationalen Ebenen entwickelten. Auf der Grundlage archivalischer Quellen und von Zeitzeugeninterviews soll die Frühphase des Europäischen Rates im Mittelpunkt der Untersuchung stehen. Gab es eine Leitidee oder ein Bündel von Leitideen der Mitglieder des Europäischen Rates? Änderte(n) sich diese? Wie gestalteten sich die Strukturen und Prozesse bei der Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung der Treffen des Europäischen Rates? Welche Inhalte wurden bei den bilateralen Konsultationen im Vorfeld der und bei den Treffen des Europäischen Rates behandelt? Dabei geht es auch darum, die Interdependenzen zwischen Leitideen, Strukturen, Prozessen und Inhalten herauszuarbeiten. Methodisch soll ein theoretisch-analytischer Zugriff der Politikwissenschaften mit dem empirisch-hermeneutischen Ansatz der Geschichtswissenschaften verbunden werden.