Gastvortrag Kollektive Bildersammlungen in digitalen Netzen
Dr. Susanne Holschbach, Gastprofessorin an der Universität der Künste Berlin
Graduiertenkolleg Locating Media und Lehrstuhl für Mediengeschichte
Am 27.11.2012 um 18 Uhr im Artur-Woll-Haus, Raum AE-A 102
Kollektive Bildersammlungen in digitalen Netzen
Im Verbund von digitaler Fotografie, mobilen und sozialen Medien hat sich eine neue Form
von Bilddatenbank konstituiert – bestehend aus den Unmengen von Fotografien, die
diverseste Producer auf Plattformen hochladen und in Netzwerke einspeisen. Innerhalb dieser
Bildakkumulationen, die über Algorithmen, nutzer- und apparategenerierte Metadaten
verschaltet und distribuiert werden, bilden sich Knotenpunkte aus: durch die Einrichtung
thematischer Pools auf Photosharing-Plattformen etwa, oder durch die Initiierung von
Internet-Memen wie den sogenannten Photo-Fads. Die so entstehenden kollektiven
Bildersammlungen stellen eine Herausforderung für die medien- und bildwissenschaftliche
Forschung dar: Denn sie stellen nicht nur traditionelle Bildbegriffe sowie etablierte Genres
und Präsentationsweisen auf den Prüfstand, sondern werfen auch Fragen nach den
Wissensordnungen und Praktiken auf, die durch diese Sammlungen – in Differenz zu
institutionellen digitalisierten Archiven oder kommerziellen Bilddatenbanken – etabliert
werden. Welche Formen von Sedimentierung und Dissemination bilden sie aus, welche
Mechanismen der Inklusion und Exklusion, der Regulierung werden in ihnen wirksam? Was
für Bildrepertoires entstehen, welchen Bedeutungen werden diese unterstellt? Fragen wie
diese wird der Vortrag entlang von drei Beispielen – einem Photo-Fad, einer
Fundfotosammlung und einem ortsgezogenen Fotospiel – veranschaulichen und zur
Diskussion stellen.
Zur Person
Dr. Susanne Holschbach ist derzeit Gastprofessorin für Fotografie- und Filmtheorie/Gender an der Universität der Künste zu Berlin. 2003 Promotion im Bereich Kunst und Design an der der GHS-Universität Essen. Vertretungs- und Gastprofessuren an der Fachhochschule Potsdam, der Universität Wien, der Kunsthochschule für Medien in Köln und an der Weißensee-Kunsthochschule Berlin sowie wissenschaftliche Mitarbeit an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (Academy of Visual Arts), im interuniversitären DFG-Projekt „Geschichte und Theorie der Medien“ (Universität Mannheim) sowie im Projekt „Ikonographie der Gestaltung des Nützlichen“ (GHS-Universität Essen). Arbeitsschwerpunkte: Geschichte und Theorie der Fotografie, Gender und Visuelle Kultur, Fotografie und Film im Kunstfeld, Bilderordnungen und archivische Praktiken im Web 2.0. Aktuelle Publikationen: Vom Ausdruck zur Pose. Theatralität und Weiblichkeit in der Fotografie des 19. Jahrhunderts, Berlin: Dietrich Reimer Verlag, 2006; "Aus der Luft gegriffen. Posen des Schwebens in der Modefotografie", in: „Hold it!“ Kunst der Pose zwischen Bild und Performance, hrsg. v. Bettina Brandl-Risi, Gabriele Brandstätter und Stefanie Diekmann, Berlin: Theater der Zeit 2012, S. 132-148; "Bilder teilen: Photosharing als Herausforderung für die Fotografieforschung", in: Fotogeschichte Jg. 32 H. 124 (2012), S. 78-83; "Die Illusion des ewigen Sommers (zu Arbeiten von Sven Johne)", in: Camera Austria 118 (2012), S. 47-54.

