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Katalog der UB Siegen

"Raum als Interface"

Panel der Graduiertenschule "Locating Media/Situierte Medien"

Moderation: Gabriele Schabacher, Tristan Thielmann

Jahrestagung der Gesellschaft für Medienwissenschaft
»Welche Sinne machen Medien?«

Tagungsprogramm // Abstracts

1.–3. Oktober
Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Universität Wien
Ort/Zeit: Schreyvogelsaal, 17.00 - 19.30 Uhr

Das Panel „Raum als Interface“ möchte die Adressierung einzelner Sinne durch Medien wortwörtlich nehmen. Welchen ontologischen Status hat die Adresse, haben Orts- und Raumbezug für die synästhetische Erfahrung mit analogen und digitalen Medien? Hierzu soll ausgehend von der Verkehrsgeschichte (Schabacher/Otto), der Geschichte videothekarischer Logistik-/Kulturtechniken (Haupts/Schröter) über die Gebrauchsanalyse von geomedialer Literatur (Richterich/Döring) und Geobrowsing (Abend/Thielmann) bis hin zur Erprobung eines Präsenz-Konzeptes kommunikativer Erreichbarkeit (Willis/Linz) sowohl die räumlichen Situierung von Medien als auch Medien, die selbst ein Rauminterface darstellen, im Fokus stehen.


Gabriele Schabacher & Isabell Otto

Verkehr als mediales Rauminterface

Spätestens seit der verkehrstechnischen „Industrialisierung von Raum und Zeit“ (Schivelbusch) im 19. Jahrhundert sind die Dispositive des Verkehrs als Ensembles der globalen Raumüberwindung konzipiert worden. Zunehmend hat sich aber in der jüngeren medien- und kulturwissenschaftlichen Forschung eine Revision dieser Einschätzung ergeben: Räume werden durch Verkehrstechniken nicht überbrückt, sondern zu allererst konstituiert. Anthropologisch gesprochen ließe sich also Verkehr als eine Schnittstelle von Mensch und Raum begreifen. Der Beitrag will diesem Zusammenhang anhand ausgewählter Beispiele der Verkehrsgeschichtsschreibung genauer nachgehen und untersucht dazu, wie Verkehrstechniken den Raum medial erfahrbar werden lassen, wie sich also durch Bewegung, Geschwindigkeit, Beschleunigung, Oberfläche/Tiefe, Ferne/Nähe sinnlich-ästhetischen Qualitäten strukturieren.


Tobias Haupts & Jens Schröter

Die Videothek – Raum der Sinne

Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre entwickelte sich in der BRD eine neuartige kommerzielle Einrichtung: die Videothek. Vor welche neuen Formationen der Mediennutzung stellt sie den Rezipienten, anders als etwa die Bibliothek? Wie ordnet sie Wissen von und über Film und Filmgeschichte durch ihre Logistik und die dispositiven Anordnungen ihrer Medien wie Cover, Regale, Displays? Welche die Sinne ansprechenden Kulturtechniken werden in ihr (neu) erlernt, wenn ihre Bestände entdeckt werden?


Annika Richterich & Jörg Döring

Analoger Sinn und digitale Sinnlichkeit: Literatur im geomedialen book-a-like

Visuelle Schlüsselreize der Rezeptionserfahrung analoger Literatur bilden auch die Grundlage digitaler Literaturproduktion. So stellt der elektronische Roman „Senghor on the Rocks“ als book-a-like mit integrierten Online-Satellitenbildern ein unikales Zusammenspiel digitaler und ursprünglich analog verwurzelter Stimuli dar. Davon ausgehend wird dieser Beitrag herausstellen, wie Sinnlichkeit von digitaler Literatur produziert wird, welche Bedeutung dabei tradierten Rezeptionspraxen sowie ihren physischen Charakteristika zukommt. Zentral ist dabei die Perspektive der intendierten Nutzung und damit letztlich die Frage nach dem Sinn der vermeintlich analogen Sinnlichkeit.


Pablo Abend & Tristan Thielmann

Die Erde als Interface – eine Analyse der Google Earth-Nutzung

Google Earth vereint auf einer gemeinsamen Oberfläche sowohl ältere mediale Ausdrucksformen wie Panoramabilder und Luftfotografien als auch eine neue Bildästhetik hochauflösender Satellitenbilder und 3D-Gebäudeanimationen. Welche Auswirkungen hat die Integration verschiedener „cultural objects“ (Manovich) für die Navigation durch multimediale Inhalte? Orientiert sich das Geobrowsing sowohl an der Nutzung klassischer Papierkarten als auch an der Navigation durch virtuelle 3D-Umgebungen wie Second Life? Die vorliegende Nutzungsanalyse skizziert Google Earth im Spannungsfeld zwischen spielerischem Entdecken und analytischer Wissensaneignung.


Katharine Willis & Erika Linz

Mobile Ko-Präsenz. Anwesenheit und räumliche Situierung in mobilen und lokativen Kommunikationstechnologien

Mobile Kommunikationstechnologien schaffen durch ihre Möglichkeiten einer ständigen Konnektivität verstärkt hybride Formen einer nicht mehr allein räumlich gebundenen „abwesenden Anwesenheit“. Die Dominanz eines physisch definierten Präsenz-Konzeptes, das Ko-Präsenz als primär visuell erfahrenen „Raum wechselseitiger Wahrnehmung“ (Luhmann) begreift, wird zunehmend durch Formen medial generierter Anwesenheit in Frage gestellt, in denen Präsenz nicht über die gemeinsame physisch-räumliche Verortung, sondern über wechselseitige kommunikative Erreichbarkeit oder die Ko-Lokalisierung im virtuelle Raum erzeugt wird. Der Beitrag geht der Frage nach, wie sich das Verhältnis von kommunikativer Präsenz und räumlicher Situierung durch die mobilen und lokativen Kommunikationstechnologien verändert.