Locate Yourself!Mobile und webbasierte Praktiken der Selbstverortung
Pablo Abend/Anne Beringer/Erika Linz/Katharine WillisPanel der Graduate School „Locating Media/Situierte Medien“, Universität Siegen für die Hyperkult XIX, 8.-10.7.2010, Universität Lüneburg
Die Graduate School „Locating Media“ an der Universität Siegen (http://www.unisiegen. de/locatingmedia/) untersucht historisch wie medienethnographisch Praktiken der Situierung von und der Situierung durch Medien. Diese Forschung ist unmittelbar
anschlussfähig an die Thematik der Hyperkult XIX „ mobiles – You Are Now Here“. Das Panel wird von zwei Graduierten (Pablo Abend/Anne Beringer), einer Postgraduierten (Dr. Katharine Willis) und einer ehemaligen Postgraduierten (Dr. Erika Linz) bestritten. Dabei sollen mobilmediale und webbasierte Praktiken der Selbstverortung dargestellt und kontrastiv aufeinander bezogen werden.
Erika Linz
Fremde Orte als vertrautes Terrain. Transformationen der Selbstverortung durch das MobiltelefonPersonale Identität sowie die Interaktion des Selbst mit seiner Umwelt sind zunehmend durch die Nutzung mobiler Endgeräte wie Mobiltelefon, Smartphone und Laptop bestimmt. Neben der Möglichkeit, über das Handy auch in öffentlichen und unbekannten Räumen in das Netz der privaten Sozialbeziehungen eingebunden zu bleiben, eröffnen neue lokative Technologien und der mobile Internetzugriff zudem die Möglichkeit, sich selbst an unbekannten Orten wie auf vertrautem Terrain zu bewegen. Darüber hinaus kommen immer mehr mobile Social Web-Anwendungen (Knitekite, loopt etc.) zum Einsatz, bei denen das Handy auch die Initiierung lokaler Interaktionen übernimmt. Der Vortrag geht der Frage nach, wie die mobile Nutzung multimedialer Technologien (u.a. Handykamera und -video) sowie webbasierter Formen einer „networked interaction“ (Facebook, MySpace etc.) im Verbund mit lokativen Technologien eine Restrukturierung lokaler Raum- und Präsenzerfahrungen einleiten und damit zugleich eine Transformation der personalen Identitätskonstruktion bedingt. Unter Rückgriff auf einen von der Akteur-Netzwerk-Theorie formulierten Handlungsbegriff soll dabei verdeutlicht werden, inwiefern das Handy durch die Integration von „Apps“ und lokativen Social Web-Anwendungen verstärkt die Rolle eines von seinem Nutzer/seiner Nutzerin unabhängigen sozialen Akteurs einnimmt.
Katharine Willis
Maintaining presence-at-a-distance with locative mediaMobile and locative technologies have affected the characteristics of presence in social relationships. Instead of a focus on face-to-face meeting, remote communication often underpins social ties. In people's attempts to maintain a tie or relationship they carefully manage factors such as time, personal availability and physical effort to achieve a balance between absence and moments of interaction and sharing. In this way the relationship is not necessarily located or based in a physical setting, such as a shared home or workplace, but mediated through technology with a face-to-face encounter at a particular place becoming more important due to its corresponding rarity. This presentation will explore the nature and connection of the settings that define presence in locative media, both physical and technological.
Pablo Abend / Anne Beringer
Da(s) bist Du! – Virtuelles Reisen und Selbstverortung im Social WebDigitale Globen und Communities schaffen eine neue virtuelle Mobilität. Im Vortrag werden Geobrowser als Vehikel des virtuellen Reisens – einerseits durch die Simulation des Georaums, andererseits durch ihre neue Funktion als Visualisierungstool und Interface für (soziale) Netzwerke – vorgestellt. Mit Hilfe der virtuellen Kamera unternehmen ihre NutzerInnen Reisen zu Orten ihrer eigenen Biographie und über Schnittstellen zu virtuellen Communities positionieren sie sich selbst im Realraum. Dienste wie TwitterVision erlauben die Visualisierung einer weltweiten Community und ihrer pulsierenden Aktivität. So wird es den NutzerInnen ermöglicht, mit Hilfe eines „Globus als Interface“ ihre Internetaktivitäten zu bündeln und damit auch die fragmentierte Internet-Persona visuell zu vereinigen. Andersherum wird so der „Realort“ des Nutzers nur mehr zu einem Fragment des virtuellen Selbst.

