Vom Stapel zum HochregalSkizze einer Weltgeschichte von Warenlagern
Workshop mit Prof. Dr. Monika Dommann (Universität Basel)
25.01.2011, Artur-Woll-Haus, Universität Siegen, 14-18 Uhr
Die Epoche der Industrialisierung beruht auf der Fabrik. Fabriken fabrizieren Waren, Lebensstile und Denkweisen. Sie zerstören alte soziale Bande, bringen Zeitstrukturen aus dem Lot und entwerten Handarbeit. Vielleicht könnte man, so fragt der Workshop, das Lager als paradigmatische Kulturtechnik begreifen, um Prozesse zu verstehen, die erst verspätet um 1970 als „post-industrielle Gesellschaft“ (Daniel Bell) wahrgenommen werden, jedoch im Kern auf Praktiken des Lagerns beruhen, die Ende des 19. Jahrhunderts begründet werden.
Die Docks an den Meerhäfen und die Güterschuppen und Kühlhäuser entlang der Eisenbahnnetze waren mehrstöckig gebaut, meist historistisch gestaltet und gegen außen abgesichert. Mit dem Einzug von Beton und Stahl in die Fundamente der Warenlager hielt um 1900 eine kaufmännisch motivierte und ingenieurswissenschaftlich gestützte Raumoptimierung Einzug, die dann durch die Erfindung des Hochregallagers um 1960 nochmals fundamental umgestapelt wurde. Um zu verstehen, worin der epistemische, architektonische und ökonomische Bruch des Hochregallagers genau besteht, werden Lagerungspraktiken der Moderne aus architektur-, wissenschafts- und wirtschaftshistorischer Perspektive analysiert, wobei insbesondere die Art und Weise, wie Raum und Zeit gestaltet und kontrolliert wird, in den Fokus der Analyse gestellt werden soll.
Im Workshop wird auch die Frage aufgegriffen, worin das Potential einer durch Wissenschafts- und Technikforschung sowie Bild- und Medienwissenschaft erweiterten Wirtschaftsgeschichte liegen könnte.
Prof. Dr. Monika Dommann studierte Geschichte und Ökonomie an der Universität Zürich und ist derzeit SNF-Förderprofessorin an der Universität Basel. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Kultur- und Sozialgeschichte des 19. bis 21. Jahrhunderts (insbesondere Technik, Wirtschaft, Wissenschaft und Recht), Zeitgeschichte, Geschichte der materiellen Kultur, Logistik in the long run und Vervielfältigungstechnik und Copyright.
Aktuelle Publikationen: "Recording Prints, Reading Films: Mikrofilme, amerikanische Kosmopoliten und die Entdeckung des Copyrightproblems in den 1930er Jahren", in: Zeitschrift für Medienwissenschaft 2, 2 (2010), S.73-83; "Wie man lagert so liegt man: Bahnhofkühlhaus, Basel", in: Hilmar Schmundt/Milos Vec/Hildegard Westphal (Hg.): Mekkas der Moderne. Pilgerstätten der Wissensgesellschaft, Köln/Weimar/Wien: Böhlau 2010, S. 327-331; „Be Wise – Palletize“: Die Transformationen eines Transportbrettes im Zeitalter der Logistik, in: Traverse 3/2009, S. 21-35.

