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Workshop mit Matthias Krings am 02. Februar 2010

Die Graduiertenschule "Locating Media/Situierte Medien" lädt herzlich ein:

Rekonfiguration und Remediation.
Praktiken der Situierung globalisierter Medien in Afrika

Workshop mit Matthias Krings
(Universität Mainz)

Der Workshop stellt zwei ineinander verschränkte Aspekte medienethnologischer Forschung zur Debatte: die lokale Rekonfiguration medialer Apparaturen in kulturellen Kontexten fern ihres ursprünglichen Gebrauchs und die Aneignung fremder Medieninhalte durch Praktiken der Remediatisierung. Als Diskussionsgrundlage dienen aktuelle Forschungen zur populären Kultur Nigerias und Tansanias. So sollen am Beispiel der Remediatisierung von Bin-Laden-Portraits auf nigerianischen Postern, Aufklebern und Anstecknadeln spezifische Formen der Situierung eines globalisierten Symbols des radikalen Islamismus erörtert werden. Dabei wird deutlich, dass Praktiken der Remediatisierung dazu dienen können, die inhärenten Wertungen hegemonialer Medien in ihr Gegenteil zu verkehren (zur Vorbereitung auf den Workshop: "Marke 'Osama'. Über Kommunikation und Kommerz mit Bin-Laden-Bildern in Nigeria", Peripherie 113, S. 31–55). Im Gegensatz zu den nigerianischen Kulturproduzenten, die ihrem Ausgangsmaterial teils noch mit Schere und Klebstoff zu Leibe rücken, remediatisieren tansanische Videoerzähler fremde Filme, indem sie sie während der Vorführung in so genannten Videokinos live in Swahili kommentieren. Original und Kopie, Skript und Transkript, kommen dabei gleichzeitig zur Aufführung. Auch hier lassen sich eigenwillige Interpretationen beobachten. Da diese Performanzen dazu tendieren, zum integralen Bestandteil des Videofilmschauens zu werden, lässt sich darüber hinaus eine Rekonfiguration des Mediums Video konstatieren, in der ein technisches Medium westlicher (bzw. fernöstlicher) Provenienz mit lokalen Formen der Oralität verbunden wird. Diese Rekonfiguration ist auch deshalb von besonderem Interesse, da sich ein Vergleich zu ähnlichen älteren globalen Konfigurationsformen des Kinos vor der Erfindung des Tonfilms geradezu aufdrängt.


Dienstag, 2. Februar 2010
10:00 - 13:00 Uhr
Großer Seminarraum, US-HG-244
Unteres Schloss, Universität Siegen

Matthias Krings ist Juniorprofessor für Ethnologie und Populäre Kultur Afrikas am Institut für Ethnologie und Afrikastudien der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Film und Video in Afrika, Medien- und Religionsethnologie. Zurzeit interessiert er sich für die Geschichte des Fotoromans in Afrika, sowie die Remediatisierung von Filmen durch afrikanische Kinoerzähler und arbeitet an einer Buchpublikation zur Lokalisierung fremder Medienformate und deren Aneignung in Afrika. Intensive Feldforschungserfahrungen hat er in Nigeria und in jüngerer Zeit auch in Tansania gesammelt.
Aktuelle Publikationen: "A Prequel to Nollywood: South African Photo Novels and Their Pan-African Consumption in the Late 1960s", Journal of African Cultural Studies 22,1 (im Erscheinen, 2010); "Nollywood Goes East. The Localization of Nigerian Video Films in Tanzania", in: Ralph Austen u. Mahir Saul (Hg.):
Viewing African Cinema in the Twenty-first Century. Athens OH: Ohio University Press (im Erscheinen, 2010); "Black Titanic. African-American and African Appropriations of the White Star Liner", in: Carmen Birkle u. Nicole Waller
(Hg.): The Sea is History: Exploring the Atlantic. Heidelberg (2009), S. 25–43; "Conversion on Screen. A Glimpse at Popular Islamic Imaginations in Northern Nigeria", Africa Today 54,4 (2008), S. 44-68.

Downloads:
Vorbereitungstext
Plakat


Kontakt:
Graduiertenschule "Locating Media/Situierte Medien"
http://www.uni-siegen.de/locatingmedia/
info@locatingmedia.uni-siegen.de

Eine Wegbeschreibung ist abrufbar unter
http://www.uni-siegen.de/locatingmedia/kontakt/weg1.html?lang=de