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Andere Orte der STS

Workshop der AG Medienwissenschaft und Wissenschaftsforschung der Gesellschaft für Medienwissenschaft in Kooperation mit der Graduiertenschule "Locating Media/Situierte Medien"


29. Juni 2012
Universität Siegen, Artur-Woll-Haus, Am Eichenhang 50, Raum AE-A 103

Ein Gemeinplatz der Diskussion um die Finanzmärkte ist der imaginäre Charakter der gehandelten Entitäten. So werden etwa Derivate zum neuen Imaginären des Geldes erklärt. STS-inspirierte Studien versuchen allerdings – und hier liegt die Anschlussfähigkeit für die Medienwissenschaft – die Bedingungen aufzuzeigen, unter denen diese abstrakten Anleihen bei der Zukunft zu handelbaren Wirtschaftsgütern werden. Der Fokus der ersten Sektion liegt also, wie es etwa Donald MacKenzie ausgedrückt hat, auf „der konkreten Materialität der Handelsgeschäfte und der Umgebung, in der sie stattfinden, der Rolle technologischer Systeme und andere Artefakte sowie der konzeptuellen Ausstattung der Händler.“

Ein zweiter Aspekt betrifft Fragen der Wissensgenerierung im Feld des Ökonomischen. Ein wichtiger Punkt, der die Studien zur Finanzökonomie auszeichnet, ist der performative Charakter der Ökonomie. Auf die Implementierung bestimmter Annahmen der Finanztheorie in die Praxis ist von verschiedenen Seiten hingewiesen worden, Donald MacKenzies Buchtitel „An Engine, Not a Camera. How Financial Models Shape Markets“ verweist auf die produktive Kraft der Wirtschaftswissenschaften. Welche Formen von Performativität lassen sich unterscheiden und lassen sich Wissenspraxen anhand ihrer Performativität unterscheiden?

In der letzten und thematisch offener gehaltenen Sektion soll der Fokus erweitert werden: Wie sieht es mit der Anwendung der STS-Methoden auf die medienwissenschaftlichen Gegenstände aus? Wie gestalten sich die Transfers zwischen unterschiedlichen Orten bzw. Feldern? Wie kontextsensitiv müssen die Methoden der Disziplinen sein (Ethnologie, Wissenschaftsforschung, Medienwissenschaft)?

Konzeption: Thomas Bächle, Angela Krewani, Gabriele Schabacher, Alexander Zons

Es gibt einen Reader mit den Texten, die im Workshop besprochen werden – Zugang bei Anmeldung.
Anmeldungen bitte an: Alexander.Zons@uni-konstanz.de oder gabriele.schabacher@uni-siegen.de

 

Programm

10.15 Begrüßung und Einführung (Gabriele Schabacher/Alexander Zons) 
I. Materielle Produktion von Virtualitäten
10.30

Lektüre I (Moderation: Alexander Zons)

Donald MacKenzie: „The Material Production of Virtuality: Innovation, Cultural Geography and Facticity in Derivatives Markets“, in: Economy and Society, Vol. 36, No. 3, August 2007, S. 355-376.

Daniel Beunza/David Stark: „Tools of the Trade: The Socio-Technology of Arbitrage in a Wall Street Trading Room, in: Trevor Pinch/Richard Swedberg (eds.): Living in Material World. Economic Sociology Meets Science and Technology Studies, London, Cambridge: MIT 2008, S. 253-290.

11.30 Kaffeepause
11.45
Thomas Bächle (Bonn): ANT und Alg – Überlegungen zu Performativität, Materialität und algorithmic trading
12.45
Mittagspause
II.
Performativität der Ökonomie
14.30

Lektüre II (Moderation: Gabriele Schabacher)

Michel Callon: „What Does it Mean to Say That Economics is Performative?, in: Donald Mackenzie et al (eds): Do Economists make markets? On the Performativity of Economics, Princeton, NJ 2007, S. 311-357.

15.30
Jens Schröter (Siegen): Das Geld bei Marx und Latour
16.30
Kaffeepause
III.
Import/Export − STS, Medienwissenschaft und darüber hinaus
16.45

Lektüre III (Moderation: Angela Krewani)

Nick Couldry: "Akteur-Netzwerk-Theorie und Medien: Über die Bedingungen und Grenzen von Konnektivitäten und Verbindungen", in: Andreas Hepp et al (Hg.): Konnektivität, Netzwerk, Fluss. Konzepte gegenwärtiger Medien-, Kommunikations- und Kulturtheorie, Wiesbaden 2006, S. 101-117.

Helen Verran: "The Telling Change of Africa's Economies", in: African Studies Association, Vol. 50 No. 2, September 2007, S. 163-182.

17.45
Abschlussdiskussion
18.30
gemeinsames Abendessen