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Profil der Graduiertenschule „Locating Media/Situierte Medien“ 2008-2010

 

Gegenstandsbereich der Graduiertenschule ist die vielfältige Orts- und Situationsbezogenheit von Medien. Fokussiert wird zum einen die Konstitution von Medien durch lokalisierte Prozesse des Handelns und der Interaktion, wie sie seit einigen Jahrzehnten durch verschiedene Einzeldisziplinen und interdisziplinäre Forschungstraditionen untersucht werden (insbesondere der Medienwissenschaften, der Ethnologie, Linguistik, Soziologie, Politologie und Geographie, der Literatur-, Kunst- und Theaterwissenschaften, der Medieninformatik und CSCW-Forschungen, und der Science and Technology Studies). Orts- und situationsbezogene Medienprozesse verlangen in der Gegenwartsforschung eine orts- und situationsbezogene Herangehensweise, die insbesondere durch medienethnographische Entwicklungen der teilnehmenden Beobachtung, der Situationsanalyse und der audiovisuellen Arbeit entwickelt wurde. In einer fortlaufenden Auseinandersetzung mit diesen methodischen Entwicklungen haben sich in den Kulturwissenschaften historische Forschungen herausgebildet, die orts- und situationsbezogene Medienprozesse untersuchen. Diese bisher eher sporadische Diskussion zwischen Gegenwartsforschungen und historischen Forschungen soll in der Graduiertenschule methodisch vertieft werden. Diese Aufgabe wird auch durch eine aktuelle Medienentwicklung forciert, in der ein Bündel neuer orts- und situationsbezogener Medienprozesse auftritt, deren Folgen noch nicht absehbar sind, von mobilen Medienangeboten und der mobilen Lokalisierung des Medienteilnehmers, über die Medialisierung öffentlicher Orte durch Kameras und Monitore, bis hin zur massenhaften Laienkartographie auf der Basis von Geobrowsern. Die Graduiertenschule soll die Entwicklung, Nutzung und Distribution neuer orts- und situationsbezogener Medienprozesse in eigenen Feldstudien erkunden.

 

Navigation

 

1. Einleitung
2. Methoden
3. Entwicklung
4. Linguistik
5. Politologie
6. Technografie
7. Medieninformatik
8. Literaturliste

 

1. Locating Media/Situierte Medien: Aktuelle Medienentwicklungen

Es gehört zum Basisinventar fast aller und auch der neuesten Medienbegriffe, dass Medien Raum und Zeit überwinden (Winkler 2008). Seit Zeichentransport sich vom physischen Transport von Personen und Dingen emanzipiert hat (seit der Telegraphie), gab es immer wieder Überlegungen, die Radikalversion einer mikroelektronisch ermöglichten „Time-space-Compression“ (Harvey 1989) in der Konsequenz mit dem „Ende der Geographie“ (Virilio 1997) in Zusammenhang zu bringen.
Demgegenüber schlägt eine „Locating Media/Situierte Medien“-Perspektive vor, die Grenzen dieser Enträumlichung und Entortung (Ahrens 2001) des Medienbegriffs aufzuzeigen. Sie trägt zu einer Reterritorialisierung der Diskurse im Kontext des digitalen Medienumbruchs bei, und lenkt die Aufmerksamkeit auf die Situationen des Mediengebrauchs. So wenig wie der physische Raum verschwindet, so sehr bleibt auch der „space of flows“ – Manuel Castells’ räumliche Metapher für die elektronischen Kommunikationsnetzwerke des Informationszeitalters (Castells 2004) – an eine irreduzible Materialität der Adressenordnung gebunden (Potthast 2007). Zur Produktion von Mikroprozessoren werden Rohstoffe benötigt, die knapp werden können - um das Coltan wird seit vielen Jahren im Kongo ein blutiger Bürgerkrieg geführt (Harden 2001); der Energieverbrauch des WWW verschlingt seit Jahren zunehmend mehr Energie. Das ist die global-ökonomische und -politische Seite der vermeintlichen Deterritorialisierung im Cyberspace. Und wer mobil Telefonierende belauscht, wird freiwillig oder unfreiwillig meist Zeuge einer offenbar unvermeidlichen Verortungskommunikation: „Wo bist Du gerade?“ (Konitzer 2005), ganz so als sei die technisch ermöglichte „Time-space-Compression“ sozial zu ertragen nur vermittels einer Standortversicherung des fernmündlichen Gegenüber. Auch in der Netzwerkgesellschaft bleibt Territorialität als eines der organisierenden Prinzipien sozialer Beziehungen von elementarer Bedeutung. Durch gesteigerte Kommunikationsgeschwindigkeiten werden Räume nicht ausgelöscht, sondern anders konstituiert. Physische Territorialität und situative Nähe wird sozio-technisch reorganisiert. Die Orte der Lebenswelt bleiben, aber sind nurmehr als medialisierte zu denken. Instruktiv bleibt in dieser Hinsicht das dominant räumliche Konnotationsfeld der Internetmetaphorik: Datenautobahn, global village, Cyberspace, chatrooms, Homepage, Portal, Fenster etc. (Becker 2004). Insofern musste der Raum gar nicht erst wiedergefunden werden, er war nie wirklich verschwunden (Döring/Thielmann 2008).
Locating Media/Situierte Medien hat in einer Perspektive der neuesten Medienentwicklungen folgenden Doppelsinn:
(i.) Die Situierung der Medien und ihre Verortung von Mediennutzung, auch durch ein Mapping von Kommunikationen (Dodge/Kitchin 2001, Falkheimer/Jansson 2006) bis hin zum sogenannten Geo-spatial Web (Geo-tagging, Geo-Communities, Geo-Mashups) und zur massenhaften kollaborativen Laienkartographie auf der Basis von Geobrowsern (vgl. Turner 2006, Rich/Schuyler 2006).
(ii.) Medien, die situieren, und zwar von den Platzierungen des Nutzers in Medienumgebungen als „medial erzeugten Geographien“ (Werlen 2008) bis hin zur mobilen Lokalisierung des Mediennutzers auf der Basis lokal genutzter, aber global positionsbestimmender Medien wie z.B. Autonavigationssystemen, Location based services, Digital graffiti, Hybrid Reality Games (De Souza 2006). Aber auch die Orte selbst werden zunehmend durch ihre mediale Situierung bestimmt, insbesondere durch Kameras und Monitore: die Situation der Monitorüberwachung von öffentlichen Orten und Arbeitssituationen (Heath/Luff/Svensson 2002/2004) wirkt fortlaufend auf die überwachten und dokumentierten Situationen ein (Potthast 2007).
In beiden Varianten und ihrer Kombination operiert eine „Locating Media/Situierte Medien“-Perspektive an der Schnittstelle zwischen materiellem und digitalem Raum. Leitende Forschungsfragen können wie folgt charakterisiert werden: Welche Folgen hat es für die sozialräumliche Organisation unserer Interaktionen, wenn kommunikative wie soziale Mobilität vermehrt von einem medialen Geocode geleitet und informiert wird? Was bedeutet die zunehmende Geocodierung von Selbstdarstellungen im Netz für das Prozessieren der Unterscheidung von Öffentlich-Privat? Welche neuen sozialen Praktiken entstehen im Umkreis solcher technischen Innovationen? Was heißt medialisierter Raum? Was heißt informationell überformter Raum (augmented space)? Was bedeutet die zunehmende Geocodierung des WWW für unsere soziale Definition von Nahräumlichkeit? In den Umkreis des Time-space-Compression-Arguments gehörte immer wieder die Annahme, Kommunikationstechnologie überwinde bei physischer Ferne auch soziale Distanz (Watts 2003). Dient die zunehmende Geocodierung von Netzkommunikation durch die Priorisierung des Physisch-Nahen (im Hinblick auf Kontaktchancen) auch der Aufrechterhaltung und Vertiefung bewährter, eingeübter sozialer Distanzen und Distinktionen? Welche Konsequenz hätte eine Locating Media-Perspektive für die humangeographisch tradierte Unterscheidung von „Space“ und „Place“ (Tuan 1974)?

 

2. Methoden der orts- und situationsbezogenen Medienforschung

Die orts- und situationsbezogene Medienforschung hat sich in den letzten Jahren sowohl in der internationalen als auch in der deutschsprachigen Forschung ausgeweitet und stabilisiert. Die entsprechenden Methoden haben sich dabei zwischen den beteiligten Einzeldisziplinen und Forschungstraditionen – u.a. Medienwissenschaften, Ethnologie, Europäische Ethnologie, Soziologie, Science and Technology Studies, Linguistik, Literaturwissenschaften, Kunstwissenschaft, Theaterwissenschaft, Politologie, Geographie, Medieninformatik und CSCW (Computer Supported Cooperative Work) und HCI (Human-Computer Interaction) – differenziert und sind zugleich in eine vieldiskutierte transdisziplinäre Bewegung geraten, deren Folgen noch nicht abzuschätzen sind. Einen harten Kern der herangezogenen qualitativen Methoden bildet die medienethnographische Untersuchung orts- und situationsbezogener Prozesse durch orts- und situationsbezogene Forschungsprozesse, „vor Ort“ und „in situ“. Medien und ihre soziotechnischen Prozesse können orts- und situationsbezogen definiert und untersucht werden: die Kategorisierungen von Orten und Situationen, von Sozialbeziehungen und technischen Beziehungen erhellen sich dann wechselseitig. Eine orts- und situationsbezogene Medienforschung enthält wie jede ethnographische Forschung eine Korrelation dreier Methodengruppen:
(i.) die teilnehmende Beobachtung von Prozessen „vor Ort“ und „in situ“ mit begleitenden oder anschließenden Dokumentationsleistungen,
(ii.) die mündliche Untersuchung durch Interviews, Gespräche und Gruppendiskussionen, und
(iii.) eine schriftliche und audiovisuelle Korpuserstellung und schriftliche Auswertung der ethnographischen Arbeit (mit ihrem finalen Produkt, den Publikationen).
Wie diese drei Methodengruppen gewichtet, dokumentiert und auf einander bezogen werden, fällt zwischen den bereits genannten Disziplinen und Forschungsrichtungen unterschiedlich aus, allerdings lassen sich gemeinsame Axiome, Schwierigkeiten und Weiterentwicklungen der orts- und situationsbezogenen Forschung festhalten, die im folgenden kurz umrissen werden sollen. Von einer orts- und situationsbezogenen Forschung im engeren Sinne kann nur gesprochen werden, wenn eine „teilnehmende Beobachtung“ im Mittelpunkt steht oder als Ausgangspunkt der Forschung dient; was auch dann der Fall sein kann, wenn Datenerhebung und Datenauswertung personal, zeitlich oder räumlich getrennt verlaufen.
Das Kriterium einer „teilnehmenden Beobachtung“ kann nur in Ausnahmefällen auf historische Forschungen und auf Forschungen übertragen werden, die sich der Interpretation eines bereits vorliegenden schriftlichen, visuellen oder audiovisuellen Korpus widmen. Dennoch lassen sich Analogien aufstellen, insbesondere zu den Fällen, in denen ethnographische Datenerhebung und Datenauswertung zeitlich und räumlich getrennt verlaufen. So hat sich in den letzten Jahren im internationalen Rahmen des „Spatial Turn“ und der New Cultural Geography ein ganzes Spektrum kulturwissenschaftlicher Forschungen entwickelt, das innerhalb der raumbezogenen Forschung auch orts- und situationsbezogene Forschungsmethoden erfolgreich adaptiert oder weiterentwickelt hat (vgl. Döring/Thielmann 2008). Für die orts- und situationsbezogene Medienforschung sind hier auch die Forschungen des „topographical turn“ (Weigel 2002) relevant, soweit sie über eine diskurshistorische Darstellung kartographischer Erschliessungen hinausgehen und einzelne konkrete Orte, räumliche Routen und ihre situationsgebundenen Prozesse in den Mittelpunkt der Betrachtung stellen (Dünne 2004). Die Perspektive der internationalen Geographie und der interdisziplinären „New Cultural Geography“ fördert diese Perspektive vor allem in Medienforschungen, die sich dem bewohnten, bereisten und bearbeiteten Raum widmen, und dann – wie es Mike Crang zusammengefasst hat – Orte nicht aus Räumen ableiten, sondern sich einem Diktum Michel de Certeaus anschliessen: „Raum ist der bewohnte Ort.“ (Crang 2008:415). Insbesondere die Geschichtswissenschaften haben seit der „Annales“-Schule - und sehr oft unter Berufung auf das Vorbild der methodischen Ethnographie, und mitunter auch der „Laboratory Studies“ – entsprechende Forschungen seit Jahrzehnten systematisch entwickelt; und dabei auch medienhistorische Gemeinplätze bereits mehrfach revidiert und einer orts- und situationsbezogenen Klärung unterzogen, etwa für die Geschichte des Buchdrucks (Johns 1998). Für die kulturwissenschaftliche Forschung des „Spatial Turn“ ist hingegen das bisherige Ausbleiben einer entsprechenden Methodendiskussion konstatiert worden, ein Desiderat, das auch für die entsprechenden medienhistorischen und medientheoretischen Studien zu konstatieren ist (Döring/Thielmann 2008).
Historische und aktuelle orts- und situationsbezogene Medienforschungen finden sich - meist ohne systematisches Forschungsprogramm – in der Medienwissenschaft, aber auch in den Philologien, in der Kunstwissenschaft, der Theaterwissenschaft und der Musikwissenschaft, und sollten in der Graduiertenschule „Locating Media/Situierte Medien“ durch Studien zur medialen Konstitution digitaler, auditiver, visueller und audiovisueller Räume (und zur situativen Konstitution der entsprechenden Medien) gefördert und methodisch weiterentwickelt werden. Die Aufgabe einer methodischen Klärung der kulturwissenschaftlichen Forschungen wird durch die aktuelle Medienentwicklung und ihre ständige Wechselwirkung zwischen virtuellen und realen Räumen um so dringender: etwa durch die Kolonisierung virtueller Räume mit künstlichen Lokalitäten und durch die Rückwirkung der Ortungsverfahren von satellitenbasierten Technologien und Sensorsystemen auf die Planung und Bewohnbarkeit von Orten (siehe II.6).
Für November 2008 ist bereits ein sozial- und kulturwissenschaftlicher Workshop über „Methoden der Gegenwartsforschung“ in Arbeit, der gemeinsam vom Forschungskolleg „Medienumbrüche“ und der Graduiertenschule „Locating Media/Situierte Medien“ ausgerichtet werden soll. Er soll die methodischen Fragen orts- und situationsbezogener Forschungen in den Sozial- und Kulturwissenschaften durch Erfahrungsberichte und theoretische Stellungnahmen vergleichend diskutieren.
Orts- und situationsbezogene Methoden waren traditionell vielfältiger Kritik ausgesetzt, die sich auf den empirischen Gehalt ihrer Ergebnisse richteten, sind aber in den letzten Jahren aus ihren sozial- und kulturwissenschaftlichen Auseinandersetzungen methodisch gestärkt hervorgegangen. Die empirische Grundlage der qualitativen Methoden wird in den Sozialwissenschaften mittlerweile allgemein anerkannt, und seit der „Writing Culture“-Debatte der 80er Jahre hat sich in den betreffenden Publikationen weltweit eine größere Toleranz der ethnographischen Schreibweisen durchgesetzt. Diese doppelte Anerkennung hat mehrere Gründe:
(i.) Es ist (wie etwa in der Actor Network Theory und den Science and Technology Studies insgesamt) gängige Praxis geworden, Mikro-Analysen vorzunehmen, um größere Zusammenhänge aus lokalen Infrastrukturen und den lokalen Stationen ihrer Verflechtung „bottom-up“ zu rekonstruieren, insbesondere um die medialen und soziotechnischen Maßstabwechsel zu verstehen, die nur im Mikro-Bereich (von Medien und medialen Vermittlungsschritten) untersucht werden können.
(ii.) Qualitative und quantitative Methoden werden nicht mehr als Gegensätze verstanden, sondern können auf qualitativer Basis integriert werden, auch durch eine Arbeitsteilung zwischen quantitativen und qualitativen Spezialisten; und die Herstellung quantitativer Daten ist selbst zu einem medienhistorischen und medienethnographischen „Feld“ geworden, das zunehmend durch qualitative Methoden erforscht wird (Thévenot 2001).
(iii.) Orts- und situationsbezogene Methoden haben sich im 20. Jahrhundert als unverzichtbar erwiesen, wenn es darum ging, den kulturellen Alltag von Medien, soziale und soziotechnische Rhythmen und ihre räumliche Anordnung, und die biographischen Zyklen von Personen, Artefakten, Waren und Medien zu rekonstruieren; und umgekehrt stoßen quantitative Untersuchungen dort, wo – wie in vielen aktuellen Entwicklungen digitaler Medien – keine vorgefertigten Untersuchungseinheiten vorausgesetzt werden können, immer häufiger an die epistemologischen Grenzen dessen, was sie an Eigenschaften und Entwicklungen ihres Gegenstands empirisch erfassen können.
Zusammengefaßt: Der aktuelle „Boom“ orts- und situationsbezogener Methoden hat in der Medienforschung epistemologische (Becker 1996), historische und – insbesondere im digitalen Medienumbruch seit den 80er Jahren – nachhaltige empirische Gründe, die angewandte Wissenschaften und Grundlagenforschungen gleichermaßen verändert haben (Suchman 1987, Heath/Luff 2000, Suchman 2007), und diese führen zu der Annahme, dass sich die Ausweitung der qualitativen Medienforschung (Ayaß/Bergmann 2006; Winter 2005) in Zukunft fortsetzen wird. Dieser Erfolg ist nicht ohne Risiken, und die größte Gefahr droht den qualitativen Methoden mittlerweile weniger durch eine methodische Abwertung von außen, als durch die Tendenzen einer methodischen Abschwächung und affirmativen Aufspaltung. Insbesondere von ethnologischer Seite wurde wiederholt angemerkt, dass der Begriff „Ethnographie“ in den letzten Jahrzehnten teilweise bis zur Unkenntlichkeit aufgeweicht worden sei:
(i.) „teilnehmende Beobachtung“ kann sich auf die Anwesenheit einer „dabeistehenden Beobachtung“ reduzieren, ohne den Beobachter den Risiken, aber auch dem Wissen teilnehmender Handlungen auszusetzen;
(ii.) jede Form von Interviews und offenen Gesprächen „vor Ort“ und deren Auswertung wird mitunter als „Ethnographie“ apostrophiert, oft ohne einen Blick hinter die offizielle Fassade der Selbstdarstellungen zu verlangen oder aus anderen Quellen zu konstruieren;
(iii.) mitunter werden sogar rein schriftliche Befragungen und Auswertungen von dokumentierten Korpora als „Ethnographie“ bezeichnet (etwa im Bereich der Untersuchung von Internet-Phänomenen).
Gegen diese Tendenzen einer Methodenaufweichung gibt es mittlerweile explizite Gegenreaktionen, die festhalten, dass die Chancen und Risiken einer teilnehmenden orts- und situationsbezogenen Forschung unabdingbar bleiben, wenn tatsächlich orts- und situationsbezogene Medienprozesse im Mittelpunkt der Untersuchung stehen sollen. Jede der drei genannten Methodengruppen behält ihr Recht, ihre Korrelation hingegen kann nicht durch methodische Aufspaltungen und Pars-pro-toto-Aufschlüsse ersetzt werden. Auch und gerade sachliche Aufspaltungen werden durch das Überraschungsmoment jeder teilnehmenden Beobachtung unweigerlich auf die Probe gestellt. Malinowskis Diktum bleibt ein Menetekel aller Bemühungen um ethnographische Beobachtungen: „Ein Ethnograph, der sich vornimmt, nur die Religion oder nur die Technologie zu studieren oder nur die soziale Organisation, schneidet sich ein künstliches Untersuchungsfeld heraus und wird ernstlich in seiner Arbeit behindert sein.“ (Malinowski 1979: 33) Gefordert ist im Bereich der Ethnographie aktueller Medien daher weniger eine methodische Aufspaltung der orts- und situationsbezogenen Methoden, als ihre erfinderische Rekombination (Bender 2006) und eine Ausweitung ihrer Aktionsräume (Dracklé 2005): durch einen Wechsel zwischen Online- und Offline-Welten, durch eine (seit mehreren Jahren methodisch weiterentwickelte) „multi-sited ethnography“, durch die anspruchsvolle Erforschung der „mobile targets“ von mobilen Medien und Transferleistungen, und ebenso mobilen Globalisierungseliten und Diasporen.
In dieser sich bereits vollziehenden Ausweitung kann die traditionelle Überschneidung von „Subjekt“ und „Objekt“ der Forschungen helfen, die innerhalb der Ethnographie insgesamt, und in der Medienethnographie auf besondere Weise wirksam bleibt. Ethnographische Forschung unterliegt weiterhin der mitunter als Skandal konstatierten Überschneidung von „Subjekt“ und „Objekt“, deren Wissensgebiete und Forschungsoperationen sich bis ins Intimste der eigenen und fremden, der individuellen und kollektiven Subjektivitäten, von Träumen, Anspielungen und improvisierten Interaktionen erstrecken können, ohne dabei ihren methodisch erzeugten Charakter zu verlieren (Hauschild 1985) – auch in der soziotechnischen Forschung (Mondada 2004; Rottenburg 2002) und in der Medienforschung (Behrend 2003). Um diese Überschneidungen zu gestalten, bleiben medienethnographische Formen der methodischen Überschneidung zwischen den erforschten Medien und den Medien der Erforschung weiterzuentwickeln, insbesondere durch visuelle, auditive und audiovisuelle Medien und Methoden der Untersuchung (Knoblauch et al. 2006). Solche Überschneidungen wurden in der „Visuellen Anthropologie“ und ihren sozialwissenschaftlichen Parallelen erkannt und methodisch begründet (Rouch 2003; Becker 1981; Bourdieu 1981; Keifenheim 2000) und in die „media anthropology“ (Wendl 2004) überführt.

 

3. Die transdisziplinäre Entwicklung der orts- und situationsbezogenen
    Medienforschung

Orts- und situationsbezogene Medienforschungen werden innovative Erweiterungen der „teilnehmenden Beobachtung“, ihrer Interviewtechniken und Korpuserstellungen und Korpusauswertungen ermöglichen, und haben solche methodischen Erweiterungen bereits seit mehreren Jahrzehnten möglich gemacht. Diese methodische Dynamik lässt es notwendig erscheinen, auch die Genealogie und Zukunft dieser Methoden in einen etwas anderen Rahmen zu stellen, als dies gemeinhin geschieht. In vielen Forschungsberichten werden die orts- und situationsbezogenen Medienforschungen aus einer eigenständigen disziplinären Genealogie begründet, insbesondere innerhalb der Ethnologie (Dracklé 1999; Ginsberg/Abu-Lughod/Larkin 2002), in der Soziologie (Kalthoff 2006; Bachmann/Wittel 2006) und in der Europäischen Ethnologie (Götz 2001, Bechdolf 2001). Bei näherem historischen Hinsehen beginnen sich diese disziplinären Genealogien allerdings durch mehrere Überkreuzungen auszuzeichnen und führen in eine transdisziplinäre Wechselwirkung zwischen ethnographischen „Inlands“- und „Auslands“-Forschungen, zwischen Forschungen in industriellen und postindustriellen Kulturen (Hirschauer/Amann 1997) und kolonialen und postkolonialen Gesellschaften, zwischen der zuerst eher diskontinuierlichen Erforschung technischer Massenmedien und einer kontinuierlichen „Ethnographie popularer Kulturen“ (Warneken 2006) außerhalb elitärer Zirkulationsformen. Das Programm dieser transdisziplinären ethnographischen Wechselwirkungen reicht bis in die 30er und 40er Jahre des 20. Jahrhunderts zurück (Powdermaker 1950; Lindner 1990), und hat in den letzten beiden Jahrzehnten zur Proliferation ethnographischer Methoden in verschiedenen Wissenschaften (Soziologie, Geographie, Informatik u.a.), aber auch zur endgültigen Stabilisierung und Normalisierung ethnologischer Inlandsstudien geführt. Medienethnographie und die ethnographische Erforschung verschiedenster Aspekte der postindustriellen Gesellschaften haben sich auf diesem Wege nicht nur angenähert, sondern zeichnen sich bereits seit mehreren Jahrzehnten durch eine Kongruenz ihrer jeweiligen Darstellung der Aushandlungsprozesse kultureller Orientierungen und sozialer Konflikte aus – ihrer „Mediatoren“ (Latour 2007) und Medien (Beck 2000).
In der internationalen Forschung zeichnet sich ab, dass diese beiden thematischen Hinsichten – die orts- und situationsbezogene Medienforschung und die Ethnographie postindustrieller Organisationen und Institutionen – nicht nur ständig von einander profitiert haben und weiterhin profitieren werden, sondern mittlerweile ein konsistentes Forschungsfeld erzeugen, das auf unvorhergesehene Weise zwischen den kultur- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen proliferiert. Ein Paradigma dieser Kongruenz sind die Laborethnographien der „Laboratory Studies“ gewesen (Knorr-Cetina 1995), denn in ihnen fiel und fällt die Darstellung der sozialen und kulturellen Aushandlungsprozesse seit nunmehr fast dreißig Jahren (Latour/Woolgar 1979; Knorr-Cetina 1984) mit einer Charakterisierung und Theoretisierung der Medien dieser (schriftlichen, mündlichen, visuellen und digitalisierten) Aushandlungsprozesse zusammen. Gleiches gilt für die Übertragung dieses Paradigmas auf andere Bereiche der postindustriellen Gesellschaften, etwa auf techniksoziologische Fragestellungen (Rammert/Schubert 2006), auf die Aushandlungsprozesse der Ökonomie (Callon 1998; Knorr-Cetina/Preda 2005), und insbesondere in der „Actor Network Theory“ und den an sie anschließenden Studien der Organisationssoziologie (Bowker/Star 1999) und entsprechende Anwendungen in der Medieninformatik und CSCW-Forschungen (Computer Supported Cooperative Work). Aber auch diesseits (oder jenseits) des Paradigmas der „Laboratory Studies“ und in seiner kritischen Relativierung läßt sich eine Kongruenz zwischen medienethnographischen Fragestellungen und einer Ethnographie postindustrieller Kulturen erkennen, etwa in Richard Rottenburgs kritischer Überprüfung der ANT durch eine Ethnographie der deutschen Entwicklungshilfe und ihrer medialen Übersetzungsketten (Rottenburg 2002), oder in der fortlaufenden französischen Theorie-Debatte zwischen Callon/Latour (der französischen „Acteur-Réseaux“-Schule) (Mondada 2004) und Boltanski/Thévenot (2007) (der französischen soziologischen Theoriebildung nach Bourdieu), deren medienethnographische und techniksoziologischen Folgen auch in Deutschland mittlerweile diskutiert und methodisch weiterentwickelt werden (Potthast 2007).
Die Kongruenz einer medienbezogenen Kultur- und Sozialforschung mit orts- und situationsbezogenen Medienforschungen hat zweifelsohne nicht nur forschungsimmanente, sondern ebenso starke sachbezogene – und das heißt in diesem Fall: medienhistorische – Gründe. „Soziale Situationen in postindustriellen Gesellschaften sind medial vermittelt oder nicht, ko-präsent oder tele-präsent, face-to-face oder long-distant, und oft gehen soziale Situationen abrupt von einem Modus in den anderen über.“ (Bachmann/Wittel 2006: 187) Es ist daher nur zu plausibel, dass sich Sozial-, Kultur- und Medienforschungen bei der Erforschung aktueller Phänomene, sei es in der Erforschung des digitalen Medienumbruchs, sei es in der Erforschung neuer Organisationswelten zunehmend auf die Übergänge „von einem Modus in den anderen“ konzentrieren, etwa zwischen Online- und Offline-Welten – was orts- und situationsbezogene Forschungen zur unverzichtbaren Diskussionsgrundlage macht. Die Schwierigkeiten, die aus dieser Konstellation entstehen, dürfen nicht unterschätzt werden, und verlangen eine methodische Bewältigung, die für einige postindustrielle Teilbereiche bereits geleistet scheint (etwa durch die „Science and Technology Studies“), und für andere Teilbereiche (etwa für die Technographie digitaler Medien) bisher nur in Ansätzen vorliegt (Strübing 2006).
Medienforschung bleibt auch deshalb ein turbulentes Feld, weil die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Medien Kompetenzen aus allen drei eingespielten Wissenschaftsformationen aufruft und in immer neue Gemengelagen bringt: Kompetenzen aus den Natur- und Ingenieurswissenschaften, aus den Sozialwissenschaften, und aus den Geistes- und Kulturwissenschaften. Versuche, die Gemengelage dieser drei Kompetenzen, die sich durch den digitalen Medienumbruch der letzten (und voraussichtlich auch der nächsten) Jahrzehnte neu zusammensetzt, für die Medienforschung aufzulösen, sie ruhigzustellen oder dogmatisch aufzuteilen, haben sich meist als wissenschaftlich kontraproduktiv erwiesen. Dennoch verlangt die unausweichliche Gemengelage von wissenschaftlichen Medienkompetenzen, die in den Natur- und Ingenieurswissenschaften, den Sozialwissenschaften und den Geistes- und Kulturwissenschaften entstehen, nach methodischen Vermittlungen zwischen den Wissenschaftsformationen und zwischen ihren Sozialisationswegen. Auffällig ist hier die jahrzehntelange Vermittlungsrolle, die bereits existierende wissenschaftliche Paradigmen einer methodischen Brückenbildung in den erwähnten Forschungsfeldern gespielt haben und voraussichtlich auch weiter spielen werden: die Ethnologie (mitsamt der Europäischen Ethnologie) als Vermittlerin zwischen Sozialwissenschaften und Kulturwissenschaften; die „Science and Technology Studies“ (Jasanoff 1995) als eine sozial- und kulturwissenschaftliche und durch die „Actor Network Theory“ auch „postsoziologische“ Erforschung der Natur- und Ingenieurswissenschaften und ihrer Anwendungsbereiche; aber auch die Bedeutung der Ökologie (und der ökologischen Geschichtsschreibung in der Globalgeschichte) als einer Brücke zwischen raumbezogenen Forschungen in den Naturwissenschaften und Humanwissenschaften (Diamond 2000, Horden/Purcell 2000). Auch die aktuelle Entwicklung der internationalen Geographie und ihre Erweiterung durch postindustrielle Feldforschung (Crang/Cook 2007) und mediengeographische Fragestellungen gehört in diese Reihe methodischer Vermittlungen zwischen den eingespielten Wissenschaftsformationen.
Die Research School „Cultural and Media Studies“ soll die Dynamik dieser internationalen transdisziplinären Entwicklungen nicht nur begleiten und von ihnen profitieren, sondern sie aktiv mitgestalten. Im folgenden wird die Darstellung der allgemeinen methodischen und medienwissenschaftlichen Rahmenbedingungen für drei besondere wissenschaftliche Felder exemplarisch vertieft: (4.) für die Linguistik, und (5.) die Politologie.
Außerdem wird (6.) die Skizze einer ortsbezogenen „Science and Technology Study“ vorgelegt, die sich der Erforschung einer an der Universität Siegen weiterentwickelten Kommunikationstechnologie und ihrer soziotechnischen Organisation widmen soll. Diese exemplarische „Science and Technology Study“ zur „Technografie der Fernerkundung“ vermittelt nicht nur zwischen der Medienwissenschaft (des Fachbereichs 3) und der Medieninformatik (des Fachbereichs 5), sondern bietet zugleich ein organisatorisches und inhaltliches Bindeglied zur Research School „Science and Engineering“ an der Universität Siegen. An die Forschergruppe „Technografie der Fernerkundung“ anschließende medieninformatische Forschungsfelder werden unter (7.) dargestellt.

 

4. Locating Media/ Situierte Medien – linguistische Forschungsfelder

In den einschlägigen kommunikationslinguistischen Theoriezusammenhängen ist das Konzept der Lokalisierung durch eine doppelte Ambiguität charakterisiert, die mit der Forschungsperspektive „Locating Media/Situierte Medien“ korrespondiert:
(i.) In einem engeren Sinne geht es um die räumliche Einbettung sozialer Interaktion, wobei noch einmal zu unterscheiden ist zwischen
(i-a.) physikalischen Strukturen vorgängiger Räumlichkeit, „die unabhängig von Aushandlungsprozessen Restriktionen, Anforderungen, Möglichkeiten für das Interaktionshandeln schaffen, die genutzt werden können und respektiert werden müssen“ (Deppermann/Schmitt 2007: 32) und
(i-b.) einem emischen und praxeologischen, im ethnomethodologischen Sinne ‚reflexiven‘ Verständnis des (Interaktions-)Raumes als eines dynamischen Territoriums, das durch sinnhaftes menschliches Handeln vorbereitet, etabliert, verändert und wieder aufgelöst wird (einschließlich sozialer Zugangsbeschränkungen und Beteiligungsstrukturen). Grundlegend sind hier Konzepte aus Goffmans Theorie der Interaktion als einem auch räumlich konstituierten Ereignis (wie ‚face-to-face domain‘, ‚participation framework‘, ‚focused gatherings‘ etc.) (Deppermann/Schmitt 2007). Einen speziellen Aspekt stellen Probleme räumlicher Referenz in der Interaktion dar: Formulierungen räumlicher Kategorien (Schegloff 1972), räumliche Referenz als ‚embodied activity‘, beruhend auf wechselseitiger Wahrnehmung von Körperorientierung und Aufmerksamkeitssteuerung (Hanks 1990, Goodwin 2000, Haviland 2000), Raumerzeugung durch Gesten einschließlich der räumlichen Darstellung nicht-räumlicher Sachverhalte (Enfield 2003, Mondada 2007). Im Kontext der Workplace Studies (vgl. unten) interessiert man sich in diesem Zusammenhang besonders für den professionellen, organisational relevanten und technisch (z.B. durch Überwachungssysteme) unterstützen Blick auf den Raum (Heath/Luff/Svensson 2002, 2005).
(ii.) In einem weiteren, metaphorischen (oder metonymischen) Sinne umfasst Lokalisierung den wechselnden und wechselseitigen Situationsbezug der Teilnehmer einer Interaktion, d.h. die fortlaufende Abstimmung der Interaktionsbeiträge mit dem, was durch die Beteiligten an einer sozialen Situation nachweislich aktuell wahrgenommen und thematisch oder indexikalisch relevant gesetzt wird (weit über die räumliche Umgebung hinaus, z.B. auch zeitlich, sozial, institutionell usw.). Mit anderen Worten handelt sich um alle Kategorisierungsleistungen im Rahmen interaktiver Bedeutungskonstitution (Deppermann 2007), die für die sequentielle und simultane Verknüpfung des Handelns und Sprechens folgenreich (procedurally consequential, Schegloff 1992) sind. Im Gegensatz zu Theorien, die soziale Ordnung wesentlich durch äußere, materielle Rahmenbedingungen bzw. durch sehr weitgehend vorgeformte Bedeutungsstrukturen erklären, betont diese ethnomethodologische Sichtweise die Kontextgebundenheit (Mondada 2007) und Dynamik der fallweisen Her¬stellung von Ordnung durch Interaktion und Handeln, insbesondere aller Koordinationsleistungen.
Mit dem Anspruch einer Rekonstruktion der Beteiligtenperspektive knüpft dieser Ansatz an Traditionen der phänomenologischen Soziologie an, in deren Mittelpunkt der Begriff des ‚Alltags‘ steht, verstanden als spezifischer Handlungs-, Sozial- und Welterlebensmodus (Voß 2000): die (mehr oder weniger) routinierte Bearbeitung konkreter Aufgaben und Probleme im Hier und Jetzt auf der Basis (mehr oder weniger) geteilter Praktiken und Wissensbestände, die freilich immer wieder situativ erneuert und eingepasst werden müssen.
Im Blick auf den lokalen Alltag als Sozialmodus ergibt sich eine gewisse Nähe zum soziolinguistischen Konzept der Diskursgemeinschaft (discourse community) nach Swales (1990), das freilich im Blick auf schriftliche Kommunikation entwickelt wurde: Durch eine gemeinsame kommunikative Alltagspraxis, so die Beobachtung, kann sich auf längere Sicht ein geteiltes, teilweise auch unter den Beteiligten verteiltes Wissen herausbilden; dieses umfasst u.a. explizite und implizite Handlungsziele; ’Weltsichten’, Begriffe und Interpretationsverfahren; eine bestimmte Lexik (Terminologie, Jargon, Abkürzungen etc.); kommunikative Gattungen und auf komplexe kommunikative Muster bezogene Erwartungen; soziale Identitäten der Beteiligten und der Community als ganzer einschließlich der symbolischen Praktiken für deren Darstellung und Herstellung; ein gewisses Maß an tradierter Expertise; und Praktiken der Mediennutzung.
In der empirischen Forschung stand, in der Tradition der ethnomethodologischen Konversationsanalyse, lange Zeit die Arbeit mit Audioaufzeichnungen verbaler Face-to-face- bzw. Telefon-Interaktion im Mittelpunkt des Interesses. Die jüngere Forschung führt diese Tradition fort, blickt aber auch in verschiedener Hinsicht über Sprache und Parasprachliches hinaus auf andere Medien der Kommunikation (wobei auf allen genannten Feldern vertiefende theoretische, methodologische und empirische Arbeit zu leisten ist):
(i.) In Verbindung mit technischen Möglichkeiten zur Aufzeichnung audiovisueller Daten kommen neue Aspekte sozialer Interaktion in den Blick, die nun auf neue Weise (und im Sinne von Goffmans Konzept des „Interaktionsensemble“) als „Gesamtzusammenhang aller simultan realisierten, sequenziell strukturierten und aufeinander bezogenen interaktiven Beteiligungsweisen aller Teilnehmer“ – einschließlich der nicht sprechenden, u.U. nicht adressierten, u.U. nicht einmal offenkundig am sozialen Ereignis teilnehmenden Anwesenden – als Gegenstand empirischer Forschung begründet werden können (Deppermann/Schmitt 2007, 17). Zu den genannten Beteiligungs¬weisen gehören – über sprachliche hinaus – Stimme, Lautstruktur, Gestikulation, Mimik, Blick, Körperhaltung, Körperorientierung, Position im Raum, Bewegungsarten und neben Räumlichkeit und Körperlichkeit auch der Einbezug dinglicher Ressourcen (vgl. unten). Als Forschungskontext ist hier – anknüpfend an ältere Traditionen der Context analysis und Natural history (Kendon 1990) und der Erforschung der Körpersprache (Scheflen 1976) – auch das seit den 1990er Jahren expandierende Gebiet der Gestenforschung zu nennen. (Innerhalb der Linguistik im deutschsprachigen Raum hat sich in den letzten Jahren das Mannheimer Institut für deutsche Sprache (IDS) als ein Zentrum für Forschungen dieser Art etabliert, mit einem Schwerpunkt im Bereich der Mikro-Koordination).
(ii.) Im Kontext der von Ethnomethodologie und Konversationsanalyse beeinflussten Workplace Studies (Heath/Luff 2000) bzw. Studies of Work (Bergmann o.J.) gilt das Interesse neben der sprachlichen Interaktion (als einer Form von Arbeit), den Körpern und den (Interaktions-)Räumen von Anfang an auch den interaktiv relevanten und bearbeiteten Dingen: Gegenstände, Instrumente, Apparate, Medieninfrastrukturen, Schrift- und Bilddokumente etc. Zudem ist etwa im Blick auf Koordinationszentren (Suchman 1987) oder auch hinsichtlich medienvermittelter Dienstleistungskommunikation neben der Interaktion unter den räumlich kopräsenten Personen auch die durch technische Medien vermittelte interaktive Verständigung mit räumlich entfernten Beteiligten von großem Interesse. Dabei ist eine programmatische Abkehr von Technik-Determinismus und Technik-Paternalismus für entsprechende Forschungsansätze charakteristisch (Schütz et al. 2005, Habscheid et al. 2006).
(iii.) Teilweise anknüpfend an Traditionen der Interaktions- und Gesprächsforschung (Konversationsanalyse; Goffman; Funktionale Pragmatik), aber auch gespeist aus anderen Forschungstraditionen (kritische Diskursanalyse; Textlinguistik; systemfunktionalistische Linguistik; Semiotik) richtet sich der Blick auf asynchrone, verdauerte Einweg-Kommunikationsprozesse (Ehlich 1994). Auch hier werden oftmals multimodale und multikodale Bedeutungsressourcen bereit gestellt, aus denen Rezipienten jeweils lokal (i.w.S.) Sinn herstellen können (vgl. z.B. Scollon/Scollon 2003, Stöckl 2004, Ventola/Cassily/Kaltenbacher 2004). Für die Analyse derartiger Semiosen hat sich das Konzept der Transkriptivität (L. Jäger) als äußerst leistungsfähig erwiesen (vgl. z.B. Holly/Paul 2007).

 

5. Locating Media/Situierte Medien – politikwissenschaftliche Forschungsfelder

Im Zentrum der politikwissenschaftlichen Kommunikations- und Medienforschung steht die Untersuchung von Formen der medial vermittelten Generierung politischer Öffentlichkeit und deren Auswirkungen auf die demokratische Organisation des Gemeinwesens. Unabhängig vom dominanten theoretischen Referenzrahmen - in der Regel normative Theorien der Öffentlichkeit wie etwa deliberative Demokratiemodelle (Schmalz-Bruns; Bohman; Dryzek, Dahlgren) oder systemtheoretische (Luhmann) oder liberale Modelle (Gerhards; Norris) – sind räumliche Situierungen dabei stets implizit oder explizit in politische Kommunikationsanalysen eingeschrieben. Dabei lag bis zu Beginn der 1990er Jahre der Schwerpunkt der Forschung auf dem nationalstaatlichen Handlungsrahmen. Zentrale Untersuchungsfelder lassen sich nach den drei Dimensionen des Politischen differenzieren. Erforscht wurden vornehmlich:
- strukturelle, institutionelle und politisch-kulturelle Bedingungen der Genese und des Wandels medial vermittelter nationaler politischer Öffentlichkeit – „Polity“ genannt
- auf der Prozess- und Akteursebene des Politischen die Nutzung von Medien durch nationale politische Akteure, z.B. die Mediennutzung in nationalen Wahlkämpfen durch nationale politische Parteien – „Politics“
- auf der Policy-Ebene des Politischen die medienpolitischen Regulierungen bezogen auf unterschiedliche Bereiche wie Presse, Rundfunk, Telekommunikation, Medienkonzentration.

Mit der zunehmenden Denationalisierung des Politischen (Zürn) verändern sich die räumlichen Grundlagen der Demokratie und damit verbunden auch der politischen Legitimation durch medial vermittelte Öffentlichkeit. Im Zuge der Internationalisierung politischer Ordnungen, Prozesse und Entscheidungen entsteht eine „Mehrebenenarchitektur des Politischen“, die auch die räumliche Situierung der Medien in der politikwissenschaftlichen Medienforschung komplexer werden lässt. Mit dem Begriff der politischen „Glokalisierung“ (Rosenau) wird versucht, die Vielfältigkeit, Interdependenz und zum Teil Widersprüchlichkeit zwischen unterschiedlichen Tendenzen des territorialen Wandels, d.h. zwischen Aspekten der räumlichen Ausweitung politischer Regelungen und Prozesse im Sinne einer Transnationalisierung, Internationalisierung und Supranationalisierung und deren subnationalen Auswirkungen im Sinne einer Lokalisierung, Regionalisierung oder Fragmentierung des Politischen, auf den Begriff zu bringen.

In der politikwissenschaftlichen Kommunikations- und Medienforschung hat der territoriale Wandel des Politischen von der „nationalen zur post-nationalen Konstellation“ (Leibfried/Zürn 2006) insbesondere hinsichtlich der Erforschung von Tendenzen der Inter-, Trans-, und Supranationalisierung des Politischen zur Entwicklung einer Vielzahl neuer Fragestellungen und Forschungsschwerpunkte geführt. Der oben genannten Trias von Polity, Politics und Policies entsprechend haben sich vor allem folgende Forschungsschwerpunkte entwickelt:
- Polity: strukturelle, institutionelle und politisch-kulturelle Bedingungen der Genese transnationaler Öffentlichkeiten. Aufgrund der demokratischen Legitimationsdefizite der zunehmend auf EU-Ebene getroffenen politischen Entscheidungen konzentriert sich die Erforschung der Bedingungen und Probleme der Herausbildung transnationaler politischer Öffentlichkeit bisher vor allem auf das Beispiel der Europäischen Union (Peters et al. 2006, Adam 2007, Abromeit 2003, Eder/Kanter 2000, Gerhards 2002, 1993, Klein et al. 2002, Meyer 2002, Pfetsch 2004, Trenz 2002, 2005, Wimmel 2004). Entsprechend der demokratietheoretischen Leitvorstellung „vom demos zu demoi“ wird auch die Vorstellung eines einheitlichen transnationalen Raumes zugunsten der Vorstellung von transnationaler Öffentlichkeit als „network of networks“ (Bohman 2007) aufgegeben.
- Auch auf der Politics-Ebene des Politischen liegt der Schwerpunkt der Forschung vor allem auf der Situierung von Medien im europäischen Raum: neben der Untersuchung der Rolle der Medien in europäischen Wahlkämpfen wird vor allem die Mediennutzung in der PR europäischer Akteure wie etwa der Europäischen Kommission untersucht. Insbesondere mit der Erforschung der Nutzung digitaler Medien durch transnationale Protestakteure wurde das Forschungsfeld jedoch auch für transnationale zivilgesellschaftliche Akteure und deren Mediennutzung geöffnet (Bennett 2003, Van de Donk 2004, Rucht 2004, Baringhorst 2008). Dabei wird nicht nur die Rolle digitaler Medien für die Entstehung transnationaler Öffentlichkeiten, sondern damit verbunden auch die Interdependenz zwischen neuen Medien und neuen politischen Organisations- und Kooperationsformen, insbesondere die Beziehungen zwischen virtuellen und sozialen und politischen Netzwerken, thematisiert (Stegbauer/Jäckel 2008, Tepe/Hepp 2008, Stegbauer/Rausch 2006).
- Auf der Policy-Ebene des Politischen, der Analyse medienpolitischer Regulierungen ist zum einen die Verlagerung des räumlichen Bezugspunktes hin zur Analyse der Medienregulierung durch europäische (EU, Europarat) und globale Akteure (UNESCO; WTO; ICANN) zu beobachten. Zum anderen und damit verbunden zeigt sich ein theoretisch-konzeptioneller Wandel von steuerungstheoretischen Fragen der Medienpolitik hin zum Regulierungsparadigma einer von staatlichen, zivilgesellschaftlichen und privaten Akteuren getragenen „media governance“ (Donges 2007, Schuppert 2007, Kleinsteuer 2007 Puppis 2007), die neben staatlichen Medienregulierungen auch Formen der Co-Regulierung und Selbstregulierung umfasst.

Zwar wird auf der konzeptionellen Ebene im politikwissenschaftlichen Diskurs der Denationalisierung bzw. Globalisierung häufig die Interdependenz zwischen Prozessen der Internationalisierung und Subnationalisierung hervorgehoben, doch finden sich bisher kaum empirische Studien zur Analyse der Situierung der politischen Mediennutzung im lokalen Raum und in konkreten Räumen. Unter dem Paradigma der nationalstaatszentrierten Forschung gab es in der Vergangenheit nur wenige Arbeiten zur Mediennutzung durch lokale politische Akteure etwa im Rahmen kommunaler Wahlkämpfe oder zur Generierung kommunaler Öffentlichkeiten durch lokale Medien (offene Kanäle/ Lokalradios). Eine Aufwertung der lokalen Politikebene im Kontext der politikwissenschaftlichen Medienforschung erfolgt erst mit der Einführung und Verbreitung digitaler Medien und der Erforschung von Aspekten kommunaler E-Governance (Daum 2001, Landsberg 2004) und E-Democracy (Wesselmann 2002).
Die Untersuchung der Mediennutzung durch soziale Bewegungsakteure weist zwar, wie oben erwähnt, einen deutlichen bias zugunsten der Erforschung der Nutzung digitaler Medien für die Generierung transnationaler Protestnetzwerke bzw. Öffentlichkeiten auf, doch deuten eher ethnografisch angelegte Arbeiten darauf hin, dass aus der Analyse der konkreten lokalen Mediennutzung einzelner Akteure Erkenntnisgewinne hinsichtlich der politikwissenschaftlichen Kommunikations- und Medienforschung zu erwarten sind. So eröffnet das Medien-Mix von Internet und Handy neue politische Mobilisierungs- und Aktionsformen wie Smart Mobs, die sich klassischen Organisationsprinzipien widersetzen und raumzeitlich ständig neu formieren und damit sowohl staatliche Kontrollmechanismen unterlaufen als auch den veränderten Zeit- und Loyalitätsbindungen einer Instantsolidarität entsprechen. Ethnografische Studien der Mediennutzung von Aktiven des Indymedia-Netzwerkes (Hamm 2005) lassen zudem darauf schließen, dass aus einer „Locating Media“- Perspektive, die für liberale Demokratien zentrale Unterscheidung zwischen öffentlichem und privatem Raum ebenso problematisch ist wie die zwischen einer politischen und privaten Mediennutzung. Weitere Aspekte einer politikwissenschaftlichen Erforschung einer medialen Glokalisierung eröffnen sich im Bereich des Themenfeldes ‚Medien und Entwicklung’, z.B. in der Untersuchung lokaler Tele- bzw. Internetcenter und ihrer Rolle in ländlichen Entwicklungsprozessen und im Bereich der Erforschung der Rolle von alten und neuen Medien bei der Entstehung transnationaler Identitäten (z.B. von Migrantencommunities; Protestcommunities; transnationale religiöse Gemeinschaften; transnationale Terrornetzwerke). Hier ergeben sich eine ganze Reihe neuer Fragestellungen, die durch orts- und situationsbezogene Studien zu erforschen wären, d.h. an und zu den Orten
- von Öffentlichkeiten und ihrer Erzeugung (polity)
- von neuen und alten politischen Akteuren (politics)
- von medienpolitischen Regulierungen und ihren Aushandlungsprozessen (policy).

 

6. Konzept für eine Forschergruppe
  „Technografie der Fernerkundung“

Eine Teilstudie der Graduiertenschule „Locating Media“ wird sich in Zusammenarbeit mit der Research School „Science and Engineering“ (und der z.Zt. im Aufbau befindlichen „Research School on Multi Modal Sensor Systems for Environmental Exploration and Safety“ des ZESS) mit der Technografie der Fernerkundung beschäftigen. Dieses Forschungsprogramm einer „Mikrosoziologie der Technik“ soll konkret die Entwicklung, Installation und Implementierung technosozialer Systeme in dem strategisch- und sicherheitsrelevanten Bereich der Geosurveillance untersuchen (Knorr-Cetina 2007, Rammert/Schubert 2006, Sui 2007). Ziel ist dabei, exemplarisch die Praktiken und Mechanismen für die Herausbildung neuer Institutionen, Standards, „traditions of practice“ (Constant 1987) bzw. „communities of practice“ (Lave/Wenger 1991, Wenger 1998) aufzuspüren. Global operierende Fernerkundungssysteme bieten sich hier insofern als ein ideales Forschungsfeld an, da mit einer solchen Mikrostudie ein wichtiger Beitrag zum Wandel der Science and Technology Studies „from the study of the (local) cultures of science and technology to the study of technological culture at large“ (Bijker 2006: 53) geleistet werden könnte.
Die Erkundung des für das menschliche Auge Unsichtbaren durch hochentwickelte Sensortechnik ist bereits seit den 1970er Jahren ein herausragendes Kennzeichen der Erdbeobachtung durch Satelliten. Die jüngsten Entwicklungen um die seit Anfang 2008 kommerziell zur Verfügung stehenden hochauflösenden Radardaten des deutschen Satelliten TerraSAR-X (entwickelt unter Beteiligung des Zentrums für Sensorsysteme der Universität Siegen) und des Satellitensystem Rapid Eye, das erstmals in der Lage ist, hohe Wiederholraten und damit eine hohe Aktualität optischer Satellitendaten zu gewährleisten, bedeutet einen Einstieg in eine neue mediale Qualität von Satellitenbildern. Vor diesem Hintergrund ist eine neue Diskussion um die „Herstellung einer bis dahin nicht vorhandenen Realität“ (Sachs 1994: 326) durch remote sensing zu erwarten. Es stellen sich folgende Forschungsfragen:
(i.) Welche kulturellen Ressourcen kommen beim system buildung eines solchen satellitengestützten „großen technischen Systems“ zum Einsatz? Welchen Beitrag kann die Medienwissenschaft zur Erforschung automationsgestützter Methoden bei der visuellen Interpretation von Geodaten, SAR-Bildern etc. leisten? Ziel wäre also in einem ersten Schritt den medialen und ikonografischen Status der Satellitenfotos zu untersuchen. Hierzu ist eine Zusammenarbeit mit dem Teilprojekt „Kulturgeographie des Medienumbruchs analog/digital“ des SFB/FK 615 angestrebt.
(ii.) Die Frage nach der Interpretierbarkeit von Habitaten unter Berücksichtigung ihrer räumlichen Auflösung spielt gerade im Zusammenhang um die Fusion sehr unterschiedlicher Datenquellen eine wichtige Rolle. Bislang waren Sensorsysteme dadurch charakterisiert, dass Fernerkundungssensoren räumlich dichte und zeitlich ausgedünnte Informationen bereitstellen, während In-situ-Erkundungssysteme räumlich ausgedünnte, aber zeitlich dichte/nahe Informationen liefern. Dieser Dualismus beginnt sich durch multimodale und multistatische Verfahren der Fernerkundung/-überwachung aufzulösen. Wie können verschiedene Informationsquellen (in-situ/ex-situ; optisch/nicht-optisch; 2D/3D) miteinander kombiniert werden? Welche Form der Datenintegration ist für welche Anwendung in welcher Situation an welchem Ort sinnvoll? Ein zweiter Forschungsschwerpunkt zielt damit darauf ab, die Potentiale der Kopplung raumbezogener Informationen mit interaktiven Medienanwendungen zu evaluieren.
(iii.) Um dem Gegenstandsbereich methodisch gerecht zu werden, sollte eine Technografie der Fernerkundung in der Lage sein, den Skalenwechsel von der Mikro- zur Makroebene und von der Makro- zur Mikroebene zu dokumentieren, um die Verflechtung dieser bislang weitgehend unerforschten Infrastruktur mit personaler Organisation und Koordination zu verstehen (Star 2002). Dabei geht es zunächst darum, die Transformationsprozesse von der Gewinnung, Analyse, Modellierung der Geodaten bis zur Visualisierung bspw. in Form von 3D-Stadt- und Landschaftssimulationen zu beschreiben. Dies kann im Rahmen einer Workplace Study, unter Verwendung techniksoziologischer, ethnographischer und/oder medienwissenschaftlicher Methoden geschehen. Der Fokus verschiebt sich also von der Erfindung als einmaligem Ereignis hin zu einem Interesse an fortlaufenden Praktiken der Weiterentwicklung und Reparatur. Remote sensing ist somit als Teil einer Operations- und Transformationskette zu skizzieren, die Informationstechnik durch „soziomaterielle Konfigurationen“ (Suchman/Trigg/Blomberg 2002) theoretisiert.
Eine Technikfolgenabschätzung muss immer auch die Ko-Evolution von Wissenschaft, Technologie und Gesellschaft berücksichtigen. Naturwissenschaftliche Fakten entstehen erst in sozialen Situationen, insbesondere in Forschungsumgebungen wie Labors und ihrer „Freisetzung“ in soziale und soziotechnische Prozesse. Die Erforschung wissenschaftlicher Organisationen, etwa des ZESS und seiner Kooperationspartner, verspricht einen wichtigen ethnographischen Beitrag zum Verständnis des Spektrums an Handlungsträgern in soziotechnischen Prozessen und in der Entwicklung alternativer Handlungstheorien (Latour 2007). Aus den Ergebnissen lassen sich wiederum für das ZESS Erkenntnisse zu Forschungs- und Innovationsprozessen von der Erfindung bis zum Spin-Off erwarten.

 

7. An die Forschergruppe „Technografie der Fernerkundung“
    anschließende medien-informatische Forschungsfelder

Ambient, Mobile und Ubiquitous Computing
In den letzten Jahren hat sich die Entwicklung von „nomadic applications“ und „ubiquitous interfaces“ beschleunigt. Nomadi¬sche Assistenzsysteme zielen auf eine durchgängige und unterbrechungsfreie Assistenz von Menschen in ihrem natürlichen Arbeitsalltag. Da deren Informationsversorgung durch alle Stationen einer Prozesskette zu gewährleisten ist und mobile Anwendungen auf einer Vielzahl von „computing devices“ funktionieren müssen, auch wenn die Systeme und Systemum¬gebungen dynamischen Veränderungen unterworfen sind, steht die Software-Entwicklung vor der besonderen Herausforderung, nicht nur easy-to-use- sondern auch easy-to-adapt- bzw. easy-to-develop-Systeme zu konzipieren (Berti et al. 2006). Auf Seiten der Nutzer stellen diese Anwendungen neue Anforderungen im Hinblick auf Anpassung und Aneignung (Stevens et al. 2007).
Relevante Fragestellungen/Themen:
- Meta-Design für End-User Development in Ubiquitous Computing Umgebungen (Fischer/Giaccardi 2006)
- Ambient Services und komponentenbasierte Systeme (Betz et al. 2007) für Gesundheits-, Fitness- und Sportanwendungen (Stevens et al. 2005) in der Aging Society

Ortsbezogene, kontextsensitive Anwendungen zur situierten Nutzung
Insbesondere mobile Systeme sind mit wechselnden und dynamischen Kontexten (Orten, Situationen, Nutzungsbedingungen) konfrontiert. Ortsbezogene und kontextsensitive Anwendungen greifen auf Sensorik- und Positioning-Technologien zurück, um die Nutzung mobiler Anwendungen in situ zu unterstützen. Je nach Umgebungsbedingungen (outdoor, indoor, umgebende Infrastruktur etc.) stehen dafür sattelitengestützte Positionierung (GPS), Ortung über verfügbare W-Lan-Router und Empfangsstärken, RFID-Sensoren oder diverse weitere Sensorik-Technologien zur Ermittlung kontextbezogener Daten zur Verfügung.
Relevante Fragestellungen/Themen:
- Kontextsensitivität im Bereich Wearable und Ubiquitous Computing (Boronowsky et al. 2006), Vergleich der RFID-Technologie mit anderen ID-Technologien (Finkenzeller 2006); Einsatz der RFID-Technologie in verschiedenen realen Anwendungsszenarien (Eberspächer/von Reden 2006, Kern 2007)
- Technische Unterstützung in sicherheitsrelevanten und kritischen Situationen, z.B. Feuerwehr- und Notfalleinsätzen (Löffler/Klann 2007)

Urban Informatics, Community Informatics
„Urban Informatics“ (Ellison 2007, Foth 2008) stellt die Dichotomie zwischen „cyberspace“ und „real space“ in Frage und untersucht, wie „collective interaction“ (Yahoo Groups und andere Online-Communities) und „networked interaction“ (MySpace, Facebook etc.) in sozial bedeutungsvolle Interaktion vor Ort transformiert wird bzw. wie Computernutzer zwischen kollektiv vernetzten und räumlich dispersen Informations- und Kommunikationsströmen navigieren. Konkret könnte dies beispielsweise anhand eines Vergleichs von Collaborative vs. Locative Gaming, an unterschiedlichen Settings kollaborativen und verteilten Lernens oder unterschiedlichen Ansätzen virtueller Community-Unterstützung analysiert werden. Netzwerkforschung und Untersuchungen zu „Communities and Technologies“ (Huysman et al. 2003) bieten hierzu für theoretische wie empirische Forschung zu „local communities“, „location-aware web search“ und das „geospatial web“ vielfältige Anknüpfungspunkte:
Relevante Fragestellungen/Themen:
- Entwicklung und Analyse geeigneter Plattformen zur Unterstützung kooperativer Arbeit und kollaborativen Lernens (Rohde et al. 2004, 2007) sowie regionaler Kooperationsbeziehungen bspw. in industriellen Clustern
- Unterstützung von Communities durch Social Software, z.B. lokaler Nachbarschaften durch Social-TV-Anwendungen
- Wie können durch „Mobility Mining“ (Giannotti/Pedreschi 2007) Mobilitätsdaten analysiert und ausgewertet werden?
- Entwicklung und Integration der Werkzeuge und Software für die Analyse und Modellierung von Geodaten.

 

8. Literaturliste

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