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Katalog der UB Siegen

Anna Brus, M.A.

Promotionsstelle des DFG-Graduiertenkollegs Locating Media

DFG-Graduiertenkolleg Locating Media

Universität Siegen
Artur-Woll-Haus, Am Eichenhang 50
57076 Siegen

Tel. dienstlich: 0271/740-3864

E-Mail: anna.brus@uni-siegen.de

 anna_brus

Titel der Dissertation

Medien des Kulturkontakts – Medien der Kulturkritik. Julius Lips und die synoptische  Ausstellungspraxis der Moderne

Projektbeschreibung

Das Forschungsprojekt untersucht die Zirkulation und Rezeption ausgewählter, außereuropäischer Kunstobjekte in den kuratorischen, künstlerischen und wissenschaftlichen Handlungszusammenhängen der deutschen Moderne. Der Fokus liegt dabei auf der Sammlung des Kölner Ethnologen und Museumskurators Julius Lips, der Objekte und Fotografien zusammengetragen hat, die den Europäer bildlich darstellen. In verschiedenen Materialien gefasst, wurden diese Darstellungen als Medien der Fremderfahrung im Zuge der kolonialen Expansion Europas hergestellt und zirkuliert. Die Darstellungen von Soldaten, Offizieren, Händlern, Siedlern, Missionaren oder der Gegenstände der westlichen Warenwelt galten als wertlose Kuriositäten, zeugten sie doch vom vermeintlich kontaminierenden Einfluss der weißen Kultur auf die lokale Kunstproduktion. Die Objekte heben sich nicht nur oft durch ihren Naturalismus stark von der um 1900 in der Kunstwissenschaft und in Ausstellungen gefeierten „primitiven Kunst“ ab, die „abstrakt“ beziehungsweise „ornamental“ zu sein hatte. Ihre offensichtliche Zeitgenossenschaft betonte überdies die Gleichzeitigkeit europäischer und außereuropäischer Lebenswelten. Diese Artefakte des Kulturkontakts erfuhren in der Sammlung, Archivierung und medialen Vervielfältigung durch Julius Lips eine Aufwertung und sollten in einer Ausstellung im Kölner Rautenstrauch-Joest Museum einer breiten Öffentlichkeit präsentiert werden. Die Ausstellung, die – anders als etwa die imaginären „Persischen Briefen“ - einen nicht fingierten Blick von außen auf die europäische Kultur realisiert hätte, wurde durch die Nationalsozialisten vereitelt. Bereits im Exil veröffentlichte Lips stattdessen 1937 das Buch „The Savage hits back“, in dem er in einer aufklärerischen Umwertung des Primitivismus den wechselseitigen Blick von Kolonisatoren und Kolonisierten vor dem Hintergrund des europäischen Faschismus thematisierte und die außereuropäischen Darstellungen als Medien radikaler Kulturkritik interpretierte. Die Hypothese des Dissertationsprojektes ist, dass Lips mit dieser „Inversion des Blicks“ auf die eigene Kultur eine neue und auf den Postkolonialismus voraus weisende Operation des Kulturvergleichs entwickelte, die kuratorische, künstlerische und wissenschaftliche Auseinandersetzungen mit außereuropäischer Kunst seit der Jahrhundertwende aufnahm und zugleich zuspitzte. Durch den Nachvollzug der medialen Vermittlungsschritte dieses Kulturkontakts – von lokaler Produktion und Aneignung, über Zirkulation, Archivierung und Ausstellung, zur Rezeption und Verbreitung in verschiedenen Medien – sollen die Bedingungen in den Blick genommen werden, unter denen außereuropäische Artefakte zu „Grenzobjekten“ (Star/Griesemer 1989) in den Kooperationszusammenhängen an unterschiedlichen Orten wurden. Dabei soll die Rekonstruktion dieser institutionellen und medialen Verflechtungsgeschichte dazu beitragen, nicht nur die Ausstellungspraxis und das schriftstellerische Werk Lips’, sondern die Begegnung mit dem „Anderen“ in der deutschen Moderne entlang künstlerischer, wissenschaftlicher und kuratorischer Übersetzungsketten zu verorten und hinsichtlich ihrer kulturrelativierenden und kolonialkritischen Potentiale zu hinterfragen.

In einem letzten Schritt sollen ausgewählte außereuropäische Objekte des Kulturkontakts entsprechend dem kunstethnologischen Forschungsstand in den Blick genommen werden und - dem Blickwechsel folgend - in einer ethnohistorischen Re-Analyse die in den Objekten medialisierte Fremderfahrung in der Komplexität ihrer kulturellen Kontexte situiert werden. Zur Kategorisierung der betreffenden Kunstwerke kann die Sammlungs- und Erwerbsgeschichte in den verschiedenen lokalen Stationen der betreffenden Artefakte aus den jeweiligen Archiven rekonstruiert werden und damit die Verflechtungsgeschichte einer globalen Zirkulation des 19. und frühen 20. Jahrhunderts erkennbar werden.
 

Wissenschaftlicher Werdegang

1994-98 Studium der Islamwissenschaft, Orientalischen Kunstgeschichte, Orientalischen Philologie und Politikwissenschaften an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität, Bonn und an der Ruhr-Universität Bochum

1998-99 Studienaufenthalt am British Council, Kairo

1999-2006 Studium der Kunstgeschichte und Islamwissenschaft an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen   

SS 1999-2001 Wissenschaftliche Hilfskraft und Tutorin, Institut für Kunstgeschichte, Universität Tübingen

SS 2001 Gasthörer an der Sorbonne, Institut d’Art et Archéologie, Paris

2001-2003, 2006-2008 Elternzeit

2008 Abschluss in Kunstgeschichte und Islamwissenschaft, Universität Tübingen, Thema der Magisterarbeit: „Delacroix’ Bildnis des Mulay Abd al-Rahman“, Gesamturteil: „mit Auszeichnung“

SS 2009 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Medienwissenschaften Universität Siegen (Vertretung Lehrstuhl Dr. Marcus Hahn)

SS 2011 Wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-Projekt Trancemedien – Neue Medien, Institut für Medienwissenschaften Universität Siegen (Vertretung Dr. Markus Hahn, Ergänzungsausstattung)  
 

Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte

Globale Kunstgeschichte, Interkulturalität und Ästhetik, Klassische Moderne und Primitivismus, Postcolonial Studie
 

Lehrveranstaltungen

Sommersemester 2009 „Bildmedien und Kulturkontakt. Koloniale Begegnungen und (Selbst-) Repräsentation“. Modul Medienkultur, (BA), Fachbereich Sprach-, Literatur- und Medienwissenschaften, Universität Siegen

Sommersemester 2009 (gemeinsam mit Martin Zillinger): „Trance Medien und Neue Medien. Ethnographie und Theoriebildung des gegenwärtigen Medienumbruchs“, Modul Medienkultur, (MA),  Fachbereich Sprach-, Literatur- und Medienwissenschaften, Universität Siegen
 

Vorträge

„Die ganze Welt in Farbe. Fotografische Erkundungen des Fremden und Eigenen in der kolonialen Moderne“, gehalten am 1. 7. 2010 im Rahmen der Ausstellung „Städte der Welt. Frühe Farbfotografien aus dem Musée Albert Kahn im Dialog mit der fotografischen Sammlung“ im Stadtmuseum Düsseldorf.
 

Publikationen

2012 im Druck: Die ganze Welt in Farbe. Fotografische Erkundungen des Fremden und Eigenen in der kolonialen Moderne, in: Ausstellungskatalog zur Ausstellung „Städte der Welt. Frühe Farbfotografien aus dem Musée Albert Kahn im Dialog mit der fotografischen Sammlung“, Stadtmuseum Düsseldorf.

2009 (mit Dr. Martin Zillinger): Trophäen der Vorstellungskraft, in: Ausstellungskatalog zur Ausstellung „Johannes Brus. Giving Picture for Throphy“, Museum Kunstpalast, Düsseldorf, S. 54-62.

2006 lemmata: Baptisterium, Buleuterion, Madrasa, Rathaus, Verwaltungsgebäude, Zikkurat, in: Ernst Seidl (Hg.): Lexikon der Bautypen, Leipzig: Reclam, Mitarbeit Redaktion