Judith Willkomm, M.A.
Promotionsstelle des DFG-Graduiertenkollegs Locating Media
| DFG-Graduiertenkolleg Locating Media Universität Siegen Tel. dienstlich: 0271/740-3063 | |
Titel der Dissertation
Zur Technikgenese in den Feldwissenschaften am Beispiel der Bioakustik. Eine Feldstudie über Feldstudien (Arbeitstitel)
Projektbeschreibung
Naturwissenschaftliche Feldstudien erlangen im Zuge des Klima-, Umwelt- und Artenschutzes immer mehr wissenschaftliche und öffentliche Aufmerksamkeit, nicht zuletzt, da die computergestützte Datenerfassung und -analyse inzwischen sehr viel mobiler und die Felddaten somit viel schneller und leichter übertragbar, vergleichbar, auswertbar und publizierbar sind.Doch wie beeinflussen und verändern Medien(technologien) die Themen und Fragestellungen in den naturwissenschaftlichen Feldforschungsprozessen und umgekehrt, welche Strategien entwickeln die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um die technischen Geräte an die Gegebenheiten im Feld anzupassen?
Am Beispiel der Bioakustik – einem Forschungsfeld, das sich mit den Lautäußerungen von Tieren und deren auditiver Wahrnehmung beschäftigt – wird das Promotionsprojekt das Aufkommen von digitalen Medientechnologien in Feldforschungsprozessen nachvollziehen. Im Zentrum der Untersuchung stehen dabei das Wechselspiel zwischen menschlicher Beobachtung und nicht-menschlicher Datenerhebung und die gegenseitigen Anpassungs- und Prägungsprozesse von Technik und Forschenden während der Feldarbeit.
Seit den 1980er Jahren rückten die Science and Technology Studies (STS) Interdependenzen zwischen wissenschaftlicher Forschung und technologischer Innovation auf der einen und gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Einflüssen auf der anderen Seite in den Fokus der Wissenschaftsforschung. Auf der Grundlage von empirischen Methoden wurde seitdem in den sog. Laborstudien der Faktenproduktion in hochtechnisierten, naturwissenschaftlichen Forschungseinrichtungen nachgegangen. Jedoch mangelt es bislang an Untersuchungen, die sich explizit mit der naturwissenschaftlichen Arbeit im Feld und dem Einsatz von Medientechnologien im Forschungsprozess auseinandersetzen. Erst in jüngster Zeit scheint sich in der Wissenschaftsforschung ein Interesse an den Feldwissenschaften zu formieren, allerdings dominieren hier die wissenschafts-historischen Fallstudien. Ähnlich verhält es sich mit dem wachsenden Diskurs über auditive Wissens- und Medienkulturen in naturwissenschaftlichen Forschungsprozessen: auch hier stehen einschlägige empirische Untersuchungen noch aus.
Daher ist das Ziel dieser Promotion, den ethnographischen Ansatz der STS mit einer medientheoretischen Perspektive zu kombinieren und somit die wechselseitigen Einflüsse zwischen Forschenden, Forschungsfeld und Technik insbesondere in Bezug auf Feldforschungen und auditive Erkenntnisformen beschreibbar zu machen und somit sowohl für die Wissenschaftsforschung als auch für die Ethnologie und die Medienwissenschaft neue Themen und Methodenfelder zu erschließen.
Wissenschaftlicher Werdegang
Oktober 2003 bis Juni 2012: Magisterstudium mit den Hauptfächern Europäische Ethnologie und Medienwissenschaft an der Humboldt-Universität zu BerlinMai 2004 bis September 2012: Studentische Hilfskraft im Tierstimmenarchiv am Museum für Naturkunde Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung an der Humboldt-Universität zu Berlin
Juni 2012: Abschluss Magistra Artium, Thema der Abschlussarbeit: „Wie wird der Ton zum Fakt? Zum Stellenwert von Tonaufnahmegeräten in der bioakustischen Feldforschung“
seit Oktober 2012: Doktorandin und Wissenschaftliche Mitarbeiterin am DFG-Graduiertenkolleg "Locating Media" der Universität Siegen
Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte
Wissenschaftsforschung, Praxistheorie, Medienarchäologie, -philosophie, auditive Wahrnehmung als Mittel der Erkenntnis
Organisation von Veranstaltungen
Mitarbeit an der Konzeption, Planung und Umsetzung der Installation „Sterben wollen | Denkraum Suizid“ auf den Grünflächen am Alexanderufer und vor dem Berliner Medizinhistorischen Museum in Berlin-Mitte, sowie umfangreiche Recherchearbeiten und Realisierung eines Begleitprogramms. Das Projekt entstand auf Eigeninitiative von Studierenden, Alumni und Lehrenden des Instituts für Europäische Ethnologie (IfEE) der Humboldt Universität zu Berlin (HU) sowie des Instituts für Kunst im Kontext (IfKiK) der Universität der Künste Berlin (UdK) (10.09 - 19.10.2009)
Internetlink: www.sterbenwollen.de
„Sensing the Street“: Dreisemestriges Studienprojekt am IfEE der HU mit anschließender Präsentation der Ergebnisse in den Ausstellungsräumen von drei Berliner Bezirksmuseen (09.11.2007 - 10.02.2008):
Internetlink: www.sensingthestreet.de
Publikationen
zus. mit Maria Elisabeth Hiebsch und Fritz Schlüter (2009): „Sensing the Street. Eine sinnliche Ethnographie der Großstadt.“ In: Sandra Maria Geschke (Hg.): Straße als kultureller Aktionsraum. Interdisziplinäre Betrachtungen des Straßenraumes an der Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 31–57.
Willkomm, Judith (2008):“Vorwort“ und „Begriffliche Drehscheibe.“ In: Alex Arteaga, Wolfgang Knapp und Rolf Lindner (Hg.): (Sensing the Street)³. Sinnliche Dokumentation einer ethnographisch-künstlerischen Stadtforschung. Berlin: Verlag der Universität der Künste Berlin.

