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Linz

Dr. Erika Linz

Postdoktorandenstipendium der Graduiertenschule "Locating Media/Situierte Medien" von Januar 2009 bis März 2009

Thema des Projekts:

Mobile Territorien.
Die Verortung des Mediums in der interpersonalen Kommunikation


 

 

Zusammenfassung des Projekts

Das an der Schnittstelle von Sprachwissenschaft und kulturwissenschaftlicher Medientheorie angesiedelte Forschungsvorhaben untersucht den Einfluss der räumlich-situationalen Verortung von Kommunikanten und technischen Kommunikationsmedien auf Kommunikationspraxen und soziale Interaktionsbeziehungen. Im Zentrum des Projektes stehen die strukturellen Veränderungen von Kommunikationsräumen durch digitale und mobile Kommunikationstechnologien, die sich nur noch schwer mit traditionellen begrifflichen Oppositionen wie „nah vs. fern“, face-to-face vs. zerdehnt“ fassen lassen. Leitend ist dabei die These, dass nicht nur die räumliche Situierung der Kommunikationsteilnehmer, sondern auch die räumliche Situierung des Mediums Auswirkungen auf die Interaktionsstrukturen und Kommunikationspraktiken hat.

Die Auflösung der festen Standortbindung technischer Kommunikationsmedien durch die Mobiltechnologie erweitert nicht nur die Menge und Reichweite der Kommunikationsmöglichkeiten, sondern leitet auch grundlegende Veränderungen in den interpersonalen Kommunikationspraxen ein. Der häufig zu findende Verweis auf die gängige Eröffnung von Handy-Gesprächen „Wo bist du gerade?“ ist dabei nur ein offensichtlicher Indikator für die generelle Erkenntnis, dass der Raum gerade bei der Nutzung jenes Kommunikationsmediums, das zunächst eine Ortsunabhängigkeit der Kommunikation verspricht, nichts an kommunikativer Relevanz verliert.

Ausgehend von Goffmans Konzept des ‚Territoriums‘ wird deshalb zunächst die Frage untersucht, in welcher Weise der Raum in seiner Mehrfachkodierung als materielle Umgebung und körperlicher Aktionsraum, als Markierung von Öffentlichkeit und Privatheit sowie als situational konstituierter Interaktionsraum und verhaltensregulierender Bezugsrahmen in der Nutzung technischer Medien Einfluss auf die interpersonale Kommunikation nimmt. Am Anwendungsfall der Mobilkommunikation wird in einem zweiten Schritt danach gefragt, wie sich durch die zunehmende Einwanderung des Mobiltelefons in den territorialen Nahbereich des Körpers eine neue Interaktionsbeziehung zwischen Nutzer und Medium zu entwickeln beginnt, die sich nicht mehr mit einer instrumentellen Medienauffassung fassen lässt, sondern adäquater durch Kategorien einer „objektzentrierten Sozialität“ (Knorr-Cetina) oder einer „Extended Cognition“ (Clark) bestimmt werden kann. Darüber hinaus wird drittens mit Blick auf die Mobiltechnologie erprobt, inwieweit sich die in der Akteur-Netzwerk-Theorie entwickelte Heuristik medialer Übersetzungsprozesse für die Beschreibung der komplexen Wechselwirkungen zwischen technologischer Entwicklung und medienspezifischen Aneignungspraxen operationalisieren lässt. Das Forschungsprojekt zielt damit auch darauf, die Möglichkeiten einer durch die Akteur-Netzwerk-Theorie inspirierten Perspektive auf Medien für die kommunikationstheoretische Modellbildung sowie die medien- und sprachwissenschaftliche Untersuchung technisch mediierter Kommunikation auszuloten.


Wissenschaftlicher Werdegang
Studium der Germanistischen Sprach- und Literaturwissenschaft, der Romanistik, Mathematik und Neurolinguistik an der RWTH Aachen;
1999  Promotion  mit einer Arbeit über "Indiskrete Semantik. Kognitive Linguistik und neurowissenschaftliche Theoriebildung"; 
2000 Auszeichnung der Dissertation mit dem Friedrich-Wilhelm-Preis der RWTH Aachen

1992-1998 Wissenschaftliche Angestellte am Lehrstuhl für Deutsche Philologie der RWTH Aachen;
1999-2005 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kulturwissenschaftlichen Forschungskolleg (SFB/FK 427) "Medien und kulturelle Kommunikation" der Universitäten Aachen, Bochum, Bonn und Köln im interdisziplinären Teilprojekt A1 "Medialität und Sprachzeichen", das die Auswirkungen differenter medialer Sprachformate auf die Kognition untersucht;
Juli 2005 bis September 2007 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Informatik V der RWTH Aachen für Kultur- und Medienwissenschaften im englischsprachigen MA-Studiengang „Media Informatics“ des Bonn-Aachen International Center for Information Technology (B-IT);
Oktober 2007 bis Ende 2008 Wissenschaftliche Geschäftsführerin des FK 427 "Medien und kulturelle Kommunikation" an der Universität Köln.


Forschungsschwerpunkte
Sprachmedialität; Zeichen- und Medientheorie; Sprache und Kognition; Theorie interpersonaler Kommunikation; Mobilkommunikation


Publikationen
Monographien:

Linz, Erika 2002: Indiskrete Semantik. Kognitive Linguistik und neurowissenschaftliche
Theoriebildung.
München: Fink


Herausgeberschaften:

Fehrmann, Gisela/Erika Linz/Cornelia Epping-Jäger (Hg.) 2005: Spuren Lektüren.
Praktiken des Symbolischen.
Festschrift für Ludwig Jäger zum 60. Geburtstag.
München: Fink

Jäger, Ludwig/Erika Linz (Hg.) 2004: Medialität und Mentalität. Theoretische und empirische
Studien zum Verhältnis von Sprache, Subjektivität und Kognition.
München: Fink

Fehrmann, Gisela/Erika Linz/Eckhard Schumacher/Brigitte Weingart (Hg.) 2004:
Originalkopie. Praktiken des Sekundären. Köln: DuMont

Epping-Jäger, Cornelia/Erika Linz (Hg.) 2003: Medien/Stimmen. Köln: DuMont


Unselbständige Publikationen (Auswahl):

Linz, Erika 2008: Society on the move. The success story of the mobile phone. In: Gudrun Wolfschmidt (Hg.): Heinrich Hertz and the development of communication. Proceedings of the International Scientific Symposium, Hamburg, October 8-12, 2007. Norderstedt, S. 552-566

Fehrmann, Gisela/Erika Linz 2008: Eine Medientheorie ohne Medien? Zur Unterscheidung von konzeptioneller und medialer Mündlichkeit und Schriftlichkeit. In: Elisabeth Birk/Jan Georg Schneider (Hg.): Philosophie der Schrift. Tübingen: Niemeyer [im Druck]

Fehrmann, Gisela/Erika Linz 2008: Der hypnotische Blick. Zur kommunikativen Funktion deiktischer Zeichen. In: Horst Wenzel/ Ludwig Jäger (Hg.) in Zusammenarbeit mit Robin Curtis und Christina Lechtermann: Deixis und Evidenz. Freiburg i. Br., Berlin, Wien: Rombach, S. 261-288

Linz, Erika 2008: Konvergenzen. Umbauten des Dispositivs Handy. In: Irmela Schneider/Cornelia Epping-Jäger (Hg.): Formationen der Mediennutzung III: Dispositive Ordnungen im Umbau. Bielefeld: Transcript, S. 169-188

Linz, Erika 2007: Sich sprechend verstehen. Zur Nachträglichkeit des Äußerungssinns in der Rede. In: Fritz Hermanns/Werner Holly (Hg.): Linguistische Hermeneutik. Theorie und Praxis des Verstehens und Interpretierens. Tübingen: Niemeyer, S. 43-58

Linz, Erika/Gisela Fehrmann 2005: Die Spur der Spur. Zur Transkriptivität von Wahrnehmung und Gedächtnis. In: Gisela Fehrmann/Erika Linz/Cornelia Epping-Jäger (Hg.): Spuren Lektüren. Praktiken des Symbolischen. Festschrift für Ludwig Jäger zum 60. Geburtstag. München: Fink, S. 89-103

Fehrmann, Gisela/Erika Linz/Eckhard Schumacher/Brigitte Weingart 2004: Originalkopie. Praktiken des Sekundären – Eine Einleitung. In: Dies. (Hg.): Originalkopie. Praktiken des Sekundären. Köln: DuMont, S. 7-17

Fehrmann, Gisela/Erika Linz 2004: Resistenz und Transparenz der Zeichen. Der verdeckte Mentalismus in der Sprach- und Medientheorie. In: Jürgen Fohrmann/Erhard Schüttpelz (Hg.): Die Kommunikation der Medien. Tübingen: Niemeyer, S. 81-104

Linz, Erika 2004: Sprachlose Metaphern. Zur Rhetorizität der Kognition und ihrer Modellierung in der kognitiven Linguistik. In: Jürgen Fohrmann (Hg.): Rhetorik. Figuration und Performanz. DFG-Symposion 2002. Stuttgart: Metzler, S. 246-266

Linz, Erika 2004: ‚Language of Thought‘ – mentale Symbole oder mediale Zeichen? In: Ludwig Jäger/Erika Linz (Hg.): Medialität und Mentalität. Theoretische und empirische Studien zum Verhältnis von Sprache, Subjektivität und Kognition. München: Fink 2004, S. 45-68

Linz, Erika /Ludwig Jäger 2004: Einleitung. In: Ludwig Jäger/Erika Linz (Hg.): Medialität und Mentalität. Theoretische und empirische Studien zum Verhältnis von Sprache, Subjektivität und Kognition. München: Fink, S. 9-14

Epping-Jäger, Cornelia/Erika Linz 2003: Einleitung. In: Dies. (Hg.): Medien/Stimmen. Köln: DuMont, S. 7–15

Linz, Erika 2003: Die Reflexivität der Stimme. In: Cornelia Epping-Jäger/Erika Linz (Hg.): Medien/Stimmen. Köln: DuMont, S. 50-64

Linz, Erika/Klaudia Grote 2003: Sprechende Hände. Ikonizität in der Gebärdensprache und ihre Auswirkungen auf semantische Strukturen. In: Matthias Bickenbach/Annina Klappert/Hedwig Pompe (Hg.): Manus loquens. Medium der Geste – Gesten der Medien. Köln: DuMont, S. 318-337

Linz, Erika 2002: ‚The warehouse theory of memory is wrong‘. Zur Performativität semantischer Wissensstrukturen. In: Heike Behrend/Hedwig Pompe/Leander Scholz (Hg.): Archivprozesse. Die Kommunikation der Aufbewahrung. Köln: DuMont, S. 282-296

Grote, Klaudia/Erika Linz 2002: The influence of iconicity on semantic conceptualization processes. In: Wolfgang G. Müller/Olga Fischer (eds.): From sign to signing. Iconicity in language and literature 3. Amsterdam, Philadelphia: Benjamins, S. 23-40

Fehrmann, Gisela/Erika Linz 2000: The binding function of linguistic signs. In: Consciousness and Cognition 9/2, S. 85-86

Linz, Erika 1994: Ist die Sprache ein Modul des Geistes? Zum linguistischen Kognitivismus Noam Chomskys. In: Sprache und Literatur (SuL) 25/73, S. 2-19