Dipl.-Medienwirtin Nadine Taha
Promotionsstipendium der Graduiertenschule "Locating Media"
|
Graduiertenschule „Locating Media/Situierte Medien“ Universität Siegen E-Mail: taha@locatingmedia.uni-siegen.de |
|
Titel der Dissertation
Das Labor der US-Industrieforschung als Entstehungsort neuer technischer Medien, 1870-1914
Projektbeschreibung
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sucht der Industriekapitalismus erstmals die Unterstützung organisierter Forschung. Das Ergebnis ist die Etablierung des Industrieforschungslabors in den science- and technology-based-industries.
Pointiert ließe sich behaupten, dass medientechnische Innovationen bislang vorwiegend durch die Rekonstruktion eines einzigen soziotechnischen Ortes erklärt worden sind: Durch das moderne Büro. Ziel des Dissertationsvorhaben ist es, der Bürokratie der Moderne einen weiteren soziotechnischen Ort an die Seite zu stellen: Das Labor der US-Industrieforschung als Emergenzraum neuer technischer Medien. Die Verortung von Medieninnovationen in Industrieforschungslaboren, genauso wie die Betrachtung ihrer Produktion und Zirkulation sowie ihres Gebrauchs, möchte die historische Lücke zwischen 1870 und 1914 schließen und einen Beitrag zur techniksoziologischen und kulturwissenschaftlichen Medienforschung leisten.
In theoretischer Hinsicht wird einerseits an die Wissenschafts- und Technikforschung der Science and Technology Studies und insbesondere an ihre Forschungsrichtungen, die Akteur-Netzwerk-Theorie und die mikrosoziologischen Laborstudien, angeschlossen. Andererseits geht es darum, die in diesem Paradigma gewonnenen Erkenntnisse mit den Forschungen zur Wirtschafts- und Mediengeschichte zu verbinden. Obwohl sich die Science and Technology Studies in all ihren theoretischen Varianten als bahnbrechend für die sozial- und kulturwissenschaftliche Erforschung der industriellen Moderne um 1900 erwiesen haben, stellen sie keine medienwissenschaftlichen Forschungen im engeren Sinne dar. Das geplante Forschungsvorhaben wird deshalb auf die Vorarbeiten der Science und Technology Studies ebenso wie auf traditionelle Studien zur Industrieforschung zurückgreifen, diese aber medienwissenschaftlich neu zu perspektivieren und zu re-interpretieren haben.
Um mediale Techniken in den Laboren der Industrieforschung und die Gestaltung ihres situationsgebundenen Gebrauchs zu erforschen, sollen die industrielle Wissensproduktion und die begleitenden Forschungspraktiken rekonstruiert werden. Insbesondere werden neue mediale Techniken (1) in wissenschaftlichen Instrumenten vermutet, die dazu beigetragen haben, chemische oder physikalische Entitäten für unternehmerische Operationen zu visualisieren. (2) Ebenso soll lokalen Informationsflüssen und ihren Medien, die eine Zusammenarbeit zwischen den Laboratorien und weiteren organisatorischen Einheiten der Unternehmen ermöglichten, nachgegangen werden. (3) Weitere Medieninnovationen werden in standardisierten Aufzeichnungsmethoden angenommen. Denn diese bewirkten die Systematisierung und Sammlung von Informationen für die Einführung und Nutzung naturwissenschaftlicher Standards. (4) Zuletzt wird die Produktion von Patenten analysiert, da die technischen Zeichnungen sowie ingenieur- und naturwissenschaftlichen Beschreibungen des Patents maßgeblich durch die industriellen Rahmenbedingungen beeinflusst wurden.
Das Dissertationsvorhaben soll anhand einer Fallstudie durchgeführt werden. Dafür stehen die Unternehmensarchive von General Electric, des Chemiekonzerns DuPont, von Eastman Kodak sowie der American Telephone & Telegraph Corporation und ihr Vorläufer, die Bell Telephone Company, zur Auswahl. Mit der Wahl eines Unternehmens möchte die Dissertation die genannten Untersuchungsgegenstände beleuchten. In diesem Zusammenhang gelten die ethnomethodologischen Laborstudien und die Mikrostudien der Akteur-Netzwerk-Theorie auch in methodischer Hinsicht als Vorbilder, da sie einen vielversprechenden Zugang zum historischen Korpus vermitteln.
Poster zum Dissertationsprojekt
Wissenschaftlicher Werdegang
| seit 04/2011 | Stipendiatin der Graduiertenschule "Locating Media/Situierte Medien" |
| 10/2010 – 03/2011 | Wissenschaftliche Hilfskraft bei Prof. Dr. Erhard Schüttpelz/Universität Siegen, Medientheorie |
| 11/2009 – heute | Wissenschaftliche Hilfskraft im Landtag NRW |
| 10/2004 – 10/2009 | Studium der Medien -Planung, -Entwicklung und -Beratung an der Universität Siegen Abschluss: Diplom Medienwirtin |
| 10/2008 – 05/2009 | Studentische Hilfskraft im DFG-geförderten Forschungskolleg „Medienumbrüche“ der Universität Siegen, Projekt: Trancemedien und Neue Medien in den beiden Globalisierungsschüben (1900 und heute) |
| 10/2006 – 07/2009 | Studentische Hilfskraft im DFG-geförderten Forschungskolleg „Medienumbrüche“ der Universität Siegen, Projekt: Koordination |
Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte
Science and Technology Studies, Mediengeschichte zwischen 1870-1914, Geschichte unternehmensinterner Forschungseinrichtungen, Industrialisierung und Bürokratisierung


