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Dipl.-Medienwirtin Annika Richterich

Promotionsstipendium der Graduiertenschule "Locating Media/Situierte Medien" von Februar 2009 bis Juli 2012

 

 

E-Mail: richterich@locatingmedia.uni-siegen.de

 

 

 

 

Titel der Dissertation

Geomediale Fiktionen. Zur Remediation von Landkarten in digitaler Literatur

Projektbeschreibung

Die Dissertation analysiert aus historischer, theoretischer und empirischer Perspektive ein neues Forschungsfeld der Literaturgeographie: die digitale Remediation von Landkarten in Prosatexten.

Fünfzehnhundertsiebenundachtzig, Galileo Galilei sah und demonstrierte, dass das Inferno messbar war. Orientiert an naturwissenschaftlichen Erkenntnissen quantifizierte und rekonstruierte der Universalgelehrte die fiktive Hölle aus Dante Alighieris (Divina) Commedia (1472). Er vermaß Satan mit Dürers Proportionslehre und wies der Hölle ihre geographische Lage auf halber Strecke zwischen Marseille und Taschkent, 653 km unterhalb von Jerusalem zu.

Obgleich es anderen überlassen blieb Anfang des 20. Jahrhunderts die Begriffe der Literaturgeographie, literary geography und géographie littéraire zu prägen, kann man Galilei als einen Urheber dieser Subdisziplin der Literaturwissenschaft betrachten. Seine Vermessung geht von der zunächst basalen Einsicht aus, dass jede Narration auf einen geographischen Kontext angewiesen ist: Literatur spielt immer im Raum – dabei kann es sich um gänzlich fiktive Welten wie Thomas Morus’ Utopia (1516) oder fiktionalisierte Geographien handeln. 

Diese Prämisse wurde zu Beginn des 21. Jahrhunderts in der Laienkartographie des Webs wiederentdeckt. Insbesondere der sogenannte ‚Map Mashup‘-Trend begünstigte eine Popularisierung kartographisch-literarischer Verknüpfungen. Nachdem Google Inc. im Juni 2005 die Programmierschnittstelle für Google Maps legal zur Verfügung stellte, entstanden im Web zahlreiche Kombinationen aus Landkarten und ergänzenden Inhalten. Bilder, Texte, Videos – nahezu jeden digitalisierbaren Content konnte man nun legal auf den Webkarten lokalisieren und online veröffentlichen. 

Kartographiert wurden auch belletristische Texte, etwa der Reiseroman Senghor On The Rocks oder der Spionagethriller The 21 Steps, die als digitale Fortsetzungen an die literaturgeographische Tradition anschließen. Solche Map Mashups bilden eine neue literarische Gattung, die sich aus dem Zusammenspiel von kartographischer Form und Prosa ergibt. Die Dissertation „Geomediale Fiktionen. Zur Remediation von Landkarten in digitaler Literatur“ widmet sich diesem Forschungsfeld, das thematisch an einer Schnittstelle von Kartographiegeschichte, Medien- und Literaturwissenschaft liegt.

Die Arbeit analysiert den Gegenstandsbereich systematisch aus verschiedenen Perspektiven. Ergänzend zur Historisierung und Kontextualisierung sowie zu Interfaceanalysen stellt ein qualitativ-medienethnographischer Ansatz eine empirische Datenquelle dar. Interviews, die begleitend zur Rezeption geomedialer Literaturen geführt wurden, geben Auskunft darüber, ob und aus welchen Gründen heutige Nutzer ein Unbehagen angesichts kartographierter Literatur empfinden. Ergänzend ermöglichen es Experteninterviews mit den Produzenten vier ausgewählter Webseiten, die Inhalte auch als Ausdruck individueller Intentionen und technischer Einflüsse auszuwerten.
 


Poster zum Dissertationsprojekt

Wissenschaftlicher Werdegang

2003-2008: Studium der Medien-Planung, -Entwicklung und -Beratung an der Universität Siegen; Diplom-Medienwirtin

2007-2008: Studentische Hilfskraft im Teilprojekt B9 Mediennarrationen und Medienspiele am SFB/FK 615 Medienumbrüche der Universität Siegen

2008: Studentische Hilfskraft im Teilprojekt A7 Kulturgeographie des Medienumbruchs analog/digital am SFB/FK 615 Medienumbrüche der Universität Siegen

2008: Abschluss Diplom-Medienwirtin, Thema der Abschlussarbeit: Von der New Economy zur Digitalen Bohème?

2008-2009: Wissenschaftliche Hilfskraft im Teilprojekt B9 Mediennarrationen und Medienspiele am SFB/FK 615 Medienumbrüche der Universität Siegen

2009-2010: Wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für Neuere deutsche Literatur und Medien, Universität Siegen

seit Februar 2009: Doktorandin an der Graduiertenschule „Locating Media/Situierte Medien“ der Universität Siegen

2010: Forschungsaufenthalt an der University of Auckland

Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte

Literaturgeographie, Internetkartographie, Medien- und Literaturtheorie, Qualitative Sozialforschung, Medienethnographie, Sozialpsychologie, Epistemologie

Lehrveranstaltungen

SoSe 2009 (gemeinsam mit Dipl.-Medienwirt Pablo Abend): Seminar „Spatializing the Internet: Geobrowser, Mashups und die Laienkartographie mit Google Maps und Open Source Tools“, Fachbereich Sprach-, Literatur- und Medienwissenschaften, Universität Siegen

SoSe 2011: Seminar „‘Situiertes Wissen’: Qualitative Methoden und Epistemologien feministischer Sozialforschung“

Veranstaltungen

Mitarbeit an der Konzeption der Jahrestagung „Medialität der Nähe“ der Graduiertenschule „Locating Media/Situierte Medien“, 22. und 23. April 2010, Universität Siegen

Vorträge

"Geomedia Literature", gehalten am 10.06.2009, Workshop "Interactions in Liminal Space", Karls-Universität Prag

"‘Analoger’ Sinn und digitale Sinnlichkeit: Literatur im geomedialen book-a-like", gehalten am 01.10.2009, Jahrestagung der Gesellschaft für Medienwissenschaft, Universität zu Wien

"Mappaemorphosis. A Deleuzian Reading of Digital Maps", gehalten am 25.08.2010, Sociology Seminar Series, University of Auckland

Publikationen

Herausgeberschaft

zus. mit Gabriele Schabacher (Hg.): Raum als Interface, Siegen: Universi 2011 (Sonderheft Massenmedien und Kommunikation, MuK).

Aufsätze

"Cartographies of Digital Fiction: Amateurs Mapping a New Literary Realism", in: The Cartographic Journal, Special Issue: Cartographies of Fictional Worlds, Vol. 48(4), S. 237−249.

"Narrative kartographischer Nähe: Nicht bildhaft genug für Bilder, nicht kartographisch genug für Karten?", in: Claudia Müller/Pablo Abend/Tobias Haupts (Hg.): Medialität der Nähe, Bielefeld: Transcript 2012.

"Die Literaturkarte als Interface", in: Annika Richterich/Gabriele Schabacher (Hg.): Raum als Interface, Siegen: Universi 2011 (Sonderheft Massenmedien und Kommunikation, MuK).