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Jenseits des Lehrbuchs

Inhalt des Nanodegrees ist es, das biomedizinische Lehrbuchwissen sowohl von innen als auch von außen kritisch zu reflektieren und so einerseits die Perspektivgebundenheit des biomedizinischen Wissens und andererseits die Vielfältigkeit des Heilungswissens aufzuzeigen.

Die Reflexion von innen umfasst soziologische, philosophische und historische Analysen medizinischen Wissens. Dabei werden etwa das Verhältnis von Wissen und Technik in der Medizin oder die Bedeutung der zunehmenden Evidenzbasierung thematisiert. Technisierung und Objektivierung medizinischen Wissens sind einerseits für den Erfolg der Medizin als dominanter Heilungsprofession in den letzten 200 Jahren verantwortlich, zugleich zeigen sich im ärztlichen Alltag auch immer wieder die Unschärfen dieses Wissens und die Notwendigkeit mit Fingerspitzengefühl zu improvisieren, von Regel abzuweichen, situativ zu entscheiden.

kurz: ärztliche Kunstfertigkeit walten zu lassen. 

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thinking

Die Reflexion von außen beinhaltet ethnologische Analysen nicht-medizinischen Behandlungswissens. Hier werden beispielsweise die Verfahren und Praktiken der Geistheilungen oder von körperbezogenen Methoden diskutiert. Es stellt sich dabei die Frage, ob und wie sich die medizinischen und nicht-medizinischen Wissensbestände voneinander unterscheiden. Auch viele sogenannte alternative Heilmethoden folgen einem stark biophysikalisch orientierten Körperverständnis. Die klaren Abgrenzungen des schulmedizinischen Wissens von anderen Formen des Heilungswissens werden bei genauerer Hinsicht weniger eindeutig.

Mit diesen Reflexionen des medizinischen Wissens soll den Studierenden vor allem die Möglichkeit gegeben werden, die eigenen Selbstverständlichkeiten auf Basis von sozial- und geisteswissenschaftlichen Anstößen zu diskutieren und damit die meist unhinterfragten Bestandteile des medizinischen Wissens in den Vordergrund zu heben. Dabei steht die soziale Verfasstheit allen Wissens, medizinisch oder nicht, im Zentrum der Veranstaltung.  

In den praktischen Teilen werden die Strukturen des Wissens durch Übungen nachvollzogen. So etwa das Wissen im Umgang mit medizinischen Geräten, die Differenzen im Wissen von Ärtz*innen und Patient*innen, der Umgang mit widersprüchlichem Wissen, die Arten und Weisen, wie medizinisches Wissen in Behandlungspraktiken oder Körpertechniken eingeschrieben ist oder wie Heilungswissen weitergegeben wird: im persönlichen Austausch, über Fachjournale oder auch neue Medien.