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Investition für Innovationen

Die IHK Siegen vergibt zum ersten Mal zwei Promotionsstipendien an der Universität Siegen und fördert damit zwei Forschungsvorhaben.

In der ersten Dissertation geht es um Großraum- und Schwerlasttransporte, in der zweiten um Ventilfedern in Motoren. Zwei bedeutende Themen, die eine bedeutende Gemeinsamkeit haben: Die Promotionen von Julia Holler und Nagarjuna Remalli an der Universität Siegen werden von der Industrie- und Handelskammer Siegen (IHK) durch ein Stipendium gefördert. „Es sind die ersten beiden Doktorarbeiten überhaupt, die ein Stipendium von uns erhalten. Wir wollen durch diese Art der wissenschaftlichen Nachwuchsförderung einen Beitrag zu einem noch intensiveren Miteinander von hiesigen Unternehmen und heimischer Universität leisten“, sagte IHK-Präsident Felix G. Hensel bei der Vorstellung der Promotionsstipendien. Für zwei Jahre werden Julia Holler und Nagarjuna Remalli nun mit jeweils 1.500 Euro pro Monat unterstützt, die Förderung hat im Sommer begonnen.

„Innovationen geschehen immer durch Menschen. Die IHK ist bereit, in zwei Menschen zu investieren, die neue Beiträge erarbeiten. Und das in Form einer Promotion, also auf hohem wissenschaftlichem Niveau in einem exzellenten Forschungsumfeld. Die IHK leistet Pionierarbeit, dafür sind wir als Universität äußerst dankbar. Diese Form der Kooperation ist neu, auch das ist eine Innovation“, sagte Prof. Dr. Peter Haring Bolívar, Prorektor für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs.

Julia Holler beschäftigt sich mit dem Thema „Optimierung intermodaler Großraum- und Schwertransporte“ unter der Betreuung von Prof. Dr. Jürgen Steinbrecher. Ziel ist, ein „Navi für Schwertransporte“ zu entwickeln. Hintergrund: Rund 380.000 Anträge für solche Transporte werden bundesweit pro Jahr gestellt, 20 Prozent entfallen auf NRW, ein hoher Anteil davon auf Südwestfalen. Veraltete und sanierungsbedürftige Straßen und das komplexe Antragsverfahren machen es für Unternehmen schwer, die Transporte durchzuführen. „Mit einem neuen Optimierungstool möchten wir die Akteure unterstützen, ihre Transporte effizient, zuverlässig und schnell zu organisieren“, sagt Julia Holler. Beispielswiese sollen kurzfristig verfügbare Informationen über Baustellen in verschiedenen Bundesländern in die Routenplanung integriert werden. Das Thema ist für viele Unternehmen in Südwestfalen enorm relevant. „Gelänge es, hier zu neuen Ansätzen zu kommen, wäre dies aus Sicht der regionalen Wirtschaft uneingeschränkt zu begrüßen“, betonte IHK-Präsident Hensel.

Während es bei Julia Holler um tonnenschwere Transporte geht, widmet sich Nagarjuna Remalli der mikroelektronischen Analyse von Werkstoffen. „Höchstfester Ventilfederdraht – Charakterisierung festigkeitssteigernder Mechanismen“ lautet der Titel seines Promotionsvorhabens, sein Betreuer ist Prof. Dr. Robert Brandt (Lehrstuhl Werkstoffsysteme für den Fahrzeugleichtbau). Während der Promotion wird Nagarjuna Remalli die Mikrostruktur von Ventilfedern analysieren, um Erkenntnisse auf dem Gebiet der Materialentwicklung zu erhalten. Verbesserte Werkstoffe können helfen, Verbrennungsmotoren haltbarer zu gestalten, beispielsweise durch eine höhere Festigkeit auch bei höheren Temperaturen. Diese Herausforderung besteht vor allem während des aktuellen „Downsizing“-Prozesses von Motoren, also einer kompakteren Bauform. „Wir benötigen modernste Methoden der Materialwissenschaft, um die Werkstoffe der Zukunft zu verbessern“, sagte Prof. Brandt. Das Vorhaben von Nagarjuna Remalli wird in Zusammenarbeit mit dem Attendorner Automobilzulieferer Mubea erarbeitet. Das Promotionsvorhaben unterstützt zugleich den Vorstoß der Universität Siegen, mit Instituten der indischen Universität in Hyderabad die Forschungszusammenarbeit zu intensivieren.

Da die IHK im Jahre 2016 bis zu vier Stipendien vergibt, wird die Jury in einer zweiten Förderrunde im November 2016 über weitere Themenvorschläge befinden. IHK-Präsident Felix G. Hensel betonte, dass die IHK bestrebt sei, in den kommenden Jahren weitere regionalwirtschaftliche Fragestellungen über das Promotionsstipendien-Programm zu finanzieren.

In der ersten Förderrunde waren insgesamt neun Ideen eingegangen. Die Wissenschaftlichkeit der Promotionsideen bewertete die Kommission für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs der Universität Siegen unter der Leitung von Prof. Haring Bolívar. Eine IHK-Jury entschied schließlich, die Promotionsvorhaben von Julia Holler und Nagarjuna Remalli zu unterstützen.

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Vorstellung der Promotionsstipendien (von links): Felix G. Hensel (IHK Siegen), Mathias Münch (Mubea), Prof. Dr. Robert Brandt, Nagarjuna Remalli, Julia Holler, Prof. Dr. Jürgen Steinbrecher und Prof. Dr. Peter Haring Bolívar (alle Universität Siegen).