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Katalog der UB Siegen

Forschung

Aktuelle Projekte

Anfertigung eines Studienbuches zum 'Heliand' mit Übersetzung und Kommentar, erscheint bei de Gruyter.

Der ‚Heliand‘ droht aus dem Seminarbetrieb der Universitäten allmählich zu ver­schwinden. Denn die altsächsische Sprache stellt eine gegenüber dem Althoch­deutschen noch einmal merklich erhöhte Hürde dar. Übersetzungen sind im Buch­handel nicht mehr erhältlich, da die 1955 zum ersten Mal bei Reclam erschienene Übersetzung Felix Genzmers seit 2003 vergriffen ist. Die vorbereitete Studienbuch-Ausgabe soll hier Abhilfe schaffen; sie wird eine textnahe, neuhochdeutsche Über­tragung bieten. Auf diesem Weg soll die variierende Stabreimepik auch in der Über­tragung erhalten bleiben. Leitbegriffe werden in einem angefügten Kommentar er­läutert, der auch Hinweise auf die Forschungsliteratur enthält.

 

Narration und Heros. Möglichkeiten des Erzählens vom Helden in den Literaturen und der Bildkunst des frühen Mittelalters: Veranstaltung der Internationalen Tagung mit Prof. Victor Millet in Santiago de Compostela 09/2011 unter Finanzierung der DFG und des spanischen Ministeriums für Wissenschaft; Fortsetzung des Projekts geplant.

Tagung im September 2010:

 

Dingkulturen: Verhandlungen des Materiellen in Literatur und Kunst der Vormoderne; Projekt in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Anna Mühlherr, Prof. Dr. Bruno Quast und Prof. Dr. Monika Schausten.

 

‚Die Macht der Dinge‘ ist ein gerne gewähltes Schlagwort, wenn es darum geht, das Interesse an der Bedeutsamkeit von Dingen auszudrücken. Doch auch wenn das Interesse an den ‚Kulturdingen‘ in den letzten Jahren gewachsen ist, so lässt sich im Hinblick auf die Erforschung der europäischen Vormoderne gegenwärtig immer noch feststellen, dass eine übergreifend differenziert nach Funktionen oder Gegenstands­bereichen von wirkmächtigen Dingen fragende Studie fehlt.

Das geplante Projekt soll danach fragen, wo und in welcher Hinsicht Dinge in der Kultur der Vormoderne ihr eigenes Gewicht erhalten und wie diese Fälle kategorial zu erfassen sind. Zu diesem Zweck veranstalten wir zunächst die interdisziplinäre Tagung ‚Dingkulturen: Verhandlungen des Materiellen in Literatur und Kunst der Vormoderne‘ im September 2012 in Freudenstadt, im Anschluss soll ein Projekt­antrag eingereicht werden, u. a. mit dem langfristigen Ziel, ein Handbuch zu den Dingen in der mittelalterlichen Erzählliteratur zu erstellen.

 

Literaturexplosion und Intertextualität. Bedingungen und Merkmale der ‚Verschriftlichung des Lebens‘ in Nürnberg, Teilprojekt im Rahmen des Forschungsnetzwerkes „Ästhetik und Pragmatik der Kulturkritik“ an der Universität Siegen, DFG-Antrag im Dezember 2011 bewilligt.

Unter der strikten Kontrolle des Rates entsteht im Nürnberg des 15. Jahrhunderts Literatur, deren Vielfalt und schiere Masse von keinem anderen literarischen Zentrum im deutschsprachigen Raum des Mittelalters erreicht wird. Bei diesem Widerspruch von Reglementierung einerseits und literarischer Produktivität andererseits setzt das geplante Forschungsvorhaben zu Bedingungen und Merkmalen der ‚Verschriftlichung des Lebens‘ in Nürnberg an. Die allmähliche Herausbildung eines Leitbildes von der eigenen ‚städtischen Kultur‘ soll als kulturkritischer Prozess des Entwerfens, Verwerfens und Etablierens von Metaphern, Motiven und Topoi beschrieben werden. Zur ‚Literaturexplosion’ – so die Grundannahme – kommt es in Nürnberg vor allem deshalb, weil es um die Verhandlung der zentralen Frage geht, was man künftig unter dem eigenen Gemeinwesen verstehen will. Im Zentrum steht das lange vernachlässigte, hoch komplexe Corpus der subakademischen Texte, denn gerade diese Texte der sog. Handwerkerdichtung, der Laienkatechese und der Fachliteratur sind ein zentrales Erprobungsfeld städtischer Selbstentwürfe. Die Entwicklung des außerordentlich breiten Spektrums an Textsorten soll ebenso differenziert nachgezeichnet, wie deren literarische Techniken, Formen und Themen intertextuell erklärt werden. Dieser Zugriff ermöglicht erstmals den Nachweis, dass und wie die Texte aus der sog. Handwerkerdichtung, der Laienkatechese und der Fachliteratur in die Wirkungsgeschichte des jeweils anderen Genres eingebunden sind. Insofern in Nürnberg die Literatur der Mittelschicht (und nicht etwa die obrigkeitliche Publikation) als entscheidendes Medium der Begriffsbildung zu fassen ist, kann dieses Fallbeispiel unsere Kenntnisse zur Ausbildung eines städtischen Selbstbewusstseins in der frühen Neuzeit entscheidend ergänzen.

Im Rahmen dieses Projektes sollen drei monographische Arbeiten entstehen. Zudem sind jährliche Treffen mit einer Expertenrunde in Nürnberg vorgesehen (ständige Mitglieder: Prof. Dr. Veronika Albrecht-Birkner, Siegen; Prof. Dr. Henrike Lähnemann, Newcastle; Dr. Tanja Mattern, Köln; Dr. Christine Sauer, Nürnberg; Dr. Anne Simon, Bristol; Prof. Dr. Werner Williams, Augsburg).

 

Begründung und Herausgabe der neuen wissenschaftlichen Reihe: Themenorientierte Literaturdidaktik – TOLD zu­sammen mit Prof. Berbeli Wanning: Ziel ist die themen­orientierte Vermittlung von Literatur im Unterricht (erscheint bei v&r unipress und bei UTB).

 

Bd. 1: Helden (zusammen mit Franziska Küenzlen und Anna Mühlherr), erscheint Anfang 2013 bei UTB

In der gegenwärtigen hochkomplexen Gesellschaft ist die enorme Nachfrage nach  dem Helden, der mit Siegfried oder Götz von Berlichingen das Merkmal einer nicht einholbaren Besonderheit teilt, in seiner Gegenbildlichkeit zur mannigfach-ausdiffe­renzierten Einbindung Einzelner in soziale Entitäten begründet: Der Held steht für sich. Das Verlangen nach solchen Helden  findet seinen Ausdruck in dem sich stetig erweiternden Repertoire an Helden­figuren: Die ‚alten‘ Helden werden fortlaufend durch ‚neue‘ ergänzt. Aus der Fantasy-Literatur, der Science Fiction oder aus Comics stammen Helden wie Harry Potter, Luke Skywalker, Batman oder Monkey D. Ruffy. Auch die jährlichen Aufnahmen neuer Helden in die diversen Halls of Fame in Sport oder Musik zeigen das aktuelle Bedürfnis an, der Durchschnittlichkeit des Alltags durch die Identifikation mit herausgehobenen Figuren zu entkommen. Dabei geht es nicht nur um die Gegenbildlichkeit des Helden/der Heldin, sondern damit eng verbun­den auch um das Bedürfnis, im imaginären Mitgehen mit dem Helden Besonderheit gegenüber anderen zu gewinnen, sei es im individuellen Genuss der besonderen Be­ziehung zur Heldenfigur oder im Bewusstsein kollektiver Fan-Kultur.

Wir setzen mit Erzählungen aus dem Mittelalter an. Jede dieser Geschichten zeigt in unterschiedlicher Akzentuierung einen heroisch widerständigen Helden, dessen Ta­ten ihn herausheben, vereinzeln, ihn zu einem Besonderen machen. Deutlich werden soll, dass diese mittelalterlichen Helden-Bilder das Substrat sind, aus dem sich die aktuelle Genese immer neuer Heldenfiguren speist. Wenn man sich mit diesen vor­modernen Helden auseinandersetzt, bekommt das Thema eine Erklärungstiefe, gegenüber der die alleinige Betrachtung zeitgenössischer Helden in der Inven­tarisierung verharren würde. Wir erwarten zudem, dass eine besondere Faszination für Jugendliche darin liegt, dass sie eigene Themen in einer unvertrauten, aber doch zugänglichen Kultur und Sprache erkennen.

Dem Konzept der Reihe TOLD entsprechend soll der Held in seinen verschiedenen Ausprägungen grundsätzlich in der Polarität zwischen Exemplarität und Exorbitanz für didaktische Reflexionen erschlossen und das Themenfeld in seiner Vernetzung mit anderen sozialen Grundthemen dargestellt werden – wie Fragen nach der Selbst­formung bzw. Identitätsfindung, nach dem Verhältnis von Ich und Gruppe oder nach den Begründungsmöglichkeiten von ethischen Ansprüchen.

Das Nachdenken über faszinierende Heldenfiguren bietet Schülern die Chance, Erfahrungen mit positiver oder negativer Selbstprofilierung, Erfahrungen mit dem eigenen ‚Stand‘ in der sozialen Gruppe gedanklich zu bearbeiten, ohne sie direkt zu thematisieren. Das Sprechen über Literatur und die dort verhandelten Helden­konzepte begreifen wir also als besonders geeignetes Angebot an Schüler, Erfahrungen von ‚Ich‘ und ‚Wir‘ im geschützten Raum der Schule zu thematisieren und Konzepte zu reflektieren, ohne dass bei diesem biographisch sensiblen Thema eigene Erlebnisse, eigene Entwürfe preisgegeben werden müssten.

Der Band schlägt damit Studierenden des Lehramts und Lehrern ein Thema vor, aus dem Unterrichtseinheiten und andere Anknüpfungspunkte in der Praxis entstehen können, ohne diese bereits als Lehreinheit mit Material und Verlaufsplan vorstrukturiert zu haben. Ziel ist vielmehr, vielfältige Perspektiven für den Anschluss in Seminar und Unterricht, darunter auch an aktuelle Meldungen wie die Nachrichten von den Helden von Fukushima oder von den Gipfeltouren Gerlinde Kaltenbrunners zu ermöglichen.