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Forschungsstelle transnationale Kulturgeschichte

"Geschichte für alle" in europäischen Zeitschriften des 19. Jahrhunderts

Teilprojekt III:
Geschichte in Wort und Bild in deutschen und französischen Zeitschriften des 19. Jahrhunderts

Verantwortliche Forscherin:
Bearbeiter des Teilprojekts:
  • Klaus Herborn

Teilprojekt III

"Geschichte für alle". Geschichte in Wort und Bild in deutschen und französischen Zeitschriften des 19. Jahrhunderts.


Das Teilprojekt nimmt die Popularisierung historischen Wissens für Frankreich und Deutschland und im Vergleich in den Blick. Zwar existieren für beide Länder Untersuchungen zur illustrierten Presse, jedoch wird selten die Frage nach den hier präsentierten historischen Themen, der Auswahl, dem Tenor und den damit verbundenen Absichten, etwa im Hinblick auf eine bestimmte geschichtskulturelle Erziehung angeschnitten.

Die Verbreitung der Massenmedien begann in Frankreich in der Zeit der Julimonarchie zwischen 1830 und 1848. Ein Klima von tief greifenden politischen, wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen bereitete den Boden für ähnlich revolutionäre Entwicklungen auf kulturellem Gebiet. Die Ausbreitung von Zeitschriften für ein breiteres Publikum war vor allem drei Phänomenen geschuldet: erstens einer schnell ansteigenden Alphabetisierung, zweitens einer seit der Revolution von 1789 bei allen Rückschlägen grundsätzlich wachsenden Liberalisierung der Zensur und schließlich dem sich ausbreitenden Eisenbahnnetz, wodurch eine räumlich und sozial breite Versorgung der französischen Gesellschaft mit relativ billiger Lektüre in Buch- und Zeitungsform möglich wurde. Die zunehmende Leselust auch in mittelbürgerlichen Schichten ging einher mit einem Prozess einer kulturellen Angleichung und Durchlässigkeit zuvor stärker differenzierter und heterogener sozialen Schichten.

Mit der Zeitschrift la Presse begründete Emile de Girardin 1836 die seitdem schnell verbreiteten Erfolgskonzepte der billigeren Herstellung durch Werbung und der Vergrößerung des Lesepublikums durch Veröffentlichung von Romanen und Novellen in Teilen, in Fortsetzungen. Romane und Novellen bekannter Autoren wurden hier einem breiten Publikum zugänglich gemacht. Unmittelbare Konkurrenz wurde die 1836 gegründete Zeitung Le Siècle. Journal politique, littéraire et d’économie sociale.

Ihren Durchbruch erfuhren die neuen Medien jedoch in den 1860er Jahren. Mit einem Anstieg der Löhne, der Verbesserung der Lebensverhältnisse, einer größeren Anteilnahme am politischen Leben aufgrund des allgemeinen Männerwahlrechts seit der Revolution von 1848, einem erneuten Alphabetisierungsschub und damit verbunden mit der Einrichtung von Bibliotheken und Buchhandlungen und nicht zuletzt dank einem neuen Verkaufssystem über Kioske erreichten und interessierten die Printmedien ein immer breiteres Publikum.

Seit 1863 erschien die Zeitung Petit Journal. Bahnbrechend waren der niedrige Preis, das neue Konzept des Einzelheftverkaufs statt des Abonnements und die Breite der Themen. Es folgten Le petit Parisien 1876, Le Matin 1893, Le journal 1892. Ebenso bedeutsam für den schnellen Erfolg war neben der zunehmenden Alphabetisierung der Leserschaft die sukzessive Visualisierung der Informationen. Die Zeitschriften wurden gegen Ende des Jahrhunderts mehr und mehr zu "journaux illustrés", was sich zudem werbewirksam und verkaufsträchtig im Titel niederschlug, wie in der Wochenzeitschrift L'Illustration. Wandten sich die ersten Zeitschriften noch wenig differenziert an ein möglichst breites Publikum, spezialisierten sich nun einige Zeitschriften hinsichtlich ihrer Klientel: La veillée des chaumières etwa wandte sich seit 1877 in erster Linie an eine weibliche Leserschaft.

Als erste deutsche Illustrierte gilt das von Johann Jacob Weber im Jahr 1833 gegründete Pfennig-Magazin für Verbreitung gemeinnütziger Kenntnisse. Es wurde herausgegeben von der Gesellschaft zur Verbreitung gemeinnütziger Kenntnisse. Sein Anliegen war die Verbreitung wissenschaftlicher und technischer Erkenntnisse.

Erfolgreicher wurden die Familienblätter, von denen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts vor allem zwei Typen existieren: Blätter für Gebildete sowie solche für Handwerker und Gewerbetreibende, die zumeist einen lokalen Schwerpunkt hatten (etwa die Blätter für Unterhaltung, Häuslichkeit, Familienglück und Bürgerwohl, Berlin 1838ff). 1853 lief die Gartenlaube mit günstigerem Preis und bekannten Autorinnen und Autoren dem Pfennig-Magazin den Rang ab, das noch bis 1855 erschien. Weber hatte 1843 nach dem Vorbild der Illustrated London News (1842ff.) die ebenfalls wöchentlich erscheinende Leipziger Illustrierte Zeitung gegründet (bis 1944), etwa zur gleichen Zeit erschien in Paris L'Illustration (1843ff.).

Auch Die Gartenlaube warb im Untertitel mit der Visualisierung ihrer Wissensangebote und hieß "Illustriertes Familienblatt". Vom Anspruch her unpolitisch, vertrat sie doch Ende der 1850er Jahre eine deutlich nationalliberale Tendenz. Die Familienzeitschrift Daheim, die als bewusste christliche Gegengründung zur liberalen Gartenlaube seit 1864 erschien, hieß "Ein Familienblatt mit Illustrationen", Über Land und Meer (1859 – 1923) erschien nach 1887 als "Deutsche Illustrierte Zeitung". Der Hausfreund nannte sich 1864: "Illustriertes Familienblatt" und später "Illustriertes Familien-Journal", die sozialdemokratische Zeitschrift Die Neue Welt (1.1876-42.1919) als "Illustriertes Unterhaltungsblatt für das Volk", Das Buch für Alle warb um Leser als "Illustrierte Blätter zur Unterhaltung und Belehrung. Für Familie und Jedermann", später als "Illustrierte Familien-Zeitung zur Unterhaltung und Belehrung. Chronik der Gegenwart" und nach 1900 als "Illustrierte Familienzeitung. Chronik der Gegenwart". Für die Zeit vor 1918 sind etwa zehn deutsche Illustrierte Zeitschriften für die Untersuchung relevant.

Obwohl die Mehrzahl dieser Zeitschriften von ihrem Anspruch her zunächst einmal informierend und nicht meinungsbildend sein wollte, verbarg sich zwischen den Zeilen eine – mitunter wie etwa bei der Gartenlaube im Erscheinungszeitraum wechselnde – Botschaft. Diese ist nicht immer explizit, sondern muss vielfach über die Auswahl der Informationen und Illustrationen ermittelt werden.

Weitergehende Informationen finden Sie auf der Webseite zum Teilprojekt im Rahmen des Internetauftritts des Projekts "Geschichte für alle".