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Katalog der UB Siegen

Forschungsschwerpunkte

Prof. Dr. Gerold Ambrosius

Geschichte öffentlicher Unternehmen

Die Epoche der Industriewirtschaft bzw. -gesellschaft seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis Ende des 20. Jahrhunderts ist in allen europäischen und vielen außereuropäischen Staaten durch einen starken Ausbau der öffentlichen Wirtschaft gekennzeichnet gewesen - öffentliche Unternehmen der Zentralregierungen, der Länder und der Kommunen. Auch wenn die heutige Zeit durch formale oder sogar materielle Privatisierung geprägt wird, so spielen öffentliche Unternehmen doch weiterhin eine wichtige Rolle. Viele der Fragen, die heute im Zusammenhang mit öffentlichen Unternehmen - ihren Eigentumsstrukturen, ihrem Management, ihren Beziehungen zu Politik und Verwaltung oder ihrer Instrumentalisierung im öffentlichen Interesse - gestellt werden, waren so oder ähnlich schon im 19. Jahrhundert aktuell und sind im 20. Jahrhundert immer wieder aufgegriffen worden. Insofern kann die Analyse der Geschichte zum Verständnis der heutigen Probleme beitragen.

Öffentliche Dienstleistungssysteme

Öffentliche Dienstleistungssysteme stehen heute im Rahmen der Liberalisierung und Entstaatlichung zur Disposition. Es scheint eine Epoche zu Ende zu gehen, in der der Bürger Anspruch auf eine stabile, qualitativ hohe und preiswerte Versorgung mit infrastrukturellen Gütern hat und der Staat verpflichtet ist, diesen im Sinne der Daseinsvorsorge durch Eigenproduktion zu befriedigen. Statt dessen wird darüber diskutiert, was als angemessene Grundversorgung bezeichnet werden kann, wobei der Staat diese nicht mehr selbst bereit stellen muss, sondern nur noch zu ‚gewährleisten' braucht. Es geht um Fragen der Daseinsvorsorge, auf europäischer Ebene um die Universaldienste und um die Zukunft eines europäischen Gesellschaftsmodells. Eng damit verbunden sind die Fragen, die sich im Hinblick auf das neue Abkommen der WTO zur Liberalisierung des Dienstleistungshandels (GATS) stellen.

Europäische Wirtschaftsgeschichte und -integration

Die Europäische Union wird fortlaufend erweitert und wirtschaftlich und politisch immer stärker integriert. Gesamteuropa wächst seit dem Zusammenbruch der realsozialistischen Staaten Osteuropas zusammen. Die Globalisierung scheint auch in Europa alle Barrieren niederzureißen, die zwischen 'Nationalökonomien' bestanden haben. Allerdings hat Europa schon im 19. Jahrhundert eine Phase der Integration und die Welt einer der Globalisierung erlebt. Das Forschungsinteresse richtet sich auf die Abläufe und Mechanismen der europäischen Integration im Rahmen des institutionellen Gebildes der EWG bzw. EG und EU, um diese mit denen der Integrationsprozesse während der Jahrzehnte vor dem Ersten Weltkrieg zu vergleichen.

Institutioneller, insbesondere Regulierungswettbewerb

Für die Integrationsprozesse innerhalb der Europäischen Union ist eine der zentralen Fragen, ob die nationalen Gesetze und Verordnungen harmonisiert werden sollen oder ob institutioneller Wettbewerb herrschen soll. In der Wirtschaftswissenschaft gibt es eine umfassende Diskussion darüber, wobei weitgehend theoretisch-normativ argumentiert wird. Dabei sind institutionelle Harmonisierung oder institutioneller Wettbewerb durchaus kein neues Phänomen. Schon im 19. Jahrhundert standen die Staaten in Europa und weltweit im institutionellen Wettbewerb. Es werden die Ursachen, die wirtschaftlichen Wirkungen und die politischen Raktionen untersucht und nach den Möglichkeiten gefragt, die Ergebnisse für die Analyse der heutigen Verhältnisse fruchtbar zu machen.

Neue Institutionenökonomik

Die Neue Institutionenökonomik ist zwar ein methodischer Ansatz und insofern kein originäres Forschungsfeld für einen Wirtschaftshistoriker, zumindest nicht für den, der nicht explizit theoretisch arbeitet. Bei der Anwendung dieses Ansatzes auf wirtschaftshistorische Zusammenhänge ergeben sich aber vielfältige Fragen und Probleme, die kritisch analysiert werden müssen um festzustellen, ob dieser Ansatz ausreichend präzise operationalisiert werden kann, um für die wirtschaftsgeschichtliche Forschung Erkenntnisgewinn zu bringen. Insofern kann die Wirtschaftshistoriographie aus der Praxis ihrer Forschung durchaus Anregungen für eine Weiterentwicklung des theoretischen Gebäudes geben.