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Forschungsschwerpunkte

  • Europäische Integrationsprozesse
  • Geschichte der internationalen Beziehungen
  • Kommunikations- und Rundfunkgeschichte
  • Anwendung sozialwissenschaftlicher Theorien und Modelle in der Geschichtswissenschaft

Laufende Forschungsprojekte

Historical Fundaments of the Mobile Society: Path (Inter-) Dependencies in Traffic Information Systems

The modern Europeans are mobile: They use their mobile phones, drive their cars flexibly across Europe and communicate whenever and wherever it is necessary or possible. Using cars has made European societies mobile since the 1960s, but, at the same time, the mobile Europeans are experiencing their immobility every day when they get stuck in one oft the countless traffic jams. To eliminate immobilities on infrastructures for mobility is a major scientific and societal challenge since then.

This project aims at discovering unknown operating conditions of the mobile society by focusing on path (inter-) dependencies in the mobile societies' origins. Traffic information systems offer an excellent opportunity to analyze the appearance of the mobile society, because automobility is a way of life which has redefined 'movement' in the history of mankind. They are a symbol of the mobile societies' tensions between mobility and immobility. Nevertheless, traffic information systems such as traffic radio are a topic that must be classified as a desideratum of social sciences, media sciences and historical research. This is remarkable, considering the important role of traffic information systems for the modern mass mobile society.

A set of interrelated questions guides the project: How does the mobile society work? How can we explain mobilities and immobilities on the mobile societies' road networks? How are sociotechnical systems for a mass mobile society planned, designed and implemented? How do different technical, institutional and medial components match each other? Using a novel model of path (inter-) dependencies, which for the first time interrelates technical, institutional and medial paths, will enable us to understand the underlying logics of the mobile society.

(DFG gefördert)

 

Standardisierungskultur der Telekommunikation im Spannungsfeld der digitalen und neoliberalen 'Doppelrevolution' seit den 1980ern

SFB Medien der Kooperation 

Soziale und technische Kooperation(-spraktiken) bilden ein zentrales Charakteristikum technischer Medien. Dies soll in den Blick genommen werden am Beispiel der Standardisierung von Infrastrukturen der Telekommunikation, insbesondere am Beispiel der ISDN-Standardisierung seit Mitte der 1970er Jahre.Im Zentrum steht die Frage nach den Interdependenzen zwischen der Technikentwicklung und den institutionellen Wandlungsprozessen während der Phase der digitalen und neoliberalen 'Doppelrevolution' (Digitalisierung der Technik und Liberalisierung der Märkte) seit den 1980er Jahren. In den Vordergrund gerückt wird der Einfluss einer seit dem 19. Jahrhundert gewachsenen Standardisierungskultur auf die Doppelrevolution. Mit dem Begriff der Standardisierungskultur soll erfasst werden, wie Standards durch die beteiligten Akteure ausgehandelt und entschieden werden. Es wird von der Hypothese ausgegange, dass die etablierte Standardisierungskultur die Phase der 'Doppelrevolution' aufgrund pfadabhängiger Entwicklungen entscheidend mitgeprägt hat. In diesem Kontext ist danach zu fragen, inwiefern die alte Standardisierungskultur innerhalb neuer institutioneller und organisatorischer Strukturen sowie innerhalb der digitalen Technik fortlebte und demzufolge Medienpraktiken digitaler Kooperationsmedien geprägt sind von konsolidierten Medienpraktiken aus der Ära der analogen Technik. Vollzog sich überhaupt eine 'Doppel-revolution' oder muss das gängige eines radikalen Bruchs grundsätzlich kritisch hinterfragt werden? 

SFB Medien der Kooperation

 

Infrastrukturen, infrastrukturelle Zusammenarbeit und die Kontinuität in der europäischen Integration: Der europäische Post und Fernmeldeverein (1942-1944)

AFN-DFG (deutsch-französisches Kooperationsprojekt der Universitäten Siegen, Düsseldorf und Paris-Sorbonne)

Die historische Forschung geht bisher von der These aus, dass der Zweite Weltkrieg in der Geschichte der europäischen Integration eine Zäsur darstellt. Wenngleich der europäische Integrationsprozess immer öfter in kontinuierliche Entwicklungen seit dem 19. Jahrhundert eingebettet wird, verbleibt der Krieg im Narrativ der Forschung eine Zäsur. Dies möchte das vorliegende Projekt kritisch hinterfragen, indem es die Zusammenarbeit der europäischen Staaten bei der Regulierung grenzüberschreitender Infrastrukturnetze während des Zweiten Weltkriegs untersucht und in die langfristigen Entwicklungen einbettet. Besonderes Augenmerk wird dabei auf den Europäischen Post und Fernmeldeverein gelegt. Diese 1942 auf eine deutsch-italienische Initiative hin gegründete internationale Organisation mit breiter europäischer Mitgliederbasis arbeitete nicht nur zwei Jahre recht stabil, sondern wies vielfältigen Kontinuitäten zu Entwicklungen vor 1939 und nach 1945 auf. Die deutsch-französischen Beziehungen spielten in diesem Kontext eine Schlüsselrolle, weil sich das Wechselspiel von Kooperation, Kollaboration und Konkurrenz zwischen beiden Staaten als ein entscheidender Motor der einzelnen Integrationsschritte erwies. In drei interdependente Arbeitsbereiche untergliedert – (1) der Europäische Post und Fernmeldeverein im Krieg, (2) die Kontinuitäten, Diskontinuitäten und Zäsuren im Bereich Post und Fernmeldewesen und (3) der Vergleich mit anderen Infrastruktursektoren – vermag das deutsch-französische Projekt zu einer partiellen Neubewertung des europäischen Integrationsprozesses und der deutsch-französischen Beziehungen beizutragen.

EUROPTT Blog

 

Abgeschlossene Forschungsprojekte

Die Schaffung und Genese transnationaler Kommunikationsräume in Europa durch die Zirkulation von Fernsehprogrammen seit den 1960er Jahren in Ost/West-Perspektive

Das systematische Ziel des Projektes besteht darin, die Schaffung und Genese transnationaler europäischer Kommunikationsräume in Ost/West-Perspektive während des Kalten Krieges und der postsozialistischen Phase zu rekonstruieren. Es sollen Kommunikationsräume ermittelt und darüber hinausgehend Faktoren herausgearbeitet werden, die sich begünstigend wie hemmend auf die Zirkulation von Fernsehprogrammen auswirkten. Dazu soll untersucht werden, welche Fernsehprogramme in welchem Umfang zwischen den Ländern Ost- und Westeuropas gehandelt wurden, aufgrund technologischer Voraussetzungen überhaupt gehandelt werden konnten und welche kulturellen wie filmtechnischen Faktoren den Programmhandel beeinflussten. In methodischer Hinsicht besteht der generelle Zugriff in einer Dreibenenanalyse aus institutioneller, technischer und symbolischer Ebene. Indem die Schaffung und Genese transnationaler Kommunikationsräume zwischen Ost- und Westeuropa durch das Massenmedium Fernsehen untersucht wird, trägt das Projekt auch zu den Debatten um europäische Identität und transnationale Öffentlichkeiten bei.

 

Die Integration von Infrastrukturen in Europa vor dem Ersten und nach dem Zweiten Weltkrieg im Vergleich

Das übergeordnete Ziel des von mir mitgeleiteten Projektes besteht darin, die Gemeinsamkeiten und/oder Unterschiede der Integration von Infrastrukturen in Europa in den Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg mit der in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die 1970er herauszuarbeiten. Auf der Basis einer vergleichenden Analyse sollen spezifische Typologien von Infrastrukturintegration abstrahiert werden, die im Idealfall in einem Modell der Integration von Infrastrukturen münden. Das Projekt vergleicht daher in fünf Teilprojekten diachron-epochal und synchron-sektoral die Integration von Infrastrukturen im Verkehrswesen (Eisenbahn und Binnenschifffahrt) und im Nachrichtenwesen (Post, Telekommunikation und Funk). Am Forschungsprojekt beteiligt sind das Institut für Europäische Regionalforschungen (IFER) der Universität Siegen, der Lehrstuhls für Europawissenschaften der Universität Kassel und das Zentrum für Technik und Gesellschaft (ZTG) der TU Berlin. Das Projekt läuft seit September 2008. Eine ausführliche Projektbeschreibung finden Sie hier

 

Transmitting and Receiving Europe: The European broadcasting space as a legal regime

Das Forschungsprojekt ist ein Bestandteil eines europäischen Forschungsverbundes zum Thema ‚Transmitting and Receiving Europe’ aus dem Eurocores Schwerpunktprogramm ‚Inventing Europe’. Aus der Perspektive unterschiedlicher Disziplinen problematisiert das Verbundprojekt Europa als einen Kommunikationsraum, innerhalb dessen im 20. Jahrhundert unterschiedliche Vorstellungen und Konzeptionen von Europa als politischer und kultureller Einheit gehandelt wurden. Das übergeordnete Ziel besteht darin, die Frage nach der Bedeutung des Rundfunks für die unterschiedlichen ‚Erfindungen Europas’ als eine integrierte und/oder fragmentierte politische, kulturelle und wirtschaftliche Einheit zu beantworten. Das Teilprojekt ‚The European broadcasting space as a legal regime’ trägt zum übergeordneten Ziel des Netzwerkprojekts bei, indem es analysiert, inwieweit gesetzliche Regelungen und Abkommen die mediale Konstruktion europäischer Kommunikationsräume beeinflussten. Projektlaufzeit: 2007 - 2010. Eine ausführliche Projektbeschreibung finden Sie hier

 

Habilitationsprojekt: Gescheiterte Integration im Vergleich: Der Verkehr - ein Problemsektor gemeinsamer Rechtsetzung im Deutschen Reich (1871-1879) und der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (1958-1972)

Ausgehend von der Beobachtung, dass mit dem Deutschen Reich und der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft zwei vergleichbare politische Systeme geschaffen wurden, soll in untersucht werden, warum in beiden Fällen jeweils der frühen Phase gemeinsamer Rechtsetzung die Verabschiedung einer gemeinsamen Verkehrspolitik scheiterte. Welches waren die jeweiligen Ursachen? Waren diese struktureller, inhaltlicher oder prozessualer Art? Sind die Schwierigkeiten bei der Politikformulierung auf vergleichbare oder unterschiedliche Ursachen zurückzuführen?

Die Arbeit verfolgt nicht das primäre Ziel, die politischen Strukturen des Deutschen Reiches mit denjenigen der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft zu vergleichen, da diese Vergleichbarkeit vorausgesetzt wird. Vielmehr sollen die Ursachen für das Scheitern gemeinsamer Politiken bzw. gemeinsamer Rechtsetzung in vergleichbaren, sich formierenden politischen Systemen bei ähnlichen politischen Inhalten durch eine komparative Analyse herausgefiltert werden.

Diese Arbeit versteht sich als ein Beitrag zu drei Forschungsfeldern: der politikwissenschaftlichen vergleichenden EU-Forschung, der historischen Integrationsforschung und der historischen Forschung zum Bismarckreich. Eine Besonderheit besteht darin, dass sich diese Arbeit mit gescheiterter Politikintegration und nicht mit – wie so oft üblich – Erfolgsgeschichten gelungener beschäftigt. Dies ist auch mit Blick auf eine Generalisierung der Ergebnisse nicht uninteressant, bietet diese Arbeit doch die Möglichkeit, der Gefahr einer zu einseitigen Fixierung auf Erfolgsfälle der ‚internationalen’ Politik entgegen zu steuern.

 

Disserrationsprojekt: Die Internationale Telekommunikations Union (ITU) als Regulierungsorganisation globaler Kommunikationsströme.

Fernsehen via Satellit, die Börsendaten aus New York, Webcam-Bilder vom Polarkreis oder der Urlaubsgruß übers Handy - der internationale Telekommunikationsverkehr gehört längst zum alltäglichen Standard der modernen Informationsgesellschaft, etabliert und garantiert durch die ITU. Sie ist der organisatorische Rahmen, innerhalb dessen nationale Kommunikationsverwaltungen international kooperieren, Standards setzen, Funkfrequenzen unter sich aufteilen, technische Innovationen etablieren und damit letztlich Wirtschaften sowie Gesellschaften "globalisieren" und integrieren. Mit Hilfe des institutionenökonomischen Analyseinstrumentariums wird im Rahmen des Projekts untersucht, welche Rolle die ITU für den Aufbau und die Regulierung der globalen Telekommunikation spielte, aber auch welche Rollen nationale Fernmeldeautoritäten, privatrechtliche Unternehmen und andere internationale Organisationen - insbesondere die CEPT - hierbei spielten. Konzentrationen erfolgen in geografischer Hinsicht auf Europa, wo die nationalen Perspektiven Deutschlands, Schwedens und Großbritanniens herausgestellt werden und in zeitlicher Hinsicht auf 1945 bis 1988, ohne dabei jedoch andere Regionen oder längerfristige Entwicklungen außenvor zu lassen.

 

Integrieren durch Regieren: Funktionsweisen und Wandel des Föderalismus im Deutschen Reich 1871-1914

Die Verfassung von 1871 hatte mit dem Deutschen Reich ein eher loses föderales Gebilde geschaffen, das sich bis 1914 in einen integrierten föderalen Staat wandelte. Diesen Wandel zeichnet das Projekt nach, indem die politischen Strukturen und Prozesse zwischen 1871 und 1914 untersucht werden. Anhand der Finanz-, Sozial- und Verbraucherschutzpolitik soll herausgearbeitet werden, auf welche Weise das föderale System funktionierte und wie es sich veränderte. Die übergreifende Frage nach der Funktionsweise des Föderalismus beinhaltet die nach der Gestaltung und dem Wandel der politischen Steuerungs- und Koordinationsformen, insbesondere die nach dem Zusammenspiel der unterschiedlichen föderalen Ebenen. Obgleich die verfassungsrechtlich vorgegebenen Organe, insbesondere der Bundesrat, einen wichtigen Platz im föderalen System einnahmen, soll das Projekt dieses System weniger aus einer starren und statischen, staatszentrierten und hierarchischen Perspektive heraus analysieren, sondern mehr aus einer flexiblen und dynamischen, zivilgesellschaftlichen und kooperativen.