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Katalog der UB Siegen

Forschungsschwerpunkte

  • Europäische Integrationsprozesse
  • Geschichte der internationalen Beziehungen
  • Kommunikations- und Rundfunkgeschichte
  • Anwendung sozialwissenschaftlicher Theorien und Modelle in der Geschichtswissenschaft

Laufende Forschungsprojekte

Integrieren durch Regieren: Funktionsweisen und Wandel des Föderalismus im Deutschen Reich 1871-1914

Die Verfassung von 1871 hatte mit dem Deutschen Reich ein eher loses föderales Gebilde geschaffen, das sich bis 1914 in einen integrierten föderalen Staat wandelte. Diesen Wandel zeichnet das Projekt nach, indem die politischen Strukturen und Prozesse zwischen 1871 und 1914 untersucht werden. Anhand der Finanz-, Sozial- und Verbraucherschutzpolitik soll herausgearbeitet werden, auf welche Weise das föderale System funktionierte und wie es sich veränderte. Die übergreifende Frage nach der Funktionsweise des Föderalismus beinhaltet die nach der Gestaltung und dem Wandel der politischen Steuerungs- und Koordinationsformen, insbesondere die nach dem Zusammenspiel der unterschiedlichen föderalen Ebenen. Obgleich die verfassungsrechtlich vorgegebenen Organe, insbesondere der Bundesrat, einen wichtigen Platz im föderalen System einnahmen, soll das Projekt dieses System weniger aus einer starren und statischen, staatszentrierten und hierarchischen Perspektive heraus analysieren, sondern mehr aus einer flexiblen und dynamischen, zivilgesellschaftlichen und kooperativen.

Die Schaffung und Genese transnationaler Kommunikationsräume in Europa durch die Zirkulation von Fernsehprogrammen seit den 1960er Jahren in Ost/West-Perspektive
Das systematische Ziel des Projektes besteht darin, die Schaffung und Genese transnationaler europäischer Kommunikationsräume in Ost/West-Perspektive während des Kalten Krieges und der postsozialistischen Phase zu rekonstruieren. Es sollen Kommunikationsräume ermittelt und darüber hinausgehend Faktoren herausgearbeitet werden, die sich begünstigend wie hemmend auf die Zirkulation von Fernsehprogrammen auswirkten. Dazu soll untersucht werden, welche Fernsehprogramme in welchem Umfang zwischen den Ländern Ost- und Westeuropas gehandelt wurden, aufgrund technologischer Voraussetzungen überhaupt gehandelt werden konnten und welche kulturellen wie filmtechnischen Faktoren den Programmhandel beeinflussten. In methodischer Hinsicht besteht der generelle Zugriff in einer Dreibenenanalyse aus institutioneller, technischer und symbolischer Ebene. Indem die Schaffung und Genese transnationaler Kommunikationsräume zwischen Ost- und Westeuropa durch das Massenmedium Fernsehen untersucht wird, trägt das Projekt auch zu den Debatten um europäische Identität und transnationale Öffentlichkeiten bei.

Die Integration von Infrastrukturen in Europa vor dem Ersten und nach dem Zweiten Weltkrieg im Vergleich
Das übergeordnete Ziel des von mir mitgeleiteten Projektes besteht darin, die Gemeinsamkeiten und/oder Unterschiede der Integration von Infrastrukturen in Europa in den Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg mit der in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die 1970er herauszuarbeiten. Auf der Basis einer vergleichenden Analyse sollen spezifische Typologien von Infrastrukturintegration abstrahiert werden, die im Idealfall in einem Modell der Integration von Infrastrukturen münden. Das Projekt vergleicht daher in fünf Teilprojekten diachron-epochal und synchron-sektoral die Integration von Infrastrukturen im Verkehrswesen (Eisenbahn und Binnenschifffahrt) und im Nachrichtenwesen (Post, Telekommunikation und Funk). Am Forschungsprojekt beteiligt sind das Institut für Europäische Regionalforschungen (IFER) der Universität Siegen, der Lehrstuhls für Europawissenschaften der Universität Kassel und das Zentrum für Technik und Gesellschaft (ZTG) der TU Berlin. Das Projekt läuft seit September 2008. Eine ausführliche Projektbeschreibung finden Sie hier

Abgeschlossene Forschungsprojekte


Transmitting and Receiving Europe: The European broadcasting space as a legal regime
Das Forschungsprojekt ist ein Bestandteil eines europäischen Forschungsverbundes zum Thema ‚Transmitting and Receiving Europe’ aus dem Eurocores Schwerpunktprogramm ‚Inventing Europe’. Aus der Perspektive unterschiedlicher Disziplinen problematisiert das Verbundprojekt Europa als einen Kommunikationsraum, innerhalb dessen im 20. Jahrhundert unterschiedliche Vorstellungen und Konzeptionen von Europa als politischer und kultureller Einheit gehandelt wurden. Das übergeordnete Ziel besteht darin, die Frage nach der Bedeutung des Rundfunks für die unterschiedlichen ‚Erfindungen Europas’ als eine integrierte und/oder fragmentierte politische, kulturelle und wirtschaftliche Einheit zu beantworten. Das Teilprojekt ‚The European broadcasting space as a legal regime’ trägt zum übergeordneten Ziel des Netzwerkprojekts bei, indem es analysiert, inwieweit gesetzliche Regelungen und Abkommen die mediale Konstruktion europäischer Kommunikationsräume beeinflussten. Projektlaufzeit: 2007 - 2010. Eine ausführliche Projektbeschreibung finden Sie hier

Habilitationsprojekt: Gescheiterte Integration im Vergleich: Der Verkehr - ein Problemsektor gemeinsamer Rechtsetzung im Deutschen Reich (1871-1879) und der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (1958-1972)
Ausgehend von der Beobachtung, dass mit dem Deutschen Reich und der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft zwei vergleichbare politische Systeme geschaffen wurden, soll in untersucht werden, warum in beiden Fällen jeweils der frühen Phase gemeinsamer Rechtsetzung die Verabschiedung einer gemeinsamen Verkehrspolitik scheiterte. Welches waren die jeweiligen Ursachen? Waren diese struktureller, inhaltlicher oder prozessualer Art? Sind die Schwierigkeiten bei der Politikformulierung auf vergleichbare oder unterschiedliche Ursachen zurückzuführen?

Die Arbeit verfolgt nicht das primäre Ziel, die politischen Strukturen des Deutschen Reiches mit denjenigen der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft zu vergleichen, da diese Vergleichbarkeit vorausgesetzt wird. Vielmehr sollen die Ursachen für das Scheitern gemeinsamer Politiken bzw. gemeinsamer Rechtsetzung in vergleichbaren, sich formierenden politischen Systemen bei ähnlichen politischen Inhalten durch eine komparative Analyse herausgefiltert werden.

Diese Arbeit versteht sich als ein Beitrag zu drei Forschungsfeldern: der politikwissenschaftlichen vergleichenden EU-Forschung, der historischen Integrationsforschung und der historischen Forschung zum Bismarckreich. Eine Besonderheit besteht darin, dass sich diese Arbeit mit gescheiterter Politikintegration und nicht mit – wie so oft üblich – Erfolgsgeschichten gelungener beschäftigt. Dies ist auch mit Blick auf eine Generalisierung der Ergebnisse nicht uninteressant, bietet diese Arbeit doch die Möglichkeit, der Gefahr einer zu einseitigen Fixierung auf Erfolgsfälle der ‚internationalen’ Politik entgegen zu steuern.

Disserrationsprojekt: Die Internationale Telekommunikations Union (ITU) als Regulierungsorganisation globaler Kommunikationsströme. Fernsehen via Satellit, die Börsendaten aus New York, Webcam-Bilder vom Polarkreis oder der Urlaubsgruß übers Handy - der internationale Telekommunikationsverkehr gehört längst zum alltäglichen Standard der modernen Informationsgesellschaft, etabliert und garantiert durch die ITU. Sie ist der organisatorische Rahmen, innerhalb dessen nationale Kommunikationsverwaltungen international kooperieren, Standards setzen, Funkfrequenzen unter sich aufteilen, technische Innovationen etablieren und damit letztlich Wirtschaften sowie Gesellschaften "globalisieren" und integrieren. Mit Hilfe des institutionenökonomischen Analyseinstrumentariums wird im Rahmen des Projekts untersucht, welche Rolle die ITU für den Aufbau und die Regulierung der globalen Telekommunikation spielte, aber auch welche Rollen nationale Fernmeldeautoritäten, privatrechtliche Unternehmen und andere internationale Organisationen - insbesondere die CEPT - hierbei spielten. Konzentrationen erfolgen in geografischer Hinsicht auf Europa, wo die nationalen Perspektiven Deutschlands, Schwedens und Großbritanniens herausgestellt werden und in zeitlicher Hinsicht auf 1945 bis 1988, ohne dabei jedoch andere Regionen oder längerfristige Entwicklungen außenvor zu lassen.