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    2.3 Vespasian heilt in Alexandria

    2.3 Vespasian heilt in Alexandria

    Über dieses Ereignis liegen drei antike Berichte vor. Die beiden ältesten sind hier zitiert.

    a) Tacitus, Historiarum Libri IV 81

    Per eos mensis quibus Vespasianus Alexandriae statos aestivis flatibus dies et certa maris opperiebatur, multa miracula evenere, quis caelestis favor et quaedam in Vespasianum inclinatio numinum ostenderetur. e plebe Alexandrina quidam oculorum tabe notus genua eius advolvitur, remedium caecitatis exposcens gemitu, monitu Serapidis dei, quem dedita superstitionibus gens ante alios colit; precabaturque principem ut genas et oculorum orbis dignaretur respergere oris excremento. alius manum aeger eodem deo auctore ut pede ac vestigio Caesaris calcaretur orabat. Vespasianus primo inridere, aspernari; atque illis instantibus modo famam vanitatis metuere, modo obsecratione ipsorum et vocibus adulantium in spem induci: postremo aestimari a medicis iubet an talis caecitas ac debilitas ope humana superabiles forent. medici varie disserere: huic non exesam vim luminis et redituram si pellerentur obstantia; illi elapsos in pravum artus, si salubris vis adhibeatur, posse integrari. id fortasse cordi deis et divino ministerio principem electum; denique patrati remedii gloriam penes Caesarem, inriti ludibrium penes miseros fore. igitur Vespasianus cuncta fortunae suae patere ratus nec quicquam ultra incredibile, laeto ipse vultu, erecta quae adstabat multitudine, iussa exequitur. statim conversa ad usum manus, ac caeco reluxit dies. utrumque qui interfuere nunc quoque memorant, postquam nullum mendacio pretium.
    Quelle: C. D. Fischer (Hrsg.): Cornelii Taciti Historiarum Libri, Oxford 1911, 224f.

    b) Sueton, De Vita Caesarum, Titus Flavius Vespasianus 7

    Auctoritas et quasi maiestas quaedam ut scilicet inopinato et adhuc nouo principi deerat; haec quoque accessit. e plebe quidam luminibus orbatus, item alius debili crure sedentem pro tribunali pariter adierunt orantes opem ualitudini demonstratam a Serapide per quietem: restituturum oculos, si inspuisset; confirmaturum crus, si dignaretur calce contingere. cum uix fides esset ullo modo rem successuram ideoque ne experiri quidem auderet, extremo hortantibus amicis palam pro contione utrumque temptauit, nec euentus defuit.
    Quelle: M. Ihm (Hrsg.), C. Suetoni Tranquilli, Opera, vol. I, De Vita Caesarum, Libri VIII, Stuttgart 1908, 300


    a) Tacitus, Historien IV 81

    Während der Monate, wo Vespasian zu Alexandria auf die zu bestimmten Tagen im Sommer wehenden Winde und auf sichere Meerfahrt wartete, ereignete sich viel Wunderbares, wodurch des Himmels Gunst und eine gewisse Zuneigung der Götter für Vespasian sich zu erkennen gab. Ein Mann aus dem gemeinen Volke in Alexandria, allen als erblindet bekannt, wälzte sich zu seinen Knieen hin, indem er jammernd Heilung von seiner Blindheit forderte, wie der Gott Serapis ihn geheißen, welchen das dem Aberglauben ergebene Volk vor anderen verehrt, und flehte, und flehte den Fürsten an, er möge ihm die Wangen und den Rand der Augen mit dem Auswurf seines Mundes zu bestreichen würdigen. Ein andrer, dem die Hand gelähmt war, bat auf Befehl desselben Gottes hin, daß der Kaiser mit dem Fuße darauf treten möchte. Vespasian verlachte sie anfangs0 und wies sie zurück. Als sie nun in ihn drangen, fürchtete er bald den Ruf von der Vergeblichkeit des Unternehmens, bald ließ er sich durch das Flehen der Leute selbst und durch die Reden der Schmeichler zur Hoffnung bewegen. Endlich ließ er von Aerzten ein Gutachten darüber geben, ob solche Blindheit und Lähmung durch Menschenhilfe überwindbar sei. Die Aerzte sprachen in vieldeutiger Weise, es sei dem einen die Sehkraft noch nicht ganz verzehrt, und sie dürfte wiederkehren, wenn nur das erst hinweggeschafft sei, was sie behinderte; dem andern seien nur die Gelenke verrenkt und könnten, würde Heilkraft angewandt, wohl wieder eingerichtet werden. Dies liege nun vielleicht im Wunsche der Götter, und es sei so der Fürst zu des Himmels Werkzeug erkoren. Endlich würde doch, gelänge die Kur, der Ruhm auf den Kaiser, mißlinge sie, der Spott nur auf die Unglücklichen fallen. So vollzieht denn Vespasian in dem Glauben, es sei seinem Glücke alles möglich, und es gebe nichts mehr, was man demselben nicht zutrauen dürfte, mit freudiger Miene, während die Menge gespannt um ihn her stand, das von ihm Verlangte. Augenblicklich wurde die Hand wieder brauchbar, und auch dem Blinden erschien das Tageslicht von neuem. Beides erzählen Augenzeugen auch noch jetzt, wo doch mit der Erdichtung nichts mehr zu gewinnen ist.
    Quelle: nach: Cornelius Tacitus' Werke 2, mit einer Einleitung und nach der Übersetzung von Wilhelm Bötticher (Collection Spemann) Stuttgart o.J., 218f.

    b) Sueton, Titus Flavius Vespasianuns 7

    Noch fehlte ihm [gemeint ist Vespasian], als einem wider alles Erwarten auf den Thron gekommenen und zur Stunde noch neuen Fürsten, die Majestät, welche durch göttliches Zeugnis verliehen wird; auch diese ward ihm zuteil. Zwei Menschen aus dem geringen Volke, ein Blinder und ein an Lahmheit leidender, traten an ihn heran, als er auf dem Tribunal saß, und flehten ihn um Heilung an, die ihnen vom Serapis in einem Traumgesichte mit den Worten verheißen sei: er (Vespasian) werde dem Blinden das Augenlicht wiedergeben, wenn er die Augen mit seinem Speichel benetzen, und dem Lahmen das Bein heilen, wenn er so gnädig sein wolle, es mit seiner Verse zu berühren. Obschon er nun kaum daran glaubte, daß die Sache irgendeinen Erfolge haben werde, und deshalb sich nicht entschließen konnte, auch nur den Versuch zu wagen, so ließ er sich doch endlich von seinen Freunden erbitten und versuchte beides inmitten der öffentlichen Versammlung, und siehe, der Erfolg fehlte nicht.
    Quelle: nach: Sueton, Die zwölf Cäsaren, übersetzt von Adolf Stahr (Klassiker des Altertums. Erste Reihe, Bd. 12) München/Leipzig 1912, 487.

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