Four Weeks - Drei Künstler, vier Wochen, eine Ausstellung
Vier Wochen lang könnt ihr die Kunstwerke von Lea Eisele, Maren Sperber und Stefan Krüger in ihrer Ausstellung "Four Weeks" bewundern. Johannes Herbst war bei der Eröffnung dabei.
Vergangenen Freitag in der Siegstr. 24 in Weidenau, kurz
nach 18 Uhr: Das Vibrieren des angeschlagenen Sektglases klirrt durch den
kargen, gekachelten Raum der Galerie four weeks. Die Unterhaltungen der
rund 40 Gäste, die sich an ihren leise prickelnden Gläsern festhalten,
verstummen. „Das hat ja schon mal geklappt.“, beginnt Stefan Krüger die erste
Galerieeröffnungsrede seines Lebens. Der LKM-Student und seine Kommilitoninnen
Lea Eisele und Maren Sperber, beide studieren Kunst an der Uni, haben selbständig
und aus eigenem Antrieb diese vierwöchige Ausstellung auf die Beine gestellt.
Unabhängig von sämtlichen universitären Institutionen, wie Stefan Krüger selbst
betont.
Nicht nur für den Initiator des Aben ds ist die Galerieeröffnung eine Premiere, auch der Veranstaltungsraum selbst kam noch nie in den Genuss einer Vernissage. Wenn man durch die großen Glasfenster, bzw. an den mächtigen Bannern vorbei in den Innenraum späht, erinnert das sterile Weiß an den Wänden und die verblichenen Kacheln am Boden eher an alte Metzgereien und stillgelegte Schlachträume. Beim Eintreten fällt der Blick zunächst auf das DJ-Pult auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes. Sowohl an dem Tisch selbst als auch an der Wand dahinter, staffeln sich skizzenhafte Zeichnungen einer wiederkehrenden Pistole. Die jeweils mit schwarzen Pinselstrichen auf weißes Din-A4-Papier gezogen ist. Alle in einem erkennbar gleichen Stil gezeichnet, doch keine gleicht den anderen. Das Einzige was den Blick auf das DJ-Pult verstellt, ist eine lampenähnliche Konstruktion, die von der Decke hängt. Leicht oval und mit einer Art strukturiertem Woll-Fell überzogen. Das Licht ist in dem gesamten Raum eher akzent-orientiert. Die großen Scheiben, an denen nur die schlicht bedruckten, weißen Banner hängen, lassen viel Licht in den Raum. Ansonsten sorgen Baustellenstrahler vor oder hinter bestimmten Bildern und Ausstellungsstücken für die richtige Lichtsetzung.
So zum Beispiel das zentral platzierte Werk „NONONO“. Ein
Laptop mit dem berühmten Kernobstemblem, auf dessen schwarzen Bildschirm zwei
Cola-Dosen der Originalmarke nebeneinander fixiert sind.
Auf der vermeintlichen
Tastatur ist ein Kressebeet angelegt. Die Kresse allerdings schon verwelkt. Der
Künstler: Stefan Krüger, dessen Arbeiten häufig auf vorhandenen Alltagsgegenständen
wie Zeitschriftencover, Poster oder leeren Flaschen aufbauen. Banausenhafte
Aussagen wie „Ist das Kunst oder kann das ins Altglas?“ nicht ausgeschlossen.
Aber mit flüchtig in Seminaren aufgeschnapptem Halbwissen, könnte man bei
diesem Künstler auch einen dekonstruktivistischen PopStreet-Art-Einfluss hinein
interpretieren. Neben seinen Installationen findet vor allem der abstrakt
gezeichnete Revolver immer wieder in diversen Größen und auf verschieden
Hintergründen seinen Platz.
Lea Eiserle hat ebenfalls nicht nur Gemälde ausgestellt, sondern präsentiert auch einige ihrer Skulpturen. Die im Raum verteilten Kunstwerke sind meist mit einem flauschigen Fell überzogen und vereinzelt quellen geschwulstartige, fleischfarbene Blasen aus dem Fellknäul. Auch ihre Gemälde zeigen viel Fleisch. Entblößte Frauenkörper, die sich selbst in der Mitte zerreißen, nur ihre Rückansicht preisgeben oder den Zuschauer mit einem gesichtslosen Kopf entgegenstarren. Die gekachelte Wand reduziert die nackten Körper noch stärker auf ihre fleischige Seite.
Maren Sperber hingegen stellt hauptsächlich Fotografien aus. Auf den klar angeordneten Bildern sind verwinkelte Architekturen in schwarz-weiß abgebildet. In einer Nische im hinteren Teil der Galerie finden sich vier Fotos der Künstlerin. Drei kleinere senkrecht angeordnet und ein Größeres daneben, die bei längerer Betrachtung das Gefühl vermitteln, in einen Abgrund zu stürzen oder durch einen Tunnel zu rauschen. Daneben noch zwei Gemälde von Maren Sperber, die wieder eine gewisse geometrische Struktur besitzen. Diese verstärkt ein gelber Bindfaden verstärkt, der mehrfach Linien über das Bild zieht.
Weitere Farbkleckse an diesem Abend: das bunt gemischte
Publikum. Ob im klassischen Anzug, mit selbst bemalten Jutebeuteln oder nur in T-Shirt
und Jeans. Alterskategorien braucht man erst gar nicht zu eröffnen. Accessoire
der meisten Besucher sind Kamera und
Handy, die auf die ausgestellten Stücke blitzten. Die Veranstalter selbst scheinen
in angenehmen Stress zu stecken. Neben den sanften Elektroklängen des DJs raunen
vereinzelte Gesprächsgruppen durch den Raum. Krüger hatte in seiner
Eröffnungsrede dazu eingeladen, mit Leuten ins Gespräch zu kommen, mit denen
man sonst nur wenige Berührungspunkte im Alltag hat. Eine angenehme und
durchaus offene Atmosphäre, die auch durch die vorzügliche Bewirtung getragen
wurde. In der nächsten Zeit wird es vier regelmäßige Öffnungstermine in der Woche
geben, an zwei weiteren kann nach Vereinbarung die Kunst der drei betrachtet
werden.
Ohne große Vorahnungen und auf eigenes Risiko haben die StudentInnen eine wirklich runde Ausstellungseröffnung hingelegt. Oder mit den Worten des Pistolero-Künstlers Krüger: „Das hat ja schon mal geklappt.“
von Johannes Herbst
Fotos: Minou Wallesch
Termine und Bilder Galerie four weeks :
http://fourweeksonline.tumblr.com/
https://www.facebook.com/Fourweeks?ref=hl
Das Interview mit den KünstlerInnen.
Kritik, Lob, Anmerkungen, Vorschläge? Schreib uns einfach per Mail oder Facebook!

