..
Suche
Hinweise zum Einsatz der Google Suche
Personensuchezur unisono Personensuche
Veranstaltungssuchezur unisono Veranstaltungssuche
Katalog plus

Buch des Monats Juni

2012_juni Frida Nilsson. Ich, Gorilla und der Affenstern. Ill. von Ulf K. A.d.  Schwedischen von Friederike Buchinger. Gerstenberg 2010. 165 Seiten. 12,95 €.

„Als ich neun Jahre alt war, wurde ich von einem Gorilla adoptiert. Ich hatte niemanden darum gebeten, aber passiert ist es trotzdem. Es war an einem Tag im September.“

Mit diesen Sätzen beginnt der Kinderroman Ich, Gorilla und der Affenstern der schwedischen Autorin Frida Nilsson, der für den Deutschen Jugendliteraturpreis in der Sparte Kinderbuch 2011 nominiert wurde.

Im Mittelpunkt steht das Mädchen Jonna, das seit ihrer Geburt in dem Kinderheim Rainfarm aufwächst und sich nichts sehnlicher wünscht als eine Familie. Doch niemand möchte sie haben. Erst ein Gorilla adoptiert sie, was Jonna jedoch nicht freut. Der Gorilla lebt auf einem Schrottplatz, liebt Bücher, zieht sich unmöglich an und irgendwie hat sich Jonna ein anderes Familienleben gewünscht. Doch nach und nach freunden sich beide Außenseiter an. Als Jonna dann feststellt, dass Gorilla den Schrottplatz aufgeben soll, vom Bürgermeister der Stadt erpresst wird und sie wieder ins Kinderheim soll, erkennt sie, was Liebe und Freundschaft tatsächlich bedeuten.

Es ist fast unmöglich, diesen Roman nachzuerzählen, der auf knapp 165 eine Geschichte entfaltet, die sehr viel zum Nachdenken und Diskutieren enthält und mehr als nur einmal gelesen werden sollte. Die Zeichnungen von Ulf K. unterstreichen und ergänzen wunderbar den Inhalt der Geschichte. Auch die Übersetzung von Friederike Buchinger trifft den richtigen Ton und ermöglicht uns, den spannenden, mitunter skurrilen und komischen Text im Deutschen zu lesen.

Positiv hervorzuheben ist zunächst die Langsamkeit, mit der Nilsson ihre Geschichte entfaltet. Sie lässt Jonna und Gorilla viel Raum, sich einander zu gewöhnen, sich kennenzulernen und sich näher zu kommen. Erst nach und nach werden sie zu einer Familie und Jonna muss folgendes erkennen: „Es ist nicht immer alles so, wie es aussieht.“ Damit kritisiert der Roman die Oberflächlichkeit unserer Gesellschaft, die zwar politisch korrekt sein möchte, und doch Menschen aufgrund ihres Aussehens zu Außenseitern macht.

Ein Gorilla als Adoptivmutter ist ungewöhnlich und verwirrt zunächst. Doch anhand einer solchen Figur zeichnet die Autorin besonders sensibel nach, was es bedeutet anders und fremd zu sein. Gorilla wird angestarrt und nicht ernst genommen. Sie wird von der Gesellschaft abgelehnt. Die Menschen nehmen sich nicht die Zeit, sie kennenzulernen und ihr so eine Chance zu geben.
Doch auch Jonna ist anders, passt sich nicht an und wird deswegen immer wieder ermahnt. Auch Jonna hat zunächst Angst vor Gorilla, glaubt all die Gerüchte und möchte weglaufen. Nach und nach lernt sie, das Gorilla sehr liebenswert ist und auch Schwächen hat. Auch sprachlich wird die Vertrautheit deutlich. Heißt es zunächst „Der Gorilla“ und „von dem Gorilla“, so ändert sich dies in „Gorilla“. Der Klang wird immer liebevoller und Gorilla wird zu einer Mutter für Jonna. Die menschlichen Züge Gorillas werden immer sichtbarer und beide, Jonna und Gorilla, entwickeln sich im Laufe der Geschichte weiter.

Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht der neunjährigen Jonna, die als Ich-Erzählerin auftritt, und den langsamen Prozess der Annäherung beschreibt. Es ist spannend, wie sich die Sicht Jonnas auf Gorilla verändert: Sie wird, je größer die Liebe Jonnas zu Gorilla, immer schöner und liebenswerter. Endlich findet Jonna ein Zuhause … Auch sprachlich ist der Roman gelungen:  Dialoge und Beschreibungen wechseln sich ab und ermöglichen so auch ungeübteren Lesern und Leserinnen die Lektüre. Doch die Sprache von Frida Nilsson ist nicht simpel, sondern zeichnet sich durch eine hohe Literarizität und Sprachkraft auf. Damit beweist sie, dass Kinderliteratur auch Literatur ist und Raum für Phantasie bietet.