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Wie können wir neu Zugewanderte sprachlich fördern?

Die Universität Siegen schult Lehrkräfte und Studierende, damit sie Geflüchtete und neu Zugewanderte sprachlich fördern können.

Flucht und Migration stellen Lehrkräfte vor große Herausforderungen. Sie bemühen sich, neu zugewanderte SchülerInnen zu integrieren, versuchen, Kommunikationsbarrieren zu überwinden, und kommen mit Traumata in Kontakt. Die Universität Siegen bietet deshalb das weiterbildende Studienangebot „Deutsch lernen mit neu zugewanderten Schülerinnen und Schülern und Erwachsenen (DaZSi)“ an. Sie soll LehrerInnen und angehenden Lehrkräften in Schule und Erwachsenenbildung vermitteln, wie sie neu Zugewanderte sprachlich fördern können. 145 Personen haben die Weiterbildung bereits erfolgreich absolviert. Zum zweijährigen Jubiläum der Weiterbildung fand jetzt eine Fachtagung zur „Professionalisierung von Lehrkräften für den Unterricht mit neu zugewanderten Schülerinnen und Schülern“ statt. Die Tagung bot interessierten Wissenschaftlern, Lehrkräften und Studierenden die Möglichkeit, zwei Fachvorträge zu hören, und gab den Alumni der Weiterbildung Raum, sich in einem Workshop auszutauschen.

siebert-ott_webAnnalina Lange und Dorothee Hesmer sind zwei Studierende der Universität Siegen, die die Weiterbildung bereits abgeschlossen haben. Annalina Lange studiert Literatur, Kultur, Medien im Master, arbeitet ehrenamtlich mit Geflüchteten und bringt ihnen Deutsch bei, seit es die Not-Unterkunft auf dem Campus der Universität gab. „Aus meinem Studium habe ich keinen pädagogischen Hintergrund“, sagt sie. „Ich habe also einfach probiert, was funktioniert, und mir online Tipps geholt.“ Weil ihr das nicht ausreichte, meldete sie sich für die Weiterbildung an. „Hier habe ich zum ersten Mal wirklich strukturiert gelernt, wie man Deutsch als Zweitsprache vermitteln kann. Durch die Weiterbildung habe ich erst realisiert, wo die Probleme meiner Schüler liegen.“ Heute weiß sie, dass es für manche Schüler schon eine Herausforderung sein kann, überhaupt zu wissen, wie man einen Stift richtig hält und in welche Richtung man schreibt. „Ich hatte mal einen 70-jährigen Mann in meinem Kurs, der es ganz lange nicht hinbekommen hat, eine 8 zu schreiben. Wir haben es dann spielerisch geübt, Schritt für Schritt, und plötzlich konnte er es. Er hat sich danach riesig gefreut.“

Ähnliches berichtet Dorothee Hesmer beim Alumni-Austausch. Sie studiert Lehramt auf Deutsch und Geschichte und unterrichtet ehrenamtlich geflüchtete Frauen in Deutsch. „Den pädagogischen Hintergrund habe ich, aber es ist etwas völlig anderes, wenn plötzlich Erwachsene vor dir sitzen, die kein Deutsch können, die teils noch nie eine Schule von innen gesehen haben und die selbst in ihrer Muttersprache nie schreiben gelernt haben.“ In der Weiterbildung hat sie gelernt, wie sie spielerisch die Aussprache mit den Frauen üben kann. Dazu kamen Kurse zur Interkulturalität und zur Hilfe zur Selbsthilfe. Dabei lernen die Studierenden und Lehrkräfte, dass sie ihren SchülerInnen nicht alles vorgeben, sondern ihnen zur Seite stehen sollen.

In einem Workshop zum Erfahrungsaustausch gaben die Alumni, befragt nach Themen, die sie bereits in der Praxis anwenden konnten, an, dass sie besonders von den spezifischen Kenntnissen zur Vermittlung aller Fertigkeiten in Deutsch als Zweitsprache, der sprachsensiblen Unterrichtsplanung und dem Vergleich zwischen dem Deutschen und einigen Herkunftssprachen (z.B. Arabisch) profitierten.

Der erste Fachvortrag wurde von Dr. Alexandra L. Zepter vom Institut für deutsche Sprache und Literatur II der Universität zu Köln gehalten. Sie sprach über Deutsch als Zweitsprache im Kontext von sprachlicher Heterogenität und Inklusion und fokussierte dabei Lern- und Kompetenzbereiche des Deutschunterrichts. Diplom-Psychologin Irmgard Weishaupt, hauptberuflich Leiterin der Regionalen Schulpsychologischen Beratung des Kreises Lippe, thematisierte den Umgang mit durch Flucht traumatisierten Jugendlichen und stellte sowohl Hintergründe als auch Handlungsansätze vor.   

Die Fachtagung wurde ausgerichtet vom DaZSi Team unter der fachlichen Leitung von Prof. Dr. Gesa Siebert-Ott und Prof. Dr. Torsten Steinhoff. Die Gäste wurden von Prof. Dr. Gabriele Weiß, Prorektorin für Bildungswege und Diversity, begrüßt.

Weitere Informationen zum Weiterbildungsangebot finden Sie hier. Interessierte Personen können sich ab dem 15.11.2018 für den nächsten Durchgang der Weiterbildung bewerben.