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"Wenn bloß die Grammatik nicht so ungeheuer kompliziert wäre"

In der Abteilung "Deutsch als Fremdsprache" des International Office der Uni Siegen werden junge Leute aus der ganzen Welt unterrichtet. Bevor sie ihr Studium beginnen können, müssen sie gute Deutschkenntnisse vorweisen.

„Den Konjunktiv, den finde ich besonders schwierig“, sagt Selma Smajlovic. Die 21-Jährige aus Bosnien-Herzegowina spricht ganz gut Deutsch. „Für den Alltag reicht es“, meint sie. Aber sie möchte an der Uni Siegen Betriebswirtschaftslehre studieren und dafür muss sie die Deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang (DSH) bestehen. Das Zertifikat setzt ein weit fortgeschrittenes Sprachniveau voraus. Es entspricht der fünften Stufe auf der sechsstufigen Kompetenzskala des Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens (GeR) für Sprachen. Derzeit steckt Selma noch in der Mittelstufe. So heißt es weiter pauken: Grammatik, Konversation, Textproduktion, Hörverstehen. 20 Wochenstunden Deutschunterricht stehen auf ihrem Stundenplan. Im Juli ist Prüfung.

Die Scheu vor der Sprache überwinden

In Selmas Sprachkurs an der Uni Siegen sitzen junge Menschen aus aller Herren Länder: Brasilien, Kamerun, China, Korea, Marokko, Bulgarien, Aserbaidschan, Spanien, Türkei. Dr. Cornelia Schrudde, Abteilungsleiterin „Deutsch als Fremdsprache“ des International Office der Uni Siegen, unterrichtet die Klasse und weiß, dass ihre Schüler je nach Herkunftsland unterschiedliche Probleme mit dem Deutschen haben. „Die Osteuropäer, die auch in ihrer eigenen Sprache eine sehr komplexe Grammatik haben, kommen mit dem Deutschen schnell zurecht.“ Schüler aus dem spanischsprachigen Raum haben da mehr zu kämpfen. „Sie sind dafür aber meist sehr eloquent.“ Die angehenden Studierenden aus Asien sind oft hervorragend bei der Grammatik, haben aber Probleme bei der Artikulation. Doch ein Problem ist für alle gleich: Es kostet Überwindung, vor der Klasse und der Lehrerin in der fremden Sprachen zu sprechen. Untereinander ist es da schon einfacher.

Für Yvette Meutou Akameu aus Kamerun und Evelyn Kern aus Brasilien ist Deutsch ihre gemeinsame Sprache geworden. „Auf Englisch sind wir noch nie ausgewichen“, sagen die jungen Frauen. Sie haben den Ehrgeiz, mit der neuen Sprache klarzukommen. „Wenn bloß die Grammatik nicht so ungeheuer kompliziert wäre“, seufzt Yvette. Die 22-Jährige möchte in Siegen Elektrotechnik studieren und hat schon in Kamerun Deutsch gelernt. „Trotzdem war es am Anfang allein beim Einkaufen schwierig“, erinnert sie sich. „Egal was für ein Preis genannt wurde, ich habe immer einfach 20 Euro hingehalten.“

Dr. Schrudde weiß, dass ihre Schüler aus der Mittelstufe mit ihrem Deutsch im Alltag bereits gut klarkommen. „Ärzte aus dem Ausland brauchen auch nur das B2 Zertifikat, um hier praktizieren zu dürfen.“ Doch für das Studium muss man die letzte Sprachbarriere überwinden: die DSH. Und selbst dieses Zertifikat ist keine Garantie dafür, dass die ausländischen Studierenden nachher den Seminaren und Vorlesungen wirklich folgen können. „Viele verzweifeln im ersten Semester“, weiß Dr. Schrudde. Sie macht ihren Schützlingen Mut. „Man muss sich Zeit geben. Im zweiten Semester wird es einfacher.“ Das Problem: In vielen Studiengängen spielt das Deutsche eine untergeordnete Rolle. „Leider verlieren die Studierenden die Sprache wieder“, bedauert Dr. Schrudde. „Nach dem Deutschkurs sprechen viele besser als am Ende ihres Studiums.“

Sabine Nitz

Dieser Artikel ist im Querschnitt 4/2013 erschienen.

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