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Und plötzlich betreut man "Schimanski"

Dr. Götz Schmedes hat in Siegen Medienwissenschaften studiert und ist heute Redakteur beim WDR-Fernsehen.

Die Dreharbeiten für den neuen „Schimanski“ stehen an. „Am Tag vorher ist das Warm up, dann geht es los“, erzählt Dr. Götz Schmedes. Warm up? Fernsehsprache. „Da treffen sich alle, die an der Produktion beteiligt sind zur Einstimmung.“ Schmedes ist Fernsehredakteur beim Westdeutschen Rundfunk in Köln.
In sein Aufgabengebiet fallen unter anderem die ARD-Mittwochsfilme (20.15 Uhr), Kino-Koproduktionen und jetzt, ganz aktuell, der neue „Schimanski“. Götz George, der im Sommer 75 Jahre alt wird, schlüpft wieder in die Rolle des Ruhrpott-Kommissars. Arbeitstitel des Films: „Loverboy“, voraussichtlicher Sendetermin ist im Herbst. „Der Zeitplan ist eng“, sagt Schmedes. Es wird stressig für den Fernsehredakteur, denn viele andere Projekte müssen zeitgleich weiterentwickelt werden, Drehbücher und Exposés stapeln sich immer auf seinem Schreibtisch. Autoren und Produzenten wollen Antworten haben. Diese Arbeit sei genau das, was er immer schon habe machen wollen, so Schmedes. Der Traumjob sozusagen. Hätte er das jemandem erzählt, als er 1990 sein Studium der Medienwissenschaften an der Uni Siegen begann, hätte man ihn wohl schräg von der Seite angesehen. Schmedes gehörte zum ersten Jahrgang des damals neuen Studienganges, der mit viel Spannung, aber auch Skepsis beobachtet wurde. Wo soll denn so ein Diplom-Medienwirt später arbeiten? Wird das das Auffangbecken für all die Unentschlossenen, die einfach nur „irgendwas mit Medien“ machen wollen? „Das war für mich damals aber gar kein Thema“, erinnert sich der 46-Jährige. „Ich fand die Inhalte des Studiums vielfältig und  inspirierend. Die Medien in den Mittelpunkt zu stellen, die anderen Fächer zu integrieren und nicht umgekehrt. Das war neu und bot ein  ungeheuer großes Spektrum.“

"Da das Fernsehen stärker wahrgenommen wird als Hörfunk, muss man auch heftigere Reaktionen aushalten, in positiver wie negativer Form."

Der Kölner zog mit Sack und Pack und aus Überzeugung nach Siegen. „Wo ich studierte, wollte ich auch leben.“ Kulturelle Nischen fand er schnell. „Zum Beispiel die Studiobühne der Uni.“ Er hat das Studium, das ihn auch nach London führte, genossen. „Auch wenn ich mich durch BWL und ORGA quälen musste.“ Ziemlich schnell war ihm klar, dass Hörfunk sein Thema ist. Über Hörspiele schrieb er seine Diplom- und später auch die Doktorarbeit. „Während der Prüfungen habe ich mich auf eine Stelle als Hörfunk-Regieassistent beim WDR Köln beworben und wurde genommen.“ Zunächst arbeitete er als fester Freier Mitarbeiter. „Das bot mir die Möglichkeit, finanziell abgesichert zu sein und gleichzeitig promovieren zu können.“ Den Doktortitel hat er aus Spaß am Thema gemacht. „Nicht weil ich mir beruflich etwas davon versprochen habe.“ Nach sieben Jahren als Regieassistent wechselte er in die Hörspielredaktion und nach einer Hospitanz zum Fernsehen. Halbe Stellen,  Dreiviertel Stellen, diverse Elternzeit-Vertretungen – Schmedes hat sich an seine Position, die er seit 2009 innehat, rangekämpft. „Und ich habe Glück gehabt“, meint er rückblickend. Er empfindet es als großes Privileg, in diesem Beruf arbeiten zu können. Kreativ, abwechslungsreich, verantwortungsvoll und  ja -  den Promi-Faktor gibt es auch.
Schmedes ist als Redakteur regelmäßig am Set und hat damit Kontakt zu den Schauspielern. Er machte bislang nur angenehme Erfahrungen. Während der Dreharbeiten seien die Schauspieler „halb Mensch, halb Rolle“ und dementsprechend sensibel. „Man muss Zurückhaltung zeigen.“ Und wie ist es, eine Legende wie Götz George zu treffen? „Aufregend, aber unkompliziert“, meint Schmedes. „Das ist ein energiegeladener, intensiver Charakter, der viel von dem Schimanski-Typ hat.“ Schon bei  „Nacht ohne Morgen“ (WDR 2011) haben sich die beiden kennen gelernt. „Der letzte schöne Tag“ (WDR 2012), ein Film, der nicht nur viele Preise geholt, sondern auch starke Zuschauerreaktionen ausgelöst hat, ist für Schmedes bislang sein wichtigstes Projekt. „Da das Fernsehen stärker wahrgenommen wird als Hörfunk, muss man auch heftigere Reaktionen aushalten, in positiver  wie negativer Form.“
Wenn heute ein Student zu ihm sagen würde: „Genau das, was Sie machen, möchte ich auch!" Welchen Tipp würde er ihm geben? Schmedes zögert. So wie es bei ihm gelaufen sei, das könne man ja nicht planen. „Praktische Erfahrungen während des Studiums zu sammeln, halte ich für wichtig. Da merkt man schnell, was einem liegt, muss sich in einem Tätigkeitsfeld beweisen. Und es hilft enorm, wenn man weiß, was man will.“      
Sabine Nitz

Götz George als Schimanski. Foto: WDR

Foto: WDR

Dieser Artikel ist im Querschnitt 4/2013 erschienen.

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