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Praxissemester gestartet

36 Studierende des Masterstudiengangs Lehramt haben im Februar 2015 das neue Praktikum an einer Schule der Ausbildungsregion Siegen-Hagen-Lüdenscheid begonnen. Bildungsforschung legt Fokus auf alle beteiligten Akteure und Institutionen.

Einer der Forschungsschwerpunkte der Siegener Bildungsforschung wird das neue Praxissemester für Lehramtsstudierende sein. Studierenden werde in dieser Phase der Lehrerbildung in den kommenden Semestern wissenschaftlich begleitet, um - so Prof. Dr. Martin Rothland und Dr. Ina Biederbeck - empirisch abgesicherte Erkenntnisse zu Angebot, Nutzung und Wirkung zu gewinnen, die dann wieder in den Prozesss der weiteren Gestaltung und Optimierung des Praxissemesters eingehen können.

Die ersten Studierenden starten in diesem Sommersemester mit dem Praxissemester. Ist das für die Siegener Bildungsforschung eine Art Versuchsgruppe, die eine Menge Zahlen und Daten liefern kann?

Rothland: Bei der Empirischen Bildungsforschung geht es ja grundsätzlich um mehr, also nicht nur um das Sammeln von möglichst
vielen Zahlen und Daten, die dann etwa statistisch ausgewertet werden. Bildungsforschung ist ohnehin methodisch nicht allein auf Zahlen
fixiert und auch in der Siegener Bildungsforschung bzw. hier konkret in unserem Forschungsschwerpunkt zum Praxissemester werden
unterschieldiche Zugänge der Forschung genutzt und kombiniert. Wir wollen also nicht nur quantitative, sondern auch qualitative Untersuchungen
leisten. Da jetzt die ersten Studierenden ins Praxissemester gehen und wir ohnehin noch nicht über ein breites, abgesichertes Wissen zur Nutzung und Wirkung verlängerter Praxisphasen in der Lehrerbildung wissen, können, ja müssen wir das Praxissemester fakultätsübergreifend wissenschaftlich begleiten.

 

Wie ist die Stimmung unter den Vorreitern?

Biederbeck: Es ist eine Gruppe von 35 Studentinnen und Studenten, und ich würde sagen, die Stimmung ist erwartungsvoll gespannt. Alle sind neugierig, wie es denn nun läuft und vor allem, ob organisatorisch alles klappt. In der Zusammenarbeit mit uns ist die Gruppe sehr kooperativ. Wir sind gespannt, welche Resonanzen es während und nach dem Praxissemester gibt. Dazu muss man sagen, dass diese erste Gruppe ja sehr klein ist und deshalb die Vorbereitung und Betreuung bisher sehr gut funktioniert. Wenn die Zahlen größer werden, muss jedoch möglicherweise noch einmal nachgebessert werden.

 

Welche Punkte finden Sie besonders spannend?

Rothland: Von besonderem Interesse ist natürlich zunächst einmal, ob und wie das Praxissemester auch unter besonderer Berücksichtigung des Forschenden Lernens und der Kooperation zwischen Universität, den Zentren für schulpraktische Lehrerbildung (ZfsL) und den Schulen mit den Kolleginnen und Kollegen wirkt. Darüber hinaus gibt es viele weitere, spannende Forschungsfragen, die uns beschäftigen werden: Beispielsweise, ob tatsächlich, wie zuweilen befürchtet wird, der sogenannte Praxisschock nun vorverlegt wird, also welche Beanspruchungen mit dem Praxissemester einhergehen und wie die Studierenden darauf reagieren, aber auch langfristig gut vorbereitet werden können. Wie gelingt die vielbeschworene Theorie-Praxis-Verzahnung aus der Sicht der unterschiedlichen beteiligten Akteure? Welche Formen der Beratung und Begleitung in den Schulen erweisen sich als realisierbar und effektiv? Diese und weitere Aspekte werden uns in den nächsten Jahren beschäftigen.

 

Welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang die Schulen?

Biederbeck: Eine große! Sie sind zusammen mit den ZfsL die wichtigsten Partner, um die Studierenden erfolgreich durch das Praxissemester
zu führen. Die Zusammenarbeit mit den Schulen funktioniert gut. So war etwa die Beteiligung an den Informationsveranstaltungen des ZLB bisher immer sehr hoch. Auch die konzeptuelle Zusammenarbeit in Gremien oder im Rahmen von Tagungen verlief immer sehr konstruktiv.

 

Können Sie die weiteren Aufgaben der Geschäftsstelle skizzieren?

Rothland: Die Arbeit der Bildungsforschung im ZLB bezieht sich auf vier Schwerpunktbereiche. In allen Arbeitsfeldern ist uns die Zusammenarbeit mit den interessierten Fachwissenschaften und allen Fachdidaktiken besonders wichtig. So bieten wir als eine erste Forschungsplattform das Forum Bildungsforschung für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an, die inhaltlich im Kontext der Bildungsforschung arbeiten. Ein entsprechendes Forum gibt es auch als zweite Plattform für Nachwuchswissenschaftler. Ein dritter Bereich gilt den Studierenden, die unter anderem bereits in fachdidaktischen oder bildungswissenschaftlichen Qualifikationsarbeiten einen ersten Beitrag zur Bildungsforschung leisten. Und viertens sind uns die genuinen Forschungsleistungen der Siegener Bildungsforschung selbst sehr wichtig. In der Geschäftsstelle Bildungsforschung sind es konkret aktuell die Forschungsschwerpunkte Praxissemester, Moralische Entwicklung und wirtschaftliches Verstehen unter der Leitung von Nils Goldschmidt und das Forschungsthema Informelles Lernen. Hier sind Nina Kahnwald und Vicki Täubig die Ansprechpartnerinnen. Diese drei Forschungsschwerpunkte bieten einerseits inhaltlich ganz unterschiedlich ausgerichtete Forschungsfelder und sprechen andererseits fakultätsübergreifend eine Vielzahl unterschiedlicher Disziplinen an. Und genau das wollen wir.

Weitere Informationen zum gestarteten Praxissemester sind auf den Seiten des Zentrums für Lehrerbildung und Bildungsforschung. und im aktuellen Querschnitt.

Das Interview führte Sabine Nitz