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Luft- und Raumfahrt aus der Nähe

Physikkurs der Mittwochsakademie unter der Leitung von Prof. Dr. Claus Grupen besuchte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln.

Die Mittwochsakademie der Universität Siegen macht Bürgerinnen und Bürger mit Ergebnissen und Methoden der modernen Wissenschaften vertraut. Der Physikkurs der Mittwochsakademie unter der Leitung von Prof. Dr. Claus Grupen besuchte nun das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln. Die 27 Exkursions-Teilnehmer lernten das Astronauten-Trainingszentrum der ESA, das Institut für Raumfahrtmedizin und das Lander-Control-Center der Rosetta-Mission zum Kometen 67P/Tschuryumow-Gerassimenko kennen.
 
In einer Einführung wurden die Aktivitäten des DLR vorgestellt. In 33 Instituten sind ca. 8000 Personen an 16 Standorten in Deutschland tätig. Eigene Grundlagenforschung und auch Auftragsforschung werden durchgeführt in den Bereichen Luftfahrt (Fluglärmminderung), Raumfahrt (Satellitenmissionen, z.B. Rosetta, Internationale Raumstation ISS, Medizin für Astronauten, Strahlenbelastung, Schwerelosigkeit), Energie (Solarzellen, Hochtemperatur- Solar-Ofen, Windenergie), Verkehr (Stauvermeidung u.a. durch Satellitenbeobachtung) und Sicherheit (Fernerkundung durch Satelliten, sichere Kommunikation). Der Etat betrug 2014 ca. 860 Millionen Euro, wovon 52 Prozent als Fremdmittel eingeworben werden konnten. Die DLR ist für die Bundesrepublik Deutschland verantwortlich für alle Raumfahrtaktivitäten, die eigenen in Deutschland, Projekte mit der ESA und Aktivitäten mit der NASA.
 
Im Astronauten-Trainingszentrum der ESA wurde die ISS an einem Modell vorgestellt. Die Station ist gut 110 m lang und 100 m breit. Sie umrundet die Erde in knapp 400 km Höhe in 92 Minuten. Sie wurde aus einem russischen und einem amerikanischen Modul zusammengesetzt. Im Laufe der Jahre wurden weitere Module, so z.B. das deutsche COLUMBUS, angekoppelt, um darin spezielle Experimente in der Schwerelosigkeit durchzuführen.
 
Zu den Voraussetzungen, um Astronaut zu werden, zählen neben der Gesundheit natürlich technisches Verständnis sowie Sprachkenntnisse in Englisch und Russisch. Der psychologische Test ist die höchste Hürde auf dem Weg zur ISS. Beim Aufenthalt in der Raumstation müssen die Astronauten nach ihrer rund zehnstündigen Schicht noch für etwa drei Stunden ein Sporttraining durchführen. In der Schwerelosigkeit werden die Muskeln kaum beansprucht und schrumpfen daher.
 
Auch die Frage der Belastung des Körpers durch energiereiche Teilchen von der Sonne aus dem Sonnenwind war ein Thema. Im Projekt MATROSHKA wurde ein Dummy nach Art von Zwiebelschalen mit 600 Sensoren ausgerüstet. Dieser Dummy verfügte über ein Skelett und im Innern über Bereiche aus Kunststoff mit verschiedenen Dichten, welche Strahlung unterschiedlich stark absorbieren. Man bildete damit die Organe nach. Der Dummy ist auf der ISS geflogen; innen und außen wurden Daten gesammelt und ausgewertet. Die Strahlenbelastung ist mindestens zehnmal höher als auf der Erde. Ein Problem für eine Langzeitmission, beispielsweise zum Mars. Eine Abschirmung gegen diese Art der Strahlung ist technisch nicht möglich.
 
Prof. Dr. Claus Grupen