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Mit der Vorfreude wächst der Weihnachtsbaum

Wissenschaft zu Weihnachten: Siegener Studierende untersuchten mittels Zeichnungen, wie bei Kindern das Weihnachtsfieber während der Adventszeit steigt. Geschenkbeauftragte sind meist die Frauen. Wie man das richtige Geschenk auswählt.

Die Weihnachtswelt der Kinder ist weiterhin in Ordnung, die Magie von Weihnachten wirkt! Studierende der Universität Siegen haben in einer nicht-repräsentativen Studie untersucht, wie sich bei Kindern die Vorfreude auf das Weihnachtsfest während der Adventszeit ändert. Hierzu haben sie Kinder zwischen 4-7 Jahren aus dem persönlichen Umfeld Woche für Woche Weihnachtsbäume und Geschenke zeichnen lassen. Das Ergebnis aus fast 100 untersuchten Zeichnungen: Je näher der Heilige Abend rückt, desto größer werden Weihnachtsbäume und Geschenke gezeichnet.

Wie die Studierenden mit einer speziellen Software nachgewiesen haben, vergrößerten sich Bäume und Geschenke in den Kinderzeichnungen in den ersten drei Adventswochen von Woche zu Woche statistisch signifikant, z.T. um bis zu 100 Prozent. Vorschulkinder malten durchschnittlich vier, Schulkinder sieben Geschenke, wobei Mädchen statistisch signifikant kleinere Geschenke zeichneten als Jungen. Im Mittelpunkt aber steht in der Welt der Kinder fest und unerschütterlich der große Weihnachtsbaum, das Symbol für Familienharmonie, Geborgenheit, Lebenskraft und Vertrauen in die Zukunft.

Dies ist nur ein Ergebnis des Seminars „Die Weihnachtsmacher“ von Prof. Dr. Angela Schorr, Inhaberin des Lehrstuhls für Medienpsychologie und pädagogische Psychologie. Die Studierenden des Lehramtes und der Sozialen Arbeit haben das Weihnachtsfest und damit verbundene Bräuche aus familienpsychologischer Sicht analysiert.

Frauen sind die Geschenkbeauftragten

Die wahren „Weihnachtsmacher“ der Familie sind demnach meistens die Frauen. Sie basteln, backen, kochen und begleiten vorweihnachtliche Aktivitäten, die das lange Warten verkürzen und die Vorfreude steigern. Die Frauen planen und organisieren nicht nur das große Fest, sie kaufen auch die Geschenke. Und: Frauen beschenken mehr als Männer. Schenken ist für viele Menschen (neben der Freude am Schenken) oft Anlass zu langen Überlegungen und großem Aufwand, wie der niederländische Psychologe Aafke Komter erläutert. Frauen in der Rolle der familiären „Geschenkebeauftragten“ machen sich hierbei mehr Gedanken als Männer.

Wie man das richtige Geschenk auswählt

Erst am Weihnachtsabend zeigt sich, ob man das richtige Geschenk gewählt hat und die Beschenkten sich freuen oder enttäuscht sind. Einige psychologische Regeln können helfen: (1) Wie neue Forschungsarbeiten von Nadav Klein und Ayelet Fishbach von der Chicagoer Universität zeigen, ist es bei Ereignissen, die die Menschen anstreben, wichtig, ihr inneres „Drehbuch des Glücksmoments“ zu beachten. Vorzeitige Ankündigungen, die dem Drehbuch nicht entsprechen, können solche Momente großer Gefühle zerstören. Ein bereits vor Weihnachten verschenktes Geschenk wertet demnach den Weihnachtsabend unweigerlich ab. (2) Gabriele Paolacci, Laura Straeter und Ilona de Hooge von der Erasmus Universität Rotterdam fanden in einer aktuellen Studie heraus, dass Geschenke mehr geschätzt werden, wenn sie den Eigenschaften der Schenkenden entsprechen. So kann ein sehr großzügiges Geschenk von einer geliebten Person, die nicht viel besitzt, beim Beschenkten statt großer Freude Gewissensbisse und Bedenken auslösen, weil man glaubt, dem anderen zu viel genommen zu haben. Generell sollten Geschenke einen Bezug zu Eigenschaften des Schenkenden haben, dann nehmen wir sie als zur Identität des Schenkenden passend wahr. Die soziale Regel der Reziprozität, d.h. die gefühlte soziale Verpflichtung Wohltaten, die man uns entgegen bringt, angemessen zu erwidern, beeinflusst ebenfalls die Reaktion auf ein Geschenk. All das sollte jedoch niemanden daran hindern, zu Weihnachten großzügig zu sein: Beschenkt man Menschen, die man kaum oder gar nicht kennt, so treten diese Wirkungen nicht ein, und die großzügigen Geschenke können unbefangene Freude auslösen. Dafür liefert nicht zuletzt das Neue Testament ein gutes Beispiel: Die heiligen drei Könige, völlig Fremde, die zur Geburt des Jesuskindes eilten, machten der jungen Familie kostbare Geschenke und bestärkten so das glückliche Ereignis.

Der Weihnachtsbaum

In vielen Religionen spielen Bäume als heilige Baumstätten eine Rolle. In der germanischen und keltischen Kultur galten sie lange als zeitloses Symbol der Erneuerung, der Stärke und der unzerstörbaren Kraft des Lebens. Im Christentum ließ man heilige Wälder vernichten und stattdessen aufwendige Kirchenbauten errichten, die baumgleich zum Himmel streben. Später vermischten sich christliche Lichtfeiern und alte Kulte wieder. Der Siegeszug des Weihnachtsbaums begann im 19. Jahrhundert: Im Zuge nachhaltiger Waldpflege und eines neuen Umweltbewusstseins aufgrund der radikalen Entwaldung in vielen Regionen Europas setzte sich über den Adel und das Bürgertum ab 1800 im deutschsprachigen Raum der Weihnachtsbaum durch, der zum Symbol für Weihnachten weltweit wurde. Als Symbol der Familienharmonie und des Lebens im Einklang mit der Natur fanden die Weihnachtsbäume Eingang in die Wohnzimmer und Stuben der Menschen und schließlich auch – die Menschen und die Kirchen verbindend – als natürlicher Schmuck in die Kirchen.