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Gemeinsam ist man weniger allein

Wohnen im Studierendenwohnheim – Studentin Lisa erzählt, warum die Kombination aus Gemeinschaftsküche und Einzelzimmer den idealen Wohnort für Studierende ausmacht.

Abseits vom städtischen Trubel Siegens, umgeben von Wald und wenigen Wohnhäusern, befindet sich die studentische Wohnanlage „Im Tiergarten“. Die Parkplätze sind leer und die Flure still. Nur in einem Zimmer steckt ein Student seinen Kopf aus dem geöffneten Fenster, während er Musik hört, die schon aus der Ferne zu hören ist. Die Lautstärke stört in diesen Tagen wohl niemanden. Es sind Semesterferien und das Wohnheim wirkt wie ausgestorben. Aber der Schein trügt. „Natürlich ist es in den Ferien sehr ruhig, aber man merkt schnell, wer da ist. Es ist immer jemand im Haus, mit dem man was unternehmen kann“, erzählt Lisa (21), Bewohnerin eines Appartements im Tiergarten.

Wir treffen die junge Studentin zu einem Gespräch über ihr Leben im Studierendenwohnheim. Sie lebt seit Beginn ihres Studiums vor drei Jahren im Tiergarten und ist begeistert: „Siegen und das Wohnheim sind inzwischen mein "richtiges" Zuhause geworden. Ich wohne hier also nicht nur zweckmäßig, um zu studieren.“ Ihr Zuhause ist ein knapp 30 Quadratmeter großes Appartement inklusive eigenem Bad und kleiner Küchenzeile. Hier hat sie alles, was sie braucht, vor Ort und griffbereit, vom Mixer über Nagellack bis zu den Seminarunterlagen. Gegessen wird am Schreibtisch, den sie zum Esstisch umfunktioniert.

Die Tiergarten-Wohnanlage besteht aus zwei Gebäudekomplexen und befindet sich am Rande des Siegener Stadtwaldes. Naturfreunde und gesellige Typen kommen voll auf ihre Kosten, denn das Merkmal der ruhigen Umgebung ist in diesem Fall nicht mit Langweile gleichzusetzen. Der Tiergarten bietet Platz für 100 Student*innen, man läuft also immer jemandem über den Weg, ob im Fitnessraum oder der Gemeinschaftsküche. „Natürlich gibt es immer einen Kern von Leuten, die man am besten kennt. Wenn man Leute kennenlernen möchte, dann klappt das auch“, sagt Lisa, die Literatur, Kultur Medien sowie Sprache und Kommunikation studiert.

Leben wie in einer großen WG

Für sie ist die Mischung aus Gemeinschaft und Rückzug die perfekte Lösung: „Dadurch, dass wir alleine wohnen, kann ich mir immer selbst aussuchen, ob ich gerade für mich oder unter Leuten sein möchte. Man kann sich in seinem Zimmer zurückziehen oder vor die Tür gehen, dort trifft man immer jemanden. Das schätze ich am meisten am Leben hier.“ Die Bewohner*innen leben wie in einer großen WG, haben aber gleichzeitig immer genug Freiräume und Rückzugsmöglichkeiten. Lisa hat mit ihrem Appartement die Luxusvariante des Rückzugsorts erhalten.

Aber Luxus hat seinen Preis. So muss sie wie die anderen 22 Mieter*innen von Appartements im Monat insgesamt knapp zwischen 320 und 430 Euro für ihre Unterkunft bezahlen, während die Bewohner*innen von Einzelzimmern mit Gemeinschaftsbad und -küche im Tiergarten deutlich sparen können. Ihre Mietpreise betragen je nach Größe sogar weniger als 200 Euro alles inklusive, von den Nebenkosten bis zum Telefonanschluss.

Rücksicht nehmen ist wichtig

Der Tiergarten hat wie viele andere Wohnheime einen Heimrat, der unter anderem die offiziellen Veranstaltungen der Anlage organisiert. Dazu zählt zum Beispiel ein Kneipenabend, der in der Vorlesungszeit alle zwei Wochen im hauseigenen Partyraum stattfindet. Daneben gibt es auch Spiel- und Grillabende, für die den Studierenden sogar eine eigene Grillhütte direkt neben der Wohnanlage zur Verfügung steht. „Auch bei privaten Partys ist die Tür eigentlich immer für alle offen“, erklärt Lisa.

Zum Leben im Wohnheim gehört auch, Rücksicht zu nehmen. „Im Moment ist nicht viel los, aber im Semester wird es immer ein bisschen lauter. Man sollte schon eine gewisse Toleranz mitbringen, aber ich denke, das ist selbstverständlich, wenn man sich für ein Wohnheim entscheidet. Hier bei uns hat jeder Verständnis, wenn der Nachbar einen Abend mal etwas länger Musik hört. Nächste Woche ist das dann vielleicht bei mir so und so gleicht sich das eigentlich immer aus“, sagt die 21-Jährige. Geben und Nehmen, Gemeinschaft und Freiraum, so kennt Lisa das Leben im Siegener Studentenwohnheim.

Notquartier: Es muss niemand auf der Straße schlafen

Leider sind die 940 Wohnheimplätze immer schnell vergeben. Vor allem zu Beginn des Wintersemesters, wenn mehr als 3.000 Erstsemester in die Stadt ziehen möchten, gestaltet sich die Wohnraumsituation sehr schwierig. Dennoch muss in Siegen niemand auf der Straße schlafen. Das Studierendenwerk richtet für diese Umstände regelmäßig ein Notquartier ein. „Früher befand sich das Notquartier immer im Wohnheim „Engsbachstraße“, aber aus Platzgründen haben wir es in den Tiergarten verlegt, wo wir 20 Betten für Männer und 10 Betten für Frauen anbieten können“, erzählt Lars Weber, Hausmeister im Tiergarten

Seit September ist das Notquartier in diesem Jahr geöffnet, die Ersten sind bereits eingezogen. „Erst wenn der Letzte geht, wird hier abgebaut, das ist meistens Anfang Dezember“, so Lars Weber. Anna Wagener von der Wohnheimverwaltung des Studierendenwerkes fügt hinzu: „Wir setzen niemanden vor die Tür und helfen bei der Wohnungssuche, damit die Bewohner*innen nicht länger als im Schnitt zehn Tage hierbleiben müssen.“

Privater Wohnraum gesucht


Das Notquartier macht deutlich, dass es in Siegen zu wenige Wohnheimplätze gibt. Deshalb rufen das Studierendenwerk und die Universität Siegen dazu auf, privaten Wohnraum für die Studierenden zur Verfügung zu stellen. „Leben Sie mit den Studierenden, haben Sie Mut, sie zuzulassen, man kann nur voneinander lernen“, so Prof. Dr. Holger Burckhart, Rektor der Universität Siegen. Nähere Informationen dazu finden Sie unter www.studentisches-wohnen-in-siegen.de.  

Infos zu den Wohnheimen des Studierendenwerks

Das Studierendenwerk Siegen bietet 940 Wohnheimplätze zwischen elf und 91 Quadratmeter an, vom möblierten Einzelzimmer bis zur Familienwohnung. Die Mietpreise inklusive Nebenkosten fangen bei 188 Euro für Einzelzimmer an und reichen bis zu 435 Euro für Appartements, die Familienwohnung kostet 714 Euro.

Weitere Informationen zu den Wohnanlagen des Studierendenwerks Siegen
Burkhard Lutz, Studierendenwerk Siegen
Telefon: 0271 740-4881
E-Mail: lutz@studierendenwerk.uni-siegen.de

Hannah Weber

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Im Wohnheim gibt es einen Heimrat, der in der Vorlesungszeit alle zwei Wochen einen Kneipenabend im hauseigenen Partyraum organisiert.
Bildnachweis: Studierendenwerk Siegen