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„Trump hat weniger Spielraum, als wir denken“

Amerikanistik-Professor Dr. Daniel Stein über die Folgen der Wahl von Donald Trump als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.

Donald Trump wird der 45. Präsident der Vereinigten Staaten. Dr. Daniel Stein, Amerikanistik-Professor an der Universität Siegen, analysiert die Wahl und spricht über die Folgen.

Prof. Stein über die Wahlnacht: „Dieses Ergebnis ist ein großer Schock. Es ist eine Katastrophe für Amerika, es trifft aber auch die ganze Welt – und macht Angst. Erst der Brexit, jetzt Trump, in Deutschland und Frankreich stehen bald Wahlen an. Damit sind viele Fragen verbunden. Was passiert mit der Nachfolge von Angela Merkel angesichts der Attacken auf das politische „Establishment“ und die „Lügenpresse“ durch die AfD? Wenn man die westliche Politik analysiert, ist ein klarer Trend zu erkennen – und der ist aus liberaler und demokratischer Sicht sehr beunruhigend.“

Prof. Stein über die Gründe für Trumps Sieg: „Es gibt sicher eine große Prozentzahl an Menschen, die Trump als Person gut finden, wie direkt er redet und ganze Bevölkerungsgruppen ausgrenzt. Jedoch ist das Problem, dass viele Menschen frustriert sind, sich zurückgelassen fühlen und dies auf das Establishment und die fortschreitende Globalisierung zurückführen. Diese Leute sind stark politisiert und gehen zur Wahl, weil sie denken, endlich etwas bewegen zu können. Trump hat diese Leute mobilisiert, Hillary Clinton dagegen hat es nicht geschafft, die Liberalen zu mobilisieren. Hinzu kommen natürliche politische Aspekte, Trump kann beispielsweise viel leichter Verbesserungen versprechen, während Clinton bei einer Kritik am Status Quo automatisch Barack Obama beschädigen würde. Es ist jedoch absurd, zu denken, Trump gehöre nicht zum Establishment – er ist Millionär und gehört zur High Society.“

Prof. Stein über die Unsachlichkeit des Wahlkampfs: „Dieser Wahlkampf war extrem schmutzig. Die USA haben jedoch eine Geschichte der dreckigen Wahlkämpfe, die sich außerdem über sehr lange Zeit ziehen. Die Art und Weise der Attacken von Trump und Clinton zeigen jedoch, wie gespalten die Bevölkerung ist. In seiner Siegesrede nach der Wahl hat Trump den Willen geäußert, das Land einen zu wollen. Das ist eine groteske Aussage. Trump hat im Wahlkampf Dinge gesagt, die sehr schwer rückgängig zu machen sind. Sexismus, Rassismus und falsche Behauptungen sind in der Person von Donald Trump plötzlich kein Tabu mehr.“

Prof. Stein über die Konsequenzen für Deutschland: „Auch in Deutschland sind extreme Meinungen und Positionen durch die AfD hoffähig geworden, am Beispiel des Brexits haben wir erlebt, dass es funktionieren kann, Dinge zu behaupten, die nicht stimmen. Ich kann mir jedoch nicht vorstellen, dass in Deutschland solch schmutzige Wahlkämpfe möglich sind.“

Prof. Stein über die Konsequenzen für die USA: „Es ist fatal, dass die Republikaner den Präsidenten stellen und die Mehrheiten im Senat und Repräsentantenhaus haben. Trump hat gute Chancen, quasi auf Basis einer großen Koalition vieles zu bewegen. Die Frage ist, ob sich der Widerstand innerhalb der Partei der Republikaner hält oder ob diese sich nun hinter Trump stellen. Trump hat schon angefangen, sich bei der Partei zu bedanken, das ist knallhartes Machtkalkül, um Mehrheiten zu sichern. Doch Trump hat viel versprochen, beispielsweise dass die USA eine Mauer bauen und Mexiko diese bezahlen wird. Das wird Trump nicht halten können.“

Prof. Stein über die nächsten Monate: „Donald Trump wird im Januar 2017 vereidigt. Dann muss er seine Vision für das Land vorstellen. Ich bin sicher, dass dann schon eine erste Mäßigung auftreten und Realismus einsetzen wird. Trumps Wahlkampf-Versprechen hätten echte Konsequenzen, Steuersenkungen z.B. würden eine größere Staatsverschuldung nach sich ziehen. Ebenso wenig glaube ich nicht, dass er viele seine extremen Positionen, z.B. zur Strafbarmachung von Abtreibung, durchsetzen können wird. Trump hat viele Dinge gesagt, um Stimmen zu bekommen, die Umsetzung in der Realität sieht jedoch ganz anders aus. Auch ein Präsident Trump hat weniger Spielraum, als wir heute denken.“