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Bauen für eine attraktive Region

Auf dem sechsten Siegener Bautag tauschten sich Akteure aus Forschung, Lehre, Politik, Wirtschaft, Planung, Infrastruktur sowie Architektur und Bauingenieurwesen an der Universität Siegen zum Thema „Regionales Bauen“ aus.

Attraktives, regionales Bauen ist wichtig, um Menschen nach Siegen-Wittgenstein zu holen oder Anreize zu schaffen, damit BürgerInnen dauerhaft in der Region bleiben. Doch wie sehen Vorstellungen und Konzepte aus, die zu einer nachhaltigen Entwicklung für die Menschen in der Region beitragen können? Aus dem Grund hat die Uni Siegen den sechsten Siegener Bautag dem Schwerpunktthema „Regionales Bauen“ gewidmet.

„Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden überwiegend Zweckbauten entworfen, bei denen es vornehmlich auf die Funktion ankam“, berichtete Klaus Gräbener, Hauptgeschäftsführer der IHK Siegen, der als Vortragender an die Uni gekommen war. Mittlerweile habe sich das geändert. Das beste aktuelle Beispiel, dass sich Funktionalität und Ästhetik nicht widersprechen müssen, sei das Gewerbegebiet im Leimbachtal. „Ich kenne kein so schönes Gewerbegebiet, wie das, was dort gerade entsteht“, sagte Gräbener. Die Ästhetik, die mehr und mehr in den Städten und Gemeinden Verbreitung finde, sei ein nicht zu unterschätzender Aspekt, geradezu ein Standortfaktor. Damit die Region nicht aussterbe und sich Fachkräfte bewusst für die heimischen Kreise Siegen-Wittgenstein und Olpe als Arbeits- und Lebensort entschieden, müsse man geradezu eine Atmosphäre des Wohlfühlens schaffen. Hierzu könnten Städteplaner, Architekten und heimische Bauwirtschaft im engen Schulterschluss einen wirksamen Beitrag leisten.

Interessante Vorträge aus verschiedenen Bereichen lieferten Anregungen und Hinweise, wie die Umwelt qualitativ hochwertig für ein gemeinsames Miteinander gestaltet werden kann. Ein Beispiel dafür lieferte Thomas Vielhaber, Planungsdezernent der Stadt Arnsberg, als er über Baukultur in der kommunalen Praxis am Beispiel der Stadt Arnsberg berichtet. Er definiert Baukultur als den ‚immateriellen Reichtum‘ für eine attraktive und lebenswerte Stadt mit der sich der Bürger identifizieren kann und eine Bindung aufbaut. Der baupolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion NRW, Wilhelm Hausmann, bescheinigte, dass Bauen heute mehr sei als nur eine Ansammlung von Normen und Vorschriften. Es sei wichtig die lokale Bautradition zu bewahren, und nicht jedes Objekt ‚normgerecht‘ anpassen zu wollen.

bautag2016herzKathrin Herz (Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Department Architektur) widmete sich in Ihrem Vortrag mit dem Titel „Geschichte(n) weitererzählen“ den Typologien gebauter historischer Dorfstrukturen in zwei Beispielen. Die Notwendigkeit zur Erhaltung der kulturellen Identität kleinteiliger Strukturen stellte sie hierbei heraus und entwickelte strukturelle Spielregeln.

Ludger Siebert vom Landesbetrieb Straßenbau NRW referierte über den Projektstand zur Gestaltung der HTS-Süd und der erneuerten A45 sowie der angrenzenden Landschaftsplanung. Hierbei wurden Architekturwettbewerbe ausgeschrieben und in der Ausführung umgesetzt, um die technischen Bauwerke ästhetisch mit der Umwelt zu verknüpfen.

Einen kritischen Blick warf Architekt Christian Welter (projektplus GmbH) auf den Verlust gebauter Kultur. Er differenzierte sehr fein in die Qualitäten und Notwendigkeiten im Umgang mit dem Bestand. So forderte er eine größere Bereitschaft Planungsthemen frühzeitig offen zu legen und dabei eine öffentliche Diskussion zu führen. Ein Signal in die richtige Richtung bietet hier bereits die Arbeitsgemeinschaft „Stadtgestalt“, die sich diesem Thema widmet.

Der Förderverein für Architektur und Bauingenieurwesen vergab außerdem Preise für herausragende Abschlussarbeiten. Die ausgezeichneten Arbeiten lieferten ein Beispiel dafür, wie auch die Studierenden der Uni Siegen das regionale Bauen im Blick haben und somit helfen Stadt und Region weiter zu entwickeln.

Eike Bieneck entwarf in seiner prämierten Masterarbeit ein Radverkehrskonzept für die Stadt Siegen, das er in einer Sitzung Politikern und Entscheidern vorstellen durfte. Für ihre herausragende Masterarbeit wurde außerdem Marieke Brands vom Förderverein ausgezeichnet. Nils Saßmannshausen und Julian Kaiser erhielten die Preise für ihre sehr guten Bachelorarbeiten, Longtao Xie für seine Promotion

Den Sonderpreis für hervorragende Öffentlichkeitsarbeit in Form eines Reisegutscheins in Höhe von 1000 Euro hat Dipl.-Ing. Jörg Wieland, Laboringenieur im Bereich Wasserbau, für die Dokumentation der Umgestaltung der „Siegplatte“ über einen Zeitraum von 4 Jahren mit der Erstellung des Films „Ufer-Metamorphose – In 17 Minuten vom maroden Parkplatz zu Siegens neuen Ufern“ anlässlich des Uferfestes vom 2. bis 4. September 2016 erhalten.

Der Siegener Bautag ist eine Veranstaltung der Universität Siegen, unterstützt durch den Förderverein für Architektur und Bauingenieurwesen. In diesem Förderverein sind neben den beiden Departments, Institutionen, Firmen sowie Privatpersonen engagiert, um den Mitgliedern eine gemeinsame Plattform zum Informationsaustausch zu bieten und die Hochschule in ihren Aktivitäten zu unterstützen. Auch die Kopplung von Studium, Lehre und Forschung mit der Industrie, sowie der wissenschaftliche Austausch liegen dem Förderverein am Herzen.

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Die Preisträger (von links): Eike Bienek, Marieke Brandt, Nils Saßmannshausen und Julian Kaiser