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Von der Straße bis zur Smartphone-App

Die erste Jahrestagung des Siegener Sonderforschungsbereichs "Medien der Kooperation" steht in den Startlöchern: Die international ausgerichtete Tagung wird "Öffentlichkeiten" und "Infrastruktren" in den Blickwinkel nehmen. Dr. Matthias Korn (l.), Dr. David Sittler und Dr. Tobias Röhl (r.) stellten als Organisationsteam den Programmverlauf vor, zum Organisationsteam gehört außerdem Dr. Wolfgang Reißmann.

Der SFB „Medien der Kooperation“ der Uni Siegen thematisiert auf seiner ersten Jahrestagung vielfältige infrastrukturelle Bedingungen, ohne die Öffentlichkeiten nicht denkbar wären.

Der Sonderforschungsbereich (SFB) „Medien der Kooperation“ präsentiert sich in seiner ersten Jahrestagung „Infrastrukturen der Öffentlichkeiten – Öffentlichkeiten der Infrastrukturen“ vom 8. bis 10. Dezember 2016 im Artur-Woll-Haus der Universität Siegen aufregend, vielseitig und vor allem politisch aktuell. Zugleich spiegelt die erste Tagung die Grundarchitektur des in diesem Jahr an der Universität gestarteten Forschungsverbundes wider, an dem rund 60 WissenschaftlerInnen tätig sind.

Im Zentrum der Tagung stehen – von der Straße bis zur Smartphone-App – vielfältige infrastrukturelle Bedingungen, ohne die Öffentlichkeiten nicht denkbar wären. „Dafür haben wir national und international renommierte Gäste aus verschiedenen Forschungsfeldern eingeladen, die zusammen mit den MitarbeiterInnen des SFBs und dem Publikum ins Gespräch kommen sollen“, sagt Dr. Wolfgang Reißmann, Mitarbeiter des SFB-Teilprojektes „Medienpraktiken und Urheberrecht“ im Gespräch. Reißmann ist einer der vier Organisatoren der Jahrestagung.

Die Durchführung der Tagung obliegt den Nachwuchswissenschaftlern, die gleichzeitig mit ihrer eigenen Forschung involviert sind. So ist Dr. Tobias Röhl, Mitarbeiter des SFB-Teilprojektes „Normale Betriebsausfälle. Struktur und Wandel von Infrastrukturen im öffentlichen Dienst“, fasziniert von unausgesprochenen Erwartungen der Menschen bei Betriebsausfällen: „Wir erwarten doch einfach, dass alle Infrastrukturen, wie die Bahn, reibungslos funktionieren. Doch die meisten Infrastrukturen werden erst sichtbar, wenn es zu Störungen kommt.“ Betriebsausfälle sind als „Mobilität/Transport“ ein Teil der fünf Oberthemen der Tagung. Ein weiteres: „(In)Transparenz“. Dr. David Sittler aus dem Organisations-Team sagt: „Die Strukturen der Massenkommunikation sind da; wir benutzen sie täglich, aber verstehen wir sie und die Politik dahinter wirklich? Einige der großen Fragen lauten: Wie privat bin ich im Netz? Oder wie öffentlich soll Politik sein?“

Die Jahrestagung kommt nicht mit erhobenem Zeigefinger daher, im Gegenteil ist die transdisziplinäre Arbeit der ForscherInnen erfrischend experimentell und zukunftsweisend zugleich. Klassische Beispiele für den aktuellen Diskussionsbedarf sind die Proteste bezüglich neuer Stromtrassen, oder des Internetzugangs auf dem Lande (Sind Bewohner ausgeschlossen von der Öffentlichkeit?), selbstfahrende Autos, die Verschmelzung von Privatheit und Öffentlichkeit in sozialen Medien, wie Facebook oder Twitter, und die zum Teil unklare Rechtslage von Beiträgen im Internet. Es geht aber, so Reißmann, „nicht nur um die Gegenwart, sondern auch um die Infrastrukturen der Vergangenheit, ihre Öffentlichkeiten und was wir heute daraus lernen können.“

Ein Schwerpunkt liegt hierbei auch auf „Standardisierungen“, einem weiteren Themenblock der Tagung. „Standardisierungen sind ein entscheidender Schritt, damit Infrastrukturen und Öffentlichkeiten funktionieren. Diese ermöglichen Kommunikation, besonders auf Distanz“, erklärt Dr. Matthias Korn, Mitarbeiter des Programmmoduls „Infrastrukturkonzepte für die Beforschung kooperativer Medien “. Das dritte Hauptthema der Konferenz ist „Mobilität/Transport“, wobei es hier nicht nur um die klassischen Verkehrsinfrastrukturen und Öffentlichkeiten, sondern auch um die Praktiken des „Fahrens, Wartens, Laufens“ und mobile Daten gehen soll. Veränderung fließt im Komplex der „Arbeitsplätze“ mit hinein, bei denen gefragt wird, wie sich Arbeitsplätze veränderten und welche Jobs erst durch die Etablierung des Internets aufkamen.

Hier geht es unter anderem um die Frage, wie Digitalisierung und Internet das Arbeiten verändert haben. Beleuchtet werden dabei auch der Kunstsektor oder die öffentliche (Un-)Sichtbarkeit von (historischen) Groß-Baustellen. Am Ende“, betont Röhl, „reden wir auch über uns selbst“. „Wissenschaft braucht Infrastrukturen und Öffentlichkeiten“ – daher steht im Zentrum des übergreifenden Komplexes „Academia“ die Selbstreflexion. „Wir freuen uns auf anregende Diskussionen“, bemerkt Korn. So wird Wissenschaft lebendig und formt sich aus den Einzelbeiträgen ein neues Bild aktueller Probleme und es werden innovative Perspektiven auf wichtige Herausforderungen mit Blick auf die Zukunft unserer Gesellschaft eröffnet.

Als kleines Gimmick werden „Medien der Kooperation“ auch praktisch erfahrbar. Jeder Teilnehmer wird kleine Lego-Steine erhalten. Gemeinsam wird dann ein Gesamtkunstwerk entstehen – ob mit oder ohne Zusammenarbeit, heimlich oder transparent. Sittler: „Wir lassen uns überraschen und sind selbst gespannt, was die Diskussion zeigen und es für Antworten geben wird!“

Diskussionsrunde am Samstag

Die erste Jahrestagung des Siegener Sonderforschungsbereichs „Medien der Kooperation“ beinhaltet nicht nur die fünf Themenblocks „(In)Transparenz“, „Arbeitsplätze“, „Mobilität/Transport“, „Standardisierung“, sowie „Academia“, sondern schließt mit einer Podiums-Diskussion auf Deutsch. Hier ist eine Beteiligung der allgemeinen Öffentlichkeit besonders erwünscht.

Unter dem Motto: „Was tun? Herausforderungen an Infrastrukturen und Öffentlichkeiten“ diskutieren auf dem Podium drei ExpertInnen: Migrationsforscher Prof. Dr. Wolf.-D. Bukow. zugleich Forschungsprofessor am Forschungskolleg der Universität Siegen (FoKoS). Er beschäftigt sich seit den 1970er Jahren auch beratend mit Fragen der Minderheiten- und Flüchtlingspolitik. Damit ist er ein idealer Gesprächspartner auf einer solchen offenen Plattform für eine direkte Auseinandersetzung mit Fragen der Gestaltung inklusiver Infrastrukturen in unseren Städten zumal im Rahmen der „Flüchtlingskrise“ dieses Thema viele Menschen stark bewegt. Die Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Sigrid Baringhorst wird die Krise der repräsentativen Demokratie ansprechen, die angesichts der anstehenden Wahlen, und neuer Protestbewegungen brisant ist und eine Stellungnahme der WissenschaftlerInnen auch als BürgerInnen verlangt. Der Sozio-Informatiker Prof. Dr. Volker Wulf bringt die internationale Dimension ein und wird auf die Auswirkungen des sogenannten Arabischen Frühlings eingehen.

Die Diskussionsrunde findet am Samstag, 10. Dezember 2016 ab 11.45 Uhr im Artur-Woll Haus statt.

Nähere Informationen zur Tagung und zur deutschsprachigen Podiums-Diskussion finden Sie unter www.mediacoop.uni-siegen.de

Sabrina Fuchs