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Wir müssen reden!

Neue Diskussionsreihe an der Universität Siegen bringt WissenschaftlerInnen und Studierende zu aktuellen Themen zusammen.

Der Wahlsieg Donald Trumps, der Brexit, der Fast-Sieg Norbert Hofers in Österreich. All diese politischen Ereignisse haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind Erfolge populistischer Bewegungen in Europa und Amerika. In der ersten Veranstaltung von „Wir müssen reden!“ hat der Lehrstuhl für europäische Zeitgeschichte seit 1945 an der Universität Siegen WissenschaftlerInnen und Studierende eingeladen, um sich über dieses aktuelle Thema auszutauschen. Die Diskussionsreihe widmet sich aktuellen politischen Themen aus kultur- und sozialwissenschaftlicher Perspektive und will Studierende und WissenschaftlerInnen miteinander ins Gespräch bringen. Den Auftakt haben Univ.-Prof. Dr. Daniel Stein, Lehrstuhl für Anglistik und Amerikanistik, Univ.-Prof. Dr. Christian Lahusen, Lehrstuhl für Vergleichende Kultursoziologie und politische Soziologie Europas und Univ.-Prof. Dr. Claudia Kraft, Lehrstuhl für Europäische Zeitgeschichte seit 1945, übernommen.

Die WissenschaftlerInnen haben den Populismus aus der Sicht ihres jeweiligen Fachbereichs beleuchtet. Sie starteten den Abend mit Statements als Impulse für die folgende Diskussion. „Der Populismus beinhaltet verschiedene Ideen, eine davon ist die Mobilisierungsstrategie. Dahinter steht die Hoffnung, dass jemand die Massen mobilisiert, um das System in Frage zu stellen. Generell gilt, dass eher Menschen aus bildungsfernen und einkommensschwachen Schichten ihr Sprachrohr im Populismus finden. Natürlich kann aber auch die Mittelschicht mobilisiert werden“, sagte Univ.-Prof. Dr. Christian Lahusen. Weiterführend erklärte Stein: „Populismus ist auch in den USA kein neues Phänomen. Es gibt hier zwei Arten: Den klassenbasierten Populismus und den, der sich auf ethische Identität und Nationalität beruft. Diesen Typ kann man auch Donald Trump und seiner Politik zuordnen. Er möchte die Zuwanderung in die USA beschränken und generell kein multikulturelles Land.“ Dem Populismus werden verschiedene Wesensmerkmale zugeschrieben, zu denen auch die Institutionenfeindlichkeit zähle. Man sehe dies ganz deutlich an Trumps Verhalten, der beispielsweise nicht über offizielle Pressekonferenzen oder ähnliches kommuniziert, sondern über Twitter. Zwar hatte auch Obama diese Plattform genutzt, Trump habe den Gebrauch aber quasi perfektioniert. Somit erziele er eine sehr direkte Kommunikationsform, was viele Menschen anspreche. Es gebe allerdings auch andere Faktoren, die seinen Wahlsieg beeinflusst haben könnten: „Trump konnte, im Gegensatz zu Clinton, auch frustrierte Nicht-Wähler mobilisieren. Die meisten seiner Anhänger sind Menschen aus der Mittelschicht, die unter der Wirtschaftskrise gelitten und dadurch vielleicht sogar ihr Haus oder ihre Rente verloren haben. Diese Menschen trauten Clinton nicht zu, dass sie Dinge ändern könnte. Zudem kann man sich in den USA, wenn man möchte, sehr einseitig informieren, da unter anderem im Fernsehen nicht mehrere politische Ansichten gezeigt werden müssen. Die Sender können selbst entscheiden, welche Anschauung sie vertreten und vermitteln wollen, und so kommt es vor, dass viele Haushalte nur diese eine Ansicht kennen“, erklärte Stein.

Im Anschluss hatten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Chance, sich mit Fragen oder Stellungnahmen in die Diskussion einzubringen. So hinterfragte ein Student die vermeintliche Krisensituation, die auch in Deutschland den Nährboden für Populismus biete. „Wir haben eine stabile Wirtschaft und eine niedrige Arbeitslosenzahl, was gegen eine Krise spricht“, sagte der Student. „Populisten versuchen eine Krise herbeizureden, sie narrativ zu konstruieren, auch in Deutschland“, so Univ.-Prof. Dr. Christian Lahusen.

„Im nächsten Semester ist eine neue Ausgabe von ,Wir müssen reden!’ geplant und wir hoffen natürlich, dass wieder so viele Interessierte teilnehmen“, sagte Dr. Katharina Kreuder-Sonnen vom Lehrstuhl für europäische Zeitgeschichte seit 1945, die den Abend moderiert hat.

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Foto: Prof. Dr. Claudia Kraft (v.l.), Prof. Dr. Christian Lahusen, Dr. Katharina Kreuder-Sonnen, Prof. Dr. Daniel Stein.

 

Text und Fotos: Alessa Risse