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Tipps fürs Praktikum

Das Pflichtpraktikum im Studium steht an und ihr wisst noch nicht, wie ihr eine passende Stelle findet? Anna Maria Weber vom Praktikumsbüro der Fakultät I der Uni Siegen gibt Tipps für Studierende aus den Geisteswissenschaften.

Wie kann ich bei der Suche nach einem Praktikumsplatz vorgehen, wenn ich noch gar nicht weiß, was ich beruflich mal machen will?

Anna Maria Weber: „Die wichtigste Frage, die sich jeder stellen sollte, ist: Welcher Beruf würde mir auch nach ein paar Jahren voraussichtlich noch Spaß machen? Zu jedem Studiengang listen wir in den fachspezifischen Bestimmungen auf, in welchen möglichen Berufsfeldern man arbeiten kann. Je nach Studiengang kann das vom Lektor über den Redakteur bis hin zum Filmproduzent vieles sein. Am besten streicht man Bereiche weg, die man sich auf keinen Fall vorstellen kann, und hebt Berufsfelder hervor, in denen man sich durchaus in der Zukunft sehen könnte. Sonst verzettelt man sich nur.

Um rationell Unternehmen und Institutionen zu finden, hilft zum Beispiel die Homepage von Das Örtliche oder der Gelben Seiten. Dort kann man gezielt nach Branchen suchen. Man kann schnell herausfinden, ob bestimmte Arbeitgeber überhaupt infrage kommen, sowohl geografisch als auch vom Berufsfeld her. Um abzuklären, ob Vakanzen bestehen oder welche Aufgabenbereiche man während des Praktikums konkret ausprobieren kann, ruft man gegebenenfalls direkt beim Unternehmen an – jedoch eher nicht, wenn dessen Website ein ausgewiesenes Karriereportal mit entsprechenden Online-Bewerbungsvoraussetzungen vorsieht. Das erhöht die Chance, auf rationelle Art und Weise einen Praktikumsplatz zu finden, der tatsächlich zu den eigenen Interessen und Fähigkeiten passt und vermindert unnötige, aufreibende Wartezeiten wie etwa bei Initiativbewerbungen.“

Wie hoch sind meine Chancen bei großen Konzernen mit schillernden Namen? Oder sollte ich es lieber bei regionalen, mittelständischen Unternehmen versuchen?

Weber: „Wenn man schon lange das Ziel verfolgt, in einem namhaften Unternehmen wie zum Beispiel bei BMW oder bei der F.A.Z. ein Praktikum zu machen, sollte man sich natürlich bewerben und es auf jeden Fall versuchen. Ich gebe aber gerne den Tipp, es gleichzeitig auch bei kleineren und mittelständischen Unternehmen zu versuchen. Dort sind die Chancen meist besser und man bekommt schneller einen Platz. Häufig ist der Arbeitsalltag dort sogar vielseitiger, weil man in viele unterschiedliche, studienaffine Bereiche hineinschnuppern kann.

Außerdem gebe ich zu bedenken: Viele große Konzerne setzen bereits praktische Erfahrung voraus, manche sogar einen abgeschlossenen Bachelor. Praktika bei großen Unternehmen werden für mindestens drei, meist sogar sechs Monate angeboten, die mit den universitären Vorgaben an das Pflichtpraktikum nicht vereinbar sind. Zu Beginn des Studiums hat man daher eher geringe Chancen. Häufig muss man sich bei größeren Unternehmen über ein Karriereportal online bewerben, hat keinen persönlichen Ansprechpartner und bekommt oft nur eine automatisierte Eingangsbestätigung. Ich empfinde das eher als zermürbend. Auch wenn Firmen schillernde Namen haben, die sich im Lebenslauf gut machen würden, ist die Chance, dort einen Praktikumsplatz zu erhalten, doch äußerst gering. Eher würde sich bei größeren Firmen vielleicht ein Praktikumsplatz über persönliche Beziehungen ergeben, die man auch auf keinen Fall außer Acht lassen sollte.“

Ich habe einen tollen Praktikumsplatz gefunden, erfahre dann aber, dass ich keinen Cent verdienen werde. Soll ich das Praktikum trotzdem annehmen?

Weber: „Nur ein Bruchteil der Studierenden, die ich berate, erhalten für ihr Praktikum überhaupt eine Aufwandsentschädigung. Pflichtpraktika und generell Praktika bis drei Monate sind laut Gesetz zudem vom Mindestlohn ausgenommen. Einerseits finde ich, dass jedes Praktikum entlohnt werden sollte, da Studierende bereits einen hohen Grad an Qualifikationen im Hinblick auf ein studienaffines Praktikum aufweisen. Andererseits bieten unbezahlte Praktika den Studierenden große Möglichkeiten, darüber eventuell später in eine Position im Unternehmen zu gelangen, wenn es gut läuft.

Absurd wird es natürlich, wenn ein Student oder eine Studentin für die Praktikumszeit in eine andere, vielleicht sogar teure Stadt wie Hamburg zieht und für das Praktikum deutlich draufzahlen muss. Mein Tipp: Wenn jemand ein solches Praktikum unbedingt machen möchte, sollte man vorab durch einen Nebenjob Geld beiseitelegen. Ideal ist es, wenn man einen Freund oder eine Tante mit einer Couch am Praktikumsort hat. Ob es Studierende gibt, die für ein Praktikum einen Kredit aufnehmen, entzieht sich meiner Kenntnis. Oft ist es aber so, dass Studierende unbedingt dieses eine Praktikum in diesem einen Unternehmen machen wollen. Da sind ihnen die Bedingungen häufig völlig egal. Man muss allerdings sagen, dass Global Player ihre Praktikanten oft entlohnen. Dann kommt es im Idealfall gar nicht zu solch einer Situation.“

Auch beim tollsten Praktikum kann es vorkommen, dass einfach nichts zu tun ist. Was soll ich machen, ohne den anderen zu sehr auf die Nerven zu gehen?

Weber: „Auch wenn man Langeweile hat, darf man auf keinen Fall private Dinge erledigen oder sich mit dem Handy beschäftigen. Stattdessen sollte man sich aktiv anbieten, wenn nötig auch in anderen Bereichen. Vielleicht gibt es Arbeit, die schon länger liegengeblieben ist und die der Praktikant gut übernehmen kann. Wenn auch das nicht der Fall ist, kann man anbieten, Routineaufgaben wie die Inventur oder Archivierung zu übernehmen. Wer jedoch mit den ihm zugedachten Tätigkeiten überfordert ist, sollte nach Hilfe fragen, denn der Sinn eines Praktikums ist es, dass man nicht alleine gelassen, sondern angeleitet wird und etwas lernt.“

Was kann ich tun, wenn ich nach dem Studium partout keinen Job finde? Verkaufe ich mich unter Wert, wenn ich trotz Masterabschluss ein Praktikum mache?

Weber: „Wenn man nach dem Studium nicht sofort einen Job findet, sollte man auf keinen Fall denken: Ich bin ein Nichts. Denn man hat sich durch das Studium in höchstem Maße qualifiziert. Häufig ist es nicht einfach, direkt im Anschluss etwas Passendes zu finden. Mein Tipp: Am besten schon frühzeitig, möglichst sogar ein Jahr vor dem Abschluss, nach einer Stelle suchen. Das erhöht die Chancen. Bei Geisteswissenschaftlern ist es außerdem in vielen Fällen üblich, ein Trainee-Programm oder Volontariat zu machen. Wer nach dem Studium gar nichts findet, sollte aber auf jeden Fall darüber nachdenken, ein Praktikum zu absolvieren. Denn das ist besser, als arbeitslos zu werden und damit auch eine Lücke im Lebenslauf zu hinterlassen. Man kann praktische Erfahrungen sammeln und verdient wenigstens nach drei Monaten den Mindestlohn. Im Idealfall entsteht daraus eine Anstellung oder freie Mitarbeit. Und wenn es in diesem Unternehmen keine Zukunft gibt, kann ein längeres Praktikum trotzdem als Sprungbrett für den Einstieg in ein anderes Unternehmen derselben Branche dienen.“

Anna Maria Weber arbeitet seit fast zwanzig Jahren an der Uni Siegen, davon seit über zehn Jahren unter anderem im Praktikumsbüro der Philosophischen Fakultät – am Anfang nur für die Studiengänge in den Medienwissenschaften, mittlerweile für die gesamte Philosophische Fakultät. Sie berät Theologie- und Philosophiestudierende genauso wie Bachelor- und Master-Studierende der Sozial- und Medienwissenschaften, der Geschichte oder von Literatur, Kultur, Medien sowie von Sprache und Kommunikation. Vor ihrer Zeit an der Uni war sie lange in der freien Wirtschaft tätig.


Das Interview führte Nora Frei


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