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Medizin großes Thema der Hochschulkonferenz

Die 3. Hochschulkonferenz der Universität Siegen stand im Zeichen der Medizin. Themen waren die geplante Medizinerausbildung in Siegen und das damit verbundene Modell-Projekt „Medizin neu denken“.

Es war die 3. Hochschulkonferenz der Uni Siegen – und dass sie etwas anders ablaufen würde, als die beiden Vorgängerveranstaltungen, zeigte schon ein erster Blick auf das Podium. Dort saßen neben Uni-Rektor Prof. Dr. Holger Burckhart, Kanzler Ulf Richter, Siegens Bürgermeister Steffen Mues und AStA-Vertreter Alexander Steltenkamp zahlreiche Vertreter der neu gegründeten Lebenswissenschaftlichen Fakultät (LWF). Ihr gemeinsames Ziel: Der Universität die neue Fakultät sowie das Projekt „Medizin neu denken“ vorzustellen. Es handelt sich dabei um ein Kooperationsprojekt mit mehreren Partnern. Dazu zählen die vier Siegener Kliniken (St. Marienkrankenhaus, DRK Kinderklinik, Diakonie-Klinikum Jung-Stilling und Kreisklinikum), die Stadt Siegen und der Kreis Siegen-Wittgenstein, sowie auf universitärer Seite das Erasmus Medical Center (EMC) Rotterdam und die Universität Bonn, ohne deren vertrauensvolle Kooperation eine Medizinerausbildung in Siegen nicht möglich wäre. „Es bedeutet für alle Beteiligten viel Mut, den Weg ,Medizin in Siegen‘ zu denken und zu gestalten“, eröffnete Rektor Burckhart, der den Prozess vor gut zwei Jahren persönlich angestoßen hatte: „Wir nehmen damit eine Vorreiter-Rolle in ganz Deutschland ein.“

Masterplan Medizin 2020 als GrundlageHSK_web Publikum

Die Siegener Pläne sind zwar innovativ – dass sie sich jedoch keinesfalls im „luftleeren Raum“ bewegen, machte Dr. Thomas Grünewald deutlich. Er hatte als Unterhändler der Kultusministerkonferenz entscheidend am „Masterplan Medizinstudium 2020“ mitgewirkt, der im März 2017 von Bund und Ländern beschlossen wurde und das Ziel hat, die Medizinerausbildung moderner zu machen. Wesentliche Eckpunkte wie die Stärkung der Allgemeinmedizin, die Ausbildung von mehr Landärzten, sowie die Nutzung digitaler Technologien für die medizinische Versorgung fänden sich auch im Siegener Konzept wieder, erklärte Grünewald: „,Medizin neu denken‘ liefert eine Vision, um die Ziele des Masterplans zu verwirklichen.“

Optimale Versorgung für den ländlichen Raum

HSK_web VerweijWie dies an der neuen Lebenswissenschaftlichen Fakultät konkret umgesetzt werden soll, erläuterte Gründungsdekan Prof. Dr. Jaap Verweij: „Wir möchten basierend auf dem Masterplan 2020 eine neue Generation medizinischer Fachkräfte ausbilden.“ Gemeint sind damit nicht nur ÄrztInnen, sondern auch Fachkräfte in medizin-verwandten Bereichen. Gemeinsam sollen sie in der Lage sein, die Herausforderungen der Zukunft speziell im ländlichen Raum zu meistern: eine optimale medizinische Versorgung der PatientInnen auf den Dörfern mit Unterstützung digitaler Technologien. Gelingt es, den Modell-Versuch erfolgreich umzusetzen, werde das die Region enorm voranbringen, prophezeite Siegens Bürgermeister Steffen Mues: „Die medizinische Versorgung ist ein bedeutender Standortfaktor. Die Region könnte eine völlig neue Strahlkraft entwickeln.“

Die Studiengänge

Die Lebenswissenschaftliche Fakultät möchte in den kommenden Jahren gemeinsam mit ihren Partnern drei Angebote unterstützen, die sich gegenseitig ergänzen und befördern sollen: Dazu zählt zunächst ein von der Universität Bonn verantworteter Studiengang der Humanmedizin, der zu Beginn im klassischen Format des Bonner Curriculums strukturiert sein wird und sich im Verlauf im Sinne des „Masterplans Medizinstudium 2020“ weiterentwickeln wird; die Kooperationsvereinbarungen mit der Universität Bonn und ihrer Medizinischen Fakultät sind dazu bereits weit vorangeschritten. Hinzu kommt in Kooperation mit dem EMC Rotterdam ein Ausbildungsgang, der sich unmittelbar an das Konzept des Masterplans Medizinstudium 2020 anlehnt, sowie drei Master-Studiengänge (Digitale Medizin, Biomedical Technology, Public Health). Außerdem wird es einen grundständigen Studiengang Psychologie geben, der zusammen mit der DRK-Kinderklinik Siegen geplant und umgesetzt wird. Die LWF möchte darüber hinaus die Pflegeausbildung vor Ort in Siegen unterstützen.

Gemeinsames Rüstzeug für künftige Fachkräfte

Im Hinblick auf die medizinische Versorgung im ländlichen Raum sei es wichtig, dass die an der LWF ausgebildeten Fachkräfte später Hand-in-Hand arbeiten, betonte Verweij: „ÄrztInnen müssen die Ingenieure verstehen, die ihnen die notwendige technische Unterstützung bereitstellen – und umgekehrt.“ Um dies zu erreichen, ist für die Master-Studierenden der LWF zunächst ein gemeinsames, lebenswissenschaftliches Bachelor-Programm geplant. Prof. Dr. Veit Braun, Prodekan für die Lehre an der LWF: „Mediziner sind heute nicht mehr reine Mediziner, sondern brauchen Kenntnisse in den verschiedensten Bereichen. Durch das gemeinsame Bachelor-Programm bekommen die Studierenden das Rüstzeug, um später in ihrem Spezialgebiet top zu sein.“

Spannende Fragestellungen für die ForschungHSK_web Diskussion

Gemeinsam mit allen Kooperationspartnern sollen im Rahmen von „Medizin neu denken“ die unterschiedlichsten Forschungsfragen angegangen werden. Vor allem die forschungsstarken Partner an der Universität Bonn bieten hierfür zahlreiche Anknüpfungsmöglichkeiten. Die Region um Siegen diene dabei als eine Art „lebendiges Labor“, erklärte der Prodekan für die Forschung an der LWF, Prof. Dr. Rainer Brück. Als Beispiele für konkrete Forschungsthemen nannte er Sensor-gestützte Alltagshilfen, wie den so genannten „SenseFloor“ oder die Cloud-basierte Telemedizin. In vielen dieser Bereiche werde an der Uni Siegen schon seit Jahren intensiv geforscht. „Hochmoderne Technik als unauffälliges Hilfsmittel für die medizinische Versorgung zu entwickeln, ist eine faszinierende Vision“, sagte Brück.

Ressourcen für die Medizinerausbildung

Auf die Finanzierung der geplanten Medizinerausbildung ging Uni-Kanzler Ulf Richter ein. Er rechne damit, dass die notwendigen Ressourcen für die Studierenden vom Land bereitgestellt werden: „Wir stehen diesbezüglich in enger Abstimmung.“ Die Landesmittel würden entsprechend der Kooperation zwischen Siegen und Bonn aufgeteilt. An der Budgetierung innerhalb der Universität Siegen werde sich nichts ändern, versprach Richter: „Das zur Verfügung stehende Grundbudget wird nach wie vor unter den Fakultäten aufgeteilt. Wir verhandeln gerade darüber, es entsprechend aufzustocken.“ Auch die benötigten räumlichen Ressourcen kämen „on top“ auf den Raumbedarf der bestehenden Fakultäten.

Diskussion

Zum Abschluss der Hochschulkonferenz hatten die ZuhörerInnen im Audimax die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Sie drehten sich unter anderem um den Numerus Clausus für Medizinstudierende, Forschungsmöglichkeiten innerhalb des Medizinstudiums und die Datensicherheit im Zusammenhang mit der Telemedizin. Rektor Burckhart kündigte an, den hochschulweiten Dialog zur Medizin in den kommenden Monaten fortzuführen.

HSK_web Panel

Von links nach rechts: Alexander Steltenkamp (AStA), Prof. Dr. Rainer Brück (Prodekan Forschung, LWF), Prof. Dr. Veit Braun (Prodekan Lehre, LWF), Uni-Kanzler Ulf Richter, Prof. Dr. Jaap Verweij (Gründungsdekan LWF), Dr. Thomas Grünewald, Siegens Bürgermeister Steffen Mues, Uni-Rektor Prof. Dr. Holger Burckhart.