..
Suche
Hinweise zum Einsatz der Google Suche
Personensuchezur unisono Personensuche
Veranstaltungssuchezur unisono Veranstaltungssuche
Katalog plus

Neue Beachtung für Hans Jonas

WissenschaftlerInnen aus aller Welt haben an der Uni Siegen an einer internationalen Konferenz zu dem jüdischen Philosophen Hans Jonas teilgenommen. Die Universität präsentierte sich damit als größtes Zentrum der Hans Jonas-Forschung in Deutschland.

Wer sich wissenschaftlich mit dem jüdischen Philosophen Hans Jonas (1903 – 1993) beschäftigt, kommt an der Universität Siegen nicht vorbei. Die Hochschule ist bereits seit 2014 Sitz des Hans Jonas-Instituts. Auch das deutsche Hans Jonas-Zentrum mitsamt der zugehörigen Bibliothek ist mittlerweile aus Berlin nach Siegen umgezogen. Die deutschsprachige Forschung zu Hans Jonas hat damit hier ihr neues Zentrum gefunden. Im Rahmen einer großen, internationalen Konferenz kamen jetzt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt nach Siegen, um gemeinsam das Werk des Philosophen zu diskutieren. Die TeilnehmerInnen reisten unter anderem aus Japan, Brasilien, Norwegen, Italien und Frankreich an.

HJ_web3„Eine solche Konferenz über Hans Jonas hat es bisher noch nicht gegeben – wir sind sehr froh, dass es sie jetzt gibt“, sagte Prof. Dr. Michael Bongardt vom Philosophischen Seminar der Universität Siegen in seiner Begrüßungsansprache. Gemeinsam mit seinen Siegener Kollegen PD Dr. Jürgen Nielsen-Sikora und Uni-Rektor Prof. Dr. Holger Burckhart engagiert er sich schon seit vielen Jahren in der Hans Jonas-Forschung. Regelmäßig bieten die Wissenschaftler an der Uni Siegen Lehrveranstaltungen zum Werk des in Mönchengladbach geborenen und 1933 in die USA ausgewanderten Philosophen an. Einem breiten Publikum bekannt geworden war Hans Jonas mit seinem Hauptwerk „Das Prinzip Verantwortung“, in dem er angesichts des technischen Fortschritts und zunehmenden Ressourcenverbrauchs unsere Verantwortung anmahnt, die Möglichkeit künftigen „echt menschlichen Lebens“ zu sichern. Auch die Leitidee der Uni Siegen, „Zukunft menschlich gestalten“, geht auf die Philosophie von Hans Jonas zurück.

Im Rahmen der dreitägigen Hans Jonas-Konferenz gab es neben Keynote-Vorträgen auch zahlreiche HJ_web2Panels, in denen sich die ExpertInnen über verschiedene Aspekte aus Leben und Werk des Philosophen austauschen konnten. Rund 70 ReferentInnen nahmen aktiv daran teil. „Auf der Basis der Ergebnisse möchten wir ein Handbuch zu Hans Jonas veröffentlichen“, erklärte Nielsen-Sikora, der auch Vorsitzender des Hans Jonas-Zentrums ist. Ziel sei es, der deutschsprachigen Hans Jonas-Forschung neue Impulse zu verleihen. „Außerhalb Deutschlands gibt es eine viel lebendigere Forschung zu Jonas. Wir möchten, dass er auch hierzulande neue Beachtung findet, denn seine Ideen sind nach wie vor hochaktuell“, sagte Prof. Bongardt.

Den Eröffnungsvortrag zur Hans Jonas-Konferenz hielt Prof. Dr. Micha Brumlik, Erziehungswissenschaftler und Philosoph sowie einer der einflussreichsten jüdischen Intellektuellen der Gegenwart. Thema des Vortrags war Jonas` berühmte Rede mit dem Titel „Der Gottesbegriff nach Auschwitz. Eine jüdische Stimme“. Darin hatte sich Jonas mit der Frage auseinandergesetzt, warum ein Gott den Holocaust zulässt, wenn er doch die Macht besitzen müsste, solche Leiden zu verhindern. Jonas kam zu dem Schluss, dass Gott zwar gütig und liebend ist, jedoch nicht allmächtig – die Verantwortung für die Welt liegt ihm zufolge daher einzig in der Hand der Menschen. Brumlik erläuterte in seinem Vortrag die geschichtlichen und theologischen Hintergründe, die Hans Jonas zu seinem Gottesbegriff führten – und die daraus resultierenden gesellschaftlichen Konsequenzen. „Es ist mir eine große Ehre, zu einer so einmaligen Forschungsveranstaltung zu Hans Jonas eingeladen worden zu sein“, bedankte er sich bei den Organisatoren der Konferenz.

Ein Dankeschön gab es auch von dem langjährigen Hans Jonas-Forscher und ehemaligen Vorsitzenden des Hans Jonas-Zentrums, Prof. Dr. Dietrich Böhler: „Ich freue mich, dass das Forschungszentrum und die Bibliothek an der Universität Siegen ein neues Zuhause gefunden haben und Jonas` Lebenswerk nun hier weiter erforscht und für künftige Generationen erschlossen wird.“

Kontakt:
Prof. Dr. Michael Bongardt
Philosophisches Seminar der Universität Siegen
E-Mail: michael.bongardt@uni-siegen.de
Tel.: 0271-740 5014

HJ_web1

WissenschaftlerInnen aus aller Welt waren zur Hans Jonas-Konferenz an die Uni Siegen gekommen und lauschten im Blauen Hörsaal dem Eröffnungsvortrag von Prof. Dr. Micha Brumlik aus Berlin.