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Drei Institutionen ziehen an einem Strang

Tagung an der Universität Siegen zur neuen Lehrerausbildung in NRW: Das Siegener Konzept baut mit dem Praxissemester regionale Kooperationen zwischen Schule, Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung und Universität aus.

Die Frage nach der Verbindung von Theorie und Praxis gilt seit der universitären Lehrerbildung als die zentrale Herausforderung: Wie viel praktische Erfahrungen und wie viel theoretisches Wissen sind für eine gute Ausbildung der zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer notwendig? Wissenschaftliche Bildung an den Universitäten, praktische Erfahrungen in den Schulen und fachliche Ausbildung an den Studienseminaren (heute ZfsL) waren schon immer die Eckpfeiler der Lehrerausbildung. Die Ausbildungsregion Siegen zeichnet sich bis heute durch intensive Kooperationen der Experten und Expertinnen aus den unterschiedlichen Bereichen aus.

Mit der Reform der Lehrerausbildung und der Einführung von Bachelor/Master Studiengängen in NRW hat die Debatte um Theorie und Praxis neuen Schwung bekommen und alle Beteiligten aufgerufen, diese Verbindung neu zu entwerfen und vor allem für die Studierenden praktisch erfahrbar zu machen. Dazu ist das so genannte Praxissemester als Bestandteil der Ausbildung im Masterstudium eingeführt worden. Alle Lehramtsstudierenden werden nun für fünf Monate in den Schulen ihre Erfahrungen mit der Verbindung von universitärer Bildung und schulischem Alltag machen. Die Universität Siegen startet ihren ersten Masterstudiengang mit Praxissemester im Herbst dieses Jahres. Die Vorbereitungen dazu laufen seit der Veröffentlichung des neuen Lehrerausbildungsgesetzes von 2009 auf Hochtouren. Der bereits 2011 unterschriebene Kooperationsvertrag hat bis heute die Unterzeichner aus Schule, ZfsL und Universität durch vielfältige konzeptionelle Arbeit rund um das Praxissemester verbunden. Der inhaltliche Kern dieser Zusammenarbeit ist das Konzept des „Forschenden Lernens“. Der forschende Blick auf den Schulalltag, auf Unterricht, Lernen und Lehren schlägt die Brücke zwischen Theorie und Praxis. Die Studierenden werden sich einerseits als zukünftige Lehrerinnen und Lehrer in dieser Praxis bewähren und werden dabei gleichzeitig Forschungsfragen bearbeiten.

Damit wird der Lernort Schule für die Studierenden und für die Lehrerinnen und Lehrer auch zu einem Forschungsort. Die Tagung „Lernort Schule – Forschungsort Schule? – Zum Forschenden Lernen im Praxissemester“ soll das Siegener Konzept des Praxissemesters weiter profilieren. Allen Beteiligten wird die Möglichkeit gegeben insbesondere mit Blick auf die Schulen und die Perspektiven der Lehrerinnen und Lehrer, ihr Verständnis des „Forschenden Lernens“ zur Diskussion zu stellen. Die Tagung findet am 25. und 26. Februar mit rund 120 Akteuren aus regionalen und landesweiten Institutionen der Lehrerausbildung in Siegen statt und ist eine Fortsetzung des Werkstatttages „Forschendes Lernen in der Lehrerbildung“, der im Mai 2013 stattfand. Auf der Tagung werden Möglichkeiten, Ansätze und Beispiele des Forschenden Lernens im Praxissemester vorgestellt und diskutiert.

Die Tagung wird gemeinsam von der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule Siegen und dem Zentrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung der Universität Siegen ausgerichtet. Im Rahmen eines Pressegesprächs unterstrichen Prof. Dr. Jutta Wiesemann als Direktorin des Zentrums für Lehrerbildung und Bildungsforschung an der Universität Siegen, Dr. Peter Hibst (Leitender Direktor des Zentrums für schulpraktische Lehrerausbildung), Rüdiger Käuser (Schulleiter des Fürst-Johann-Moritz-Gymnasiums Siegen und Vorsitzender der westfälisch-lippischen Direktorenvereinigung der Gymnasien in NRW) sowie Dr. Mario Vallana (Schulleiter der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule Siegen und Mitglied im Sprecherrat der Schulleitervereinigung der Gesamtschulen NRW) sowohl die großen Chancen wie auch die Herausforderungen, die das Praxissemester an alle Beteiligten – auch die Studierenden – stellt. 300 bis 400 Master-Studierende werden im Rahmen des Praxissemesters in einer ersten Kohorte an die unterschiedlichen Schulen und Schulformen gehen. Hibst: „Das Praxissemester ist für die Studierenden da. Sie brauchen als roten Faden Transparenz. Das ist ihre erste Erfahrung mit reflektierter Praxis.“ Dr. Vallana plädierte dafür, das Praxissemester seitens der beteiligten Schulen als Chance zu sehen. Die Reflexion theoriegeleiteter Praxis sei auch für viele Schulen neu: „Davon verspreche ich mir viel.“ Auch Käuser rückte den Aspekt der Bereicherung für die Schulen in den Vordergrund. Prof’in Wiesemann verwies darauf, dass die Studierenden, die ab dem nächsten Frühjahr erstmals ein Praxissemester absolvieren, Pionierarbeit leisteten und von daher schon mit besonderes sorgsamer Betreuung rechnen dürften.