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„Man reflektiert Dinge einfach mehr“

Siegener UN-Delegation kehrte mit vielen Eindrücken und vier Preisen als bislang bestes Team von Model United Nations Siegen aus New York zurück

18 Studierende der Universität Siegen haben an der NMUN, der Simulation der Vereinten Nationen in New York, teilgenommen. Die Siegener Delegierten vertraten die Bundesrepublik Somalia, was sich im Vergleich zur Vorjahresaufgabe Kanada als ungleich schwieriger entpuppte. Ihren Job haben die jungen Leute sehr gut gemacht. Trotz der besonderen Herausforderung schnitt das Team der Uni Siegen unter Leitung von Anke Freuwört so gut ab wie bislang noch keines bei der NMUN.

Insgesamt vier Awards wurden eingefahren. Darunter erstmalig seit der Gründung der MUN Siegen die Spitzenplatzierung als Outstanding Delegation. Die Universität Siegen befindet sich als einzige deutsche Universität in dieser höchsten Kategorie. Sie gehört neben der Erasmus University Rotterdam und der Science Po Lille zu den wenigen Nicht-US-Delegationen in diesem Platzierungsbereich. Ein wichtiger Faktor für diesen Erfolg war laut MUN-Koordinator in Elternzeit, Gerrit Pursch, die strategische Besetzung dreier Chair/Rapporteur-Positionen in New York aus dem Kreis der Siegener Delegation. Neben besagtem Preis „Outstanding Delegation“ erhielt das Team der Uni Siegen den Preis „Outstanding Position Paper Economic and Social Council Plenary mit den Studierenden Pomi Ayalew (Masterstudiengang Roads to Democracies) und Phiona Bhatasara (Masterstudiengang Economic Policy), den Preis für das Outstanding Position Paper General Assembly Third Committee mit Laura Durando (Bachelorstudiengang LKM und SK) und Max Smecz (Bachelorstudiengang Sozialwissenschaften) sowie den Preis Outstanding Position Paper International Organization for Migration mit Leonie Jahn und Cory Gregg.

Leonie Jahn, Studentin des Bachelorstudiengangs Sozialwissenschaften in Europa, war erstmals mit in New York. Ihr Eindruck von Big Apple: „Die Stadt ist riesig, die Häuserreihen wollen nicht aufhören. Es gibt so viel Licht, dass es selbst in der Nacht nicht dunkel ist.“ Auch die Anwesenheit von über 2000 Delegierten aus aller Welt hat sie tief beeindruckt: „Mein erster Eindruck war der eines riesigen Gewusels.“ Die verschiedenen Sichtweisen der Delegierten und der von ihnen vertretenen Länder seien sehr spannend gewesen: „Wir haben mit Vertreterinnen und Vertretern von Ländern zusammen gearbeitet, deren Wirken in der Welt ich bislang kaum kannte.“

Zur Delegation aus Siegen gehörten auch Astrid Pineda (Masterstudiengang Management und Märkte) sowie Clinton Richard Victor Thiagarajan (Masterstudiengang Chemistry). Clinton Richard Victor Thiagarajan: „Wir haben uns als Team über Monate hinweg vorbereitet.“ Im Bereich Umwelt ging es um die Verschmutzung der Meere: „Wir haben viele Ideen bekommen, was Somalia tun könnte.“ Das Meer hat für das Land mit seiner langen Küstenlinie ganz besondere Bedeutung besonders im Hinblick auf die Fischerei. Großfischer bedrohen die Existenz der kleinen Fischer. Zudem ist in bestimmten Küstenabschnitten die Verschmutzung vor allem mit Plastikmüll ein ernsthaftes Problem. Astrid Pineda: „Somalia hat keine Recyclinganlage. Das Land hat aber auch größere Herausforderungen zu meistern. Wir als Delegierte sind aber sensibilisiert worden und gehen künftig mit Plastik bewusster um.“

Das Sammeln von Information über das Land, das eine Delegation vertritt, gehört zu den grundlegenden Vorbereitungen für die Teilnahme an der NMUN. Clinton Richard Victor Thiagarajan: „Somalia hat keine direkten, frei zugänglichen Informationsquellen.“ Es gab nur wenige und recht alte Daten über die Bundesrepublik. Diese mussten sehr kritisch hinterfragt werden, zumal einige aus dem nicht anerkannten Somaliland stammten. Analysiert wurden deshalb Reden somalischer Delegierter bei der UN im Videostream und deren Abstimmungsverhalten. Das erfolgreiche Abschneiden bescheinigt dem Siegener Team, gute Arbeit geleistet zu haben. Clinton Richard Victor Thiagarajan: „Wir haben Somalia gut vertreten.“ Auch den richtigen staatsmännischen Ton haben die 18 Delegierten der Universität Siegen offenbar getroffen: „Wir haben viel diplomatisches Geschick gebraucht“, so Leonie Jahn. Ein wenig mehr fühlen die Teammitglieder sich nach ihrer Rückkehr als „Weltbürger“. „Man reflektiert Dinge einfach mehr und übernimmt auch eher Verantwortung.“