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Die „Ortsumgehung“ ist zur Hälfte gebaut

Andreas Maier las bei Poetry@Rubens aus seinem autofiktionalen Roman „Die Universität“

Die Basis war ein „Raumprogramm“. Die Rede ist vom Romanzyklus „Ortsumgehung“ des Schriftstellers Andreas Maier. 1967 in Bad Nauheim geboren, widmet Maier seiner Heimat und ein wenig auch sich selbst eine Saga. Band sechs ist nun erschienen und heißt „Die Universität“. Eines verbindet alle Romane („Das Zimmer“, „Das Haus“, „Die Straße“, „Der Ort“, „Der Kreis“) – jeder beginnt in seinen ersten Worten mit dem Titel.

Andreas Maier war zu Gast bei Poetry@Rubens im Apollo-Theater. Im Gespräch mit Prof. Dr. Jörg Döring von der Universität Siegen erläuterte der Gast die Genese des autofiktionalen Projekts. Erste Anregung gab Peter Kurzeck mit seinem Zyklus „Das alte Jahrhundert“. Weitere auslösende Impulse erhielt der Autor durch Edgar Reitz‘ Trilogie „Heimat“. Maier: „Nach meinen ersten vier fiktiven Romanen kam die Phase, in der ich nach einem Titel suchte. Die Titelsuche steht immer am Anfang. Diese Mal wollte ich etwas Anderes machen. Ich hatte mir geschworen, nie wieder eine Handlung zu erzählen.“ Eines Abends schrieb er die Bezeichnung „Ortsumgehung“ auf. Dann kamen die elf Titel. Jedes Buch soll für sich selbst stehen können. Jeder Roman kann mit den anderen zusammen spielen, muss es aber nicht. „Es ging um eine Schnapsidee“, so der Gast. Mittlerweile ist das Vorhaben bis zur Halbzeit gelangt. Der nächste Romantitel wird „Die Familie“ heißen.

Die autofiktionale Figur Andreas wird durch die Romane hinweg älter. In jedem Werk wird der Protagonist in Facetten neu erschaffen. In „Die Universität“ verlässt er seinen engen Heimatraum und tritt ein Philosophie-Studium im 35 Kilometer entfernten Frankfurt an. Der Schritt in die Selbstständigkeit wird begleitet von Anzeichen der Reinfantilisierung, von der Romane durchziehenden Zuneigung zur Buchhändlertochter, der Scheu vor der Reise in die weite Welt. Und doch gelingt auch Erstaunliches. Andreas verhilft der pflegebedürftigen Adorno-Witwe nochmals zu einem Anklang an Selbstbestimmtheit.

Andreas Maier las in Siegen vor allem den Romanbeginn, Betrachtungen aus dem Otto-Apel-Seminar sowie Stau-Erfahrungen. Diejenigen im Publikum, die in den 80ern studiert haben, überkam Wehmut in Erinnerung an studentische Freiheiten, kreditpunktfreies Studieren, abendliches Kneipensumpfen und schier unendlich anmutende Semesterzahlen. Den jüngeren Lesungsgästen könnte bewusst geworden sein, dass Bologna durchaus auch Schattenseiten aufweist. Die hessische Sprachfärbung des Schriftstellers verlieh der Lesung zusätzliche Authentizität.