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Teilprojekte

I. Wirtschaftliches Verstehen und ökonomische Kompetenz

Wirtschaftliches Verstehen und ökonomische Kompetenz werden in der ökonomischen Bildung in der Regel synonym verstanden. Ziel des Teilprojekts ist es die Notwendigkeit einer Erweiterung klassischer Kompetenzmessungsmodelle um die Analyse wirtschaftlicher Verstehensprozesse herauszuarbeiten und für zukünftige Forschungsprojekte fruchtbar zu machen. Hierzu ist dem Begriff der ökonomischen Kompetenz das Konzept des wirtschaftlichen Verstehens an die Seite zu stellen. Entsprechend wird vorgeschlagen, an die Traditionslinie der verstehenden Nationalökonomie von Werner Sombart anzuschließen, mit welcher eine ausgearbeitete ökonomische Verstehenstheorie vorliegt, die im Ziel auf die reflexive Gestaltung der wirtschaftlichen Ordnung ausgerichtet ist

II. Kategorien wirtschaftlichen Verstehens [Onlinebefragung]

Um eine Taxonomie wirtschaftlichen Verstehens aus der Praxis heraus zu entwickeln, bedarf es zuvor der inhaltlichen Annäherung und Eingrenzung der verschiedenen Stufenelemente ökonomischen Verstehens. Bisher besteht allerdings weder in der Literatur noch unter Expert*innen Einigkeit über die zentralen Merkmale und Bestandteile wirtschaftlicher Systeme. Um uns den Merkmalsausprägungen kapitalistischer Systeme zu nähern, sollen in einem ersten Schritt Professor*innen der Volkswirtschaftslehre bezüglich ihrer subjektiven Einschätzung zu den zehn zentralen konstitutiven Bestandteilen einer marktlichen Ordnung (z.B. Preissystem, Arbeitsteilung, Komparative Kostenvorteile, Opportunitätskosten, Wettbewerb, Rechtsordnung etc.) befragt werden. Das so ermittelte Kategoriensystem soll in einem zweiten Schritt für die Befragung von Schüler*innen operationalisiert werden.

III. Verstehende Nationalökonomie

Historisch sind die Wirtschaftswissenschaften von einer jahrzehntelangen erkenntnistheoretischen Kontroverse geprägt, so dass die Wirtschaftswissenschaften unter dem Einfluss der neoklassischen Theorie inzwischen stärker den Naturwissenschaften als den Geistes- oder Sozialwissenschaften zugeordnet werden. Diese Ausrichtung könnte unter anderem Ursache für die Exklusion hermeneutischer und rekonstruktiver Verstehensprozesse in den Wirtschaftswissenschaften sein. Entsprechend soll geprüft werden, ob der ideengeschichtliche Theorieansatz einer verstehenden Wirtschaftswissenschaft von Werner Sombart das Potenzial beinhaltet, eine an moderne Befunde anknüpfende Methode wirtschaftlichen Verstehens bereitzustellen.

IV. Choosing Inequality [Sozialvertragliche Verteilungsexperimente]

Wie stark vertrauen Menschen der Einkommenserzeugung mittels Märkten, wenn das erzielte Gehalt nicht allein von der eigenen Leistung abhängt, sondern zu einem wesentlichen Teil von der sozialen Position bestimmt wird? Empirisch lässt sich festhalten, dass Individuen grundsätzlich bereit sind, ungleiche Einkommen zu akzeptieren, allerdings unter der Bedingung, dass die Ungleichheit rein auf Leistungsunterschiede zurückzuführen ist. Die Debatte z.B. um „faire“ Managerentlohnung zeigt jedoch, dass in der Realität oft Zweifel herrschen, ob tatsächliche Einkommensunterschiede leistungsbezogen entstehen und damit legitimiert sind, oder aufgrund von Faktoren entstehen, deren Einfluss als ungerecht empfunden wird (z.B. Aufwachsen in bestimmten sozialen Milieus, ungleichen Zugang zu Bildung, Marktmacht, reines Glück etc.). Derartige Einflussfaktoren stellen das etablierte Prinzip einer „Sozialen Marktwirtschaft“ vor enorme Herausforderungen, weil die Gründe für marktliche Güterverteilung – Effizienz und wirtschaftliche Entmachtung – an Bedeutung verlieren. Das System Marktwirtschaft gerät sogar insgesamt unter Legitimationsdruck. Zur empirischen Analyse dieser Fragestellung wurde ein ökonomisches Experiment entwickelt, dass basierend auf der Sozialvertragstheorie die ordnungspolitisch relevante Frage untersucht, wie sich Einkommensimmobilität und die Reproduktion sozialer Ungleichheit auf die Legitimation marktwirtschaftlicher Funktionsprinzipien auswirkt.

V. Indoktrinations- versus Selektionseffekt [Fachkulturforschung]

Ein weiteres Forschungsgebiet umfasst die Frage nach dem Selektions- oder Indoktrinationseffekt. Es wird gefragt wie die spezifischen Persönlichkeitseigenschaften von Wirtschaftswissenschaftlern, also ihre fachspezifischen Präferenzen sowie ihre Sozialisation in die spezifische Fachkultur erklärt werden können und welche Konsequenzen sich daraus für professionsethische Überlegungen ergeben. Hierzu wird auf theoretischer Seite auf die verhaltensökonomische Fachkulturforschung und das Habituskonzept von Pierre Bourdieus zurückgegriffen. Empirisch nähern wir uns der Frage, indem ein prominentes Experiment in Siegen in den kommenden Semestern repliziert wird.