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Preiswürdige Bildungsforschung

Das Zentrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung der Universität Siegen veranstaltete wieder den Tag der Bildungsforschung. In diesem Rahmen wurden auch zwei Abschlussarbeiten von Studierenden ausgezeichnet.

Bereits zum dritten Mal veranstaltete das Zentrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (ZLB) der Universität Siegen am 29. November 2017 den Tag der Bildungsforschung. Das mittlerweile etablierte Format bringt an diesem Thementag Studierende sowie WissenschaftlerInnen aller Statusgruppen aus unterschiedlichsten fachlichen Kontexten zusammen, die sich mit spannenden Fragen zu Bildungsprozessen, vor allem in Schule und Unterricht, befassen.
„Der Tag der Bildungsforschung trägt auf diese Weise dazu bei, sichtbar zu machen, wie vielfältig und innovativ die Universität Siegen in der Bildungsforschung ist“, macht Prof. Dr. Martin Rothland, wissenschaftlicher Leiter der Bildungsforschung im ZLB, deutlich.
In besonderem Maße stehen dabei die NachwuchswissenschaftlerInnen im Fokus. Für sie stand der Workshop von Dr. Daniel Müller, dem Leiter des House of Young Talents an der Universität Siegen, zu „Promotionsverläufen und Karrierechancen in den Bildungswissenschaften – was Promotionsinteressierte wissen sollten“ auf dem Programm.
Auch Studierende konnten in einem eigens für sie angebotenen Programmpunkt bereits grundlegende Informationen zu ihrem Beitrag zur Bildungsforschung an der Universität Siegen erhalten. In einem Workshop von Studierenden für Studierende in Kooperation mit der Lernwerkstatt Lehrerbildung wurden Bachelor- und Masterarbeiten im Kontext der Bildungsforschung angelegt.
Für den Hauptvortrag am Nachmittag war der Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Colin Cramer von der Eberhard Karls-Universität Tübingen nach Siegen gekommen. Colin Cramer sprach über die national wie international viel beachtete „Mega-Analyse“ des Neuseeländers John Hattie „Visible Learning“. In dieser Studie wurden Bedingungsfaktoren erfolgreichen schulischen Lernens von Hattie auf einer Datenbasis von ca. 236 Millionen SchülerInnen und über 50.000 Primärstudien ausgewertet. Unbeeindruckt von dieser Datenmacht zeichnete Cramer die wissenschaftlichen Rezeptionslinien der Hattie-Studie nach und zeigte überzeugend ihre Grenzen auf. Als Probleme verwies er auf einfache Übertragungen von Effektstärken in Handlungsempfehlungen und die Gefahr zu einfacher (z.B. bildungspolitischer) Schlussfolgerungen als Teil der Rezeption. Auch wenn er zudem theoretische wie methodische Probleme der Studie selbst nachwies, wollte Cramer keinesfalls missverstanden werden: „Es geht mir nicht um eine Herabwürdigung der Hattie-Studie! Ein solches Ansinnen wäre zurecht angesichts der wissenschaftlichen Leistung des Autors als lächerlich zu bezeichnen.“
Einen weiteren Programmhöhepunkt stellte die Verleihung des Waxmann-Preises der Bildungsforschung 2017 dar. Ausgezeichnet wurde eine herausragende Bachelorarbeit aus der Fachdidaktik Mathematik und eine Masterarbeit aus den Bildungswissenschaften (Psychologie).
In seiner ausgezeichneten Bachelorarbeit befasst sich Maximilian Schlosser mit dem Thema „Entwicklung und Erprobung einer sprachsensiblen Lernumgebung im Mathematikunterricht der Klasse 2 zum Thema Zeit“ und entwickelt, erprobt und analysiert in dieser selbst ein neues Lernarrangement für die Unterrichtspraxis.
Julia Hofmann hat in ihrer preiswürdigen Masterarbeit ein auch öffentlich intensiv diskutiertes Thema aufgegriffen: Es geht um die Frage, ob handschriftliches Schreiben das Verstehen, das Lernen und die Gedächtnisleistung im Unterricht anders, gar besser beeinflusst als das Schreiben auf der Tastatur eines Computers. Die Ergebnisse der vorbildlich durchgeführten empirischen Untersuchung von Julia Hofmann widersprechen in gewisser Weise den Befunden vorangegangener Untersuchungen und legen in diesem Zusammenhang erstmals die Schlussfolgerung nahe, dass die Erinnerungsleistung der SchülerInnen nicht per se von der Nutzung verschiedener Schreibmedien abhängt. Der Einfluss des Schreibmediums ist eher vor allem davon abhängig, was behalten werden soll.
Überreicht wurden die Preise von Prof. Dr. Dagmar Abendroth-Timmer (Fakultät I) im Namen der interdisziplinär zusammengesetzten Jury. Da Julia Hofmann sich jedoch am Tag der Bildungsforschung im Rahmen eines freiwilligen Auslandspraktikums in Australien befand, nahm ihre Schwester Helena Hofmann – ebenfalls Studentin an der Universität Siegen – den Preis stellvertretend entgegen, nicht ohne jedoch mit einem großen Bild ihrer Schwester ausgestattet zu sein.
Einen Einblick in die Vielfalt der Siegener Bildungsforschung gewährte schließlich eine Postersession im Vorfeld und Anschluss an die Hauptveranstaltung. Siegener ForscherInnen präsentierten hier aktuelle Forschungsarbeiten und regten damit zu spannenden Diskussionen an.